Energy Challenge

19. Juli 2019 13:16; Akt: 19.07.2019 23:49 Print

Der Weg eines Öltropfens in den Tank

Aus den Tiefen des Meeres wird Rohöl gefördert, das letztlich in Form von Benzin oder Heizöl verbraucht wird. Welche Schritte durchläuft der Öltropfen dabei?

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Erdöl wird energetisch in der Form von Brenn- oder Treibstoffen genutzt. Doch wie gelangt der Öltropfen vom Meeresgrund in den Tank? Wie die Erdölförderung stattfindet, hängt von der Tiefe des Erdölvorkommens ab. In flacheren Gewässern kommt meist die stehende Bohrplattform zum Einsatz, für Meerestiefen von bis zu 130 Metern ist die vertikal bewegliche Hubbohrinsel geeignet und bei Öl-Lagerstätten in mehreren Tausend Metern Tiefe nutzt man schwimmende Bohrplattformen. Gemäss dem Statistikportal Statista waren die grössten Erdölreserven im Jahr 2018 in Venezuela, Saudiarabien und Kanada zu finden. Immer wieder sorgen Ölkatastrophen weltweit für Negativschlagzeilen. Im April 2010 explodierte im Golf von Mexiko die Bohrinsel Deepwater Horizon. Elf Arbeiter wurden getötet, 17 verletzt. Jahre danach sollen noch immer über 250 Millionen Liter Öl im Meer schwimmen. Eine weitere grosse Ölkatastrophe ereignete sich im Mai 2015, als an der kalifornischen Pazifikküste in der Nähe von Santa Barbara bis zu 400'000 Liter Öl in den Ozean flossen. Schuld war ein Leck in der Öl-Pipeline. Ist die Erdölgewinnung erfolgreich abgeschlossen, wird in Raffinerien aus Rohöl Diesel, Kerosin oder Benzin hergestellt. Ein Grossteil des per Tanker nach Europa gelangenden Rohöls wird in Raffinerien in der Nähe von niederländischen und belgischen Seehäfen verarbeitet. Diese Anlagen versorgen die Schweiz mit einem bedeutenden Teil der benötigten Brenn- und Treibstoffe. Seit den 1960er-Jahren verfügt die Schweiz über zwei eigene Raffinerien, wobei nur noch diejenige in Cressier (NE) aktiv betrieben wird. Die Raffinerie in Cressier versorgt die ganze Schweiz unter anderem mit Benzin, Diesel oder Heizöl und deckt damit rund ein Viertel des landesweiten Bedarfs ab. Der Rest wird in Form von Brenn- und Treibstoffen importiert. Mittels Rheinschiff, Kesselwagen, Pipeline und Lastwagen gelangen die Erdölprodukte in eines der Schweizer Grosstanklager. Von den Lagern aus erfolgt die Feinverteilung der Produkte auf der Schiene oder Strasse und landet schliesslich bei den Tankstellen.

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Aus der Natur wird Energie in Form von Rohöl, Erdgas, Wasserkraft, Uran, Sonnenstrahlung, Wind oder Wärme im Erdinneren gewonnen. Bevor solche Primärenergie an den Endverbraucher geliefert wird, muss sie in Sekundärenergie wie Elektrizität, Treibstoffe, Heizöl oder Fernwärme umgewandelt werden. Dieser Prozess findet beispielsweise in Kraftwerken, Raffinerien oder Fernheizwerken statt.

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Seit 1950 hat sich der Endenergieverbrauch in der Schweiz gemäss dem Bundesamt für Statistik verfünffacht. Massgeblich verantwortlich dafür war die Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung. Die Veränderungen in der Anzahl und Grösse der Wohnungen, der Fahrzeuge und der damit zurückgelegten Kilometer sowie im Umfang der Industrieproduktion und der Bautätigkeit erhöhten den Energiekonsum. Technischer Fortschritt bringt neue Energieanwendungen mit sich, aber auch eine höhere Energieeffizienz: Zwar ist der Energieverbrauch seit 1990 insgesamt um acht Prozent angestiegen, da jedoch die Wohnbevölkerung in derselben Zeitspanne um rund ein Viertel gewachsen ist, hat der Pro-Kopf-Verbrauch letztendlich um 14 Prozent abgenommen.

Anfang der 1970er-Jahre war der Erdölverbrauch in der Schweiz am höchsten

Der enorme Bedarfszuwachs wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren durch Erdölprodukte gedeckt. Diese ersetzten nach und nach die zuvor dominierende Kohle, was schliesslich in eine einseitige Abhängigkeit vom sogenannten schwarzen Gold mündete. Mit einem Erdölanteil von bis zu 80 Prozent zu Beginn der 1970er-Jahre erreichte diese Abhängigkeit ihren Höhepunkt. Seither ist der Erdölanteil in der Schweiz wieder rückläufig. Erdöl wird energetisch in der Form von Brenn- oder Treibstoffen genutzt. Doch wie gelangt der Öltropfen vom Meeresgrund in den Tank?

Wie die Erdölförderung stattfindet, hängt von der Tiefe des Erdölvorkommens ab: In flacheren Gewässern kommt meist die stehende Bohrplattform zum Einsatz, wobei die Plattform mit einem Stahlsockel fest im Meeresgrund verankert wird. Für Meerestiefen von bis zu 130 Metern ist die vertikal bewegliche Hubbohrinsel geeignet. Dabei graben sich absenkbare Gerüstbeine einige Meter tief in den Meeresboden ein. Liegen Öl-Lagerstätten in mehreren tausend Metern Tiefe, nutzt man schwimmende Bohrplattformen. Es wird davon ausgegangen, dass rund ein Viertel aller Erdölvorkommen im offenen Meer liegt. Gemäss dem Statistikportal Statista waren die grössten Erdölreserven im Jahr 2018 in Venezuela, Saudiarabien und Kanada zu finden.

Tote, verseuchte Küsten und verendete Tiere wegen Ölunfällen

Immer weder sorgen Ölkatastrophen weltweit für Negativschlagzeilen. Während des Golfkriegs 1991 floss rund eine Million Tonnen Öl in den Persischen Golf. Das Öl stammte überwiegend aus kuwaitischen Anlagen, die von der irakischen Luftwaffe bombardiert worden waren. Gut 560 Kilometer Küste wurden verpestet. Im April 2010 explodierte im Golf von Mexiko die Bohrinsel Deepwater Horizon. Elf Arbeiter wurden getötet, 17 verletzt. Jahre danach sollen noch immer über 250 Millionen Liter Öl im Meer schwimmen. Eine weitere grosse Ölkatastrophe ereignete sich im Mai 2015, als an der kalifornischen Pazifikküste in der Nähe von Santa Barbara bis zu 400'000 Liter Öl in den Ozean flossen. Schuld war ein Leck in der Öl-Pipeline. Als das Leck entdeckt wurde, flossen mehr als 300'000 Liter pro Stunde durch die Leitung. Ein 14,5 Kilometer langer Küstenstreifen wurde verseucht und unzählige Tiere verendeten.

Ist die Erdölgewinnung erfolgreich abgeschlossen, wird in Raffinerien aus Rohöl Diesel, Kerosin oder Benzin hergestellt. Ein Grossteil des per Tanker nach Europa gelangenden Rohöls wird in Raffinerien in der Nähe von niederländischen und belgischen Seehäfen verarbeitet. Diese Anlagen versorgen die Schweiz mit einem bedeutenden Teil der benötigten Brenn- und Treibstoffe.

Die Schweizer Raffinerie deckt ein Viertel des landesweiten Bedarfs ab

Seit den 1960er-Jahren verfügt die Schweiz über zwei eigene Raffinerien, wobei nur noch diejenige in Cressier (NE) aktiv betrieben wird. Die Raffinerie mit Sitz im Kanton Neuenburg versorgt die ganze Schweiz unter anderem mit Benzin, Diesel oder Heizöl und deckt damit rund ein Viertel des landesweiten Bedarfs ab. Die Raffinerie in Cressier ist durch das internationale Pipelinesystem erschlossen. Mittels Rheinschiff, Kesselwagen, Pipeline und Lastwagen gelangen die Erdölprodukte in eines der Schweizer Grosstanklager. Von den Tanklagern aus erfolgt die Feinverteilung der Produkte auf der Schiene oder Strasse.

(sts)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alfred A. am 19.07.2019 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Was mich mehr interessieren würde

    Welche Schritte und Stationen unsere Rappen durchlaufen, die wir für die Öl Tropfen her geben und was letztlich daraus wird. Das würde mich brennend interessieren.

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  • battery engineer am 19.07.2019 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwendungszwecke

    Nur ca 35% des weltweiten Lithiumverbrauchs ist für Batterien. Der Rest für die Glasherstellung, Alulegierungen, Schmierstoffe ect. Daher verstehe ich die ständige Schlechtmacherei nicht.

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  • Argus am 19.07.2019 14:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache es funktioniert

    Hauptsache der Tropfen kommt auch sicher im Tank an!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sarek vom Vulkan am 22.07.2019 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Schlimmste

    Sünde ist die Erfindung der Grün Parteien!^^

    • Frage am 22.07.2019 17:04 Report Diesen Beitrag melden

      Wo darf ich unterschreiben?

      Und wenn ich an die zweitschlimmste Partei denke, dann wird mir gleich rot...

    • Sarek vom Vulkan am 22.07.2019 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Frage

      Naja, eigentlich ist es doch egal wen man Wählt. Denn Schluss Endlich wird man von allen hintergangen bis aufs Äußerste!

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  • Schweizer am 22.07.2019 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Öltropfen vergleichen mit

    Macht aber das gleiche mit Linithium, Quecksilber und Platinabbau für Batterien sowie wie der schreckliche Kohlenabbau der Chinesen. Dann noch wieviel Wasser es braucht für diesen Abbau. Und als letztes die giftigste Entsorgung weltweit. Dies ist um das 1000 Fach schlimmere als Verbrennungsmotoren. Realität sehen. Die Politik und die europäische Autoindustrie, die grössten Verbrecherorganisationen in der EU.

    • schweizer mit wissen am 22.07.2019 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schweizer

      Sehr gut recherchiert. Eine moderne E-Auto Batterie besteht im wesentlichen aus Kupfer, Alu, Lithium und Kobalt, von dem nur Kobalt aus wirklich problematischen Quellen stammt. Linithium gibt es nicht. Quecksilber kommt nicht im E-auto vor und Platin wird eher für Katalisatoren von Verbrennungsmotoren verwendet, als in Batterien. Aber schön das Leute mit so wenig Ahnung Gerüchte verbreiten.

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  • Fehlende Lobby am 22.07.2019 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr auf Wasserstoff setzen

    Anstatt Solarpannels mit Schwerölschiffen aus China in die Schweiz zu karren, würde man lieber auf Wasserstoff setzen, der in der Schweiz hergestellt werden kann. Das Tanken geht erst noch schneller und Stromüberproduktionen könnten so gespeichert werden. Solarzellen werden nur gepusht, weil eine gewisse rote Partei massgeblich bei der Energiestrategie 2050 die Nase drin hatte und gewisse Bundesämter ebenso rot angehaucht waren. Zudem versucht jetzt der eine Parteikollege der Solarlobby pardon Solarindustrie mit einem Marshall-Plan unter die Arme zu greifen. Grosse Kosten für nix.

    • Kein lobbist am 22.07.2019 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fehlende Lobby

      Fehlende Ahnung? 80% des heutigen Wasserstoffs stammt aus Erdgas, dieses kommt aus problematischeren Ländern als China. wenn in zukunft der wasserstoff als speicher für erneuerbare Energien herhalten soll, braucht es auch solarzellen, dann sind wir wieder am gleichen punkt. Übrigens gibt es momentan kein effizienteren weel-to-wheel weg als derjenige, der übers bev e-auto führt. selbst wenn der strom aus dem kohlekraftwerk stammt. wasserstoff hat einen grotten schlechten wirkungsgrad und ist nur wenig besser als diesel.

    • Fehlendes Textverständnis am 22.07.2019 17:02 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte richtig lesen

      Wo habe ich in meinem Text behauptet, dass Wasserstoff den besten Wirkungsgrad hat? Man sieht deutlich, dass Sie von der Solarlobby sind, auch wenn Sie gegenteiliges behaupten. Von den neuen Erneuerbaren machen Windräder in MEINEN Augen am ehesten Sinn. Die kann man wneigstens anständig recyceln, wie der Mast aus Stahlbeton oder Stahl. Bei den Solarzellen hat es einige Problemfälle, die Cadmium enthalten. Viel Spass beim Verwerten! Viel Spass auch beim Speichern von Strom aus Solarzellen. Ach da braucht es ja nur ein paar Stauseen oder Millionen Batterien, die total "ungiftig" sind.

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  • ili am 22.07.2019 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    doppelmoral

    viel wichtiger ist wohl die frage welche länder werden total zerstört um ein tropfen in den tank zu bekommen. lybien, irak, syrien,iran.... und es werden andere folgen im nahenosten und danach werden alle jammern warum die flüchtlinge in europa ankommen werden.

  • nw1m am 22.07.2019 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Follow the Money

    Wichtig ist auch zu wissen, welche Länder wie viel Öl haben. Das wirft ein spezielles Licht auf die Zustände im Iran und Venezuela.

    • Stimmt am 22.07.2019 12:11 Report Diesen Beitrag melden

      Nur sind

      leider beide erwähnten Länder boykottiert . Eben weil sie Öl haben, aber nicht nach der Pfeife der Amis hüpfen.

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