Energy Challenge

19. Juni 2018 16:09; Akt: 20.06.2018 15:07 Print

Die Schweiz ist abhängig von ausländischer Energie

Drei Viertel der hierzulande verbrauchten Energie kommt aus dem Ausland. Es gibt eine nachhaltige Lösung.

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2016 wurden 3923 Gigawattstunden Elektrizität eingeführt. Vor allem im Winterhalbjahr ist die Schweiz auf Stromimporte angewiesen. Im Bild ist das AKW Cattenom in Frankreich zu sehen. (Bild: Keystone/AP/Timur Emek)

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Aus der Natur wird Energie in Form von Rohöl, Erdgas, Wasserkraft, Uran, Sonnenstrahlung, Wind oder Wärme im Erdinneren gewonnen. Bevor solche Primärenergie an den Endverbraucher geliefert wird, muss sie in Sekundärenergie wie Elektrizität, Treibstoffe, Heizöl oder Fernwärme umgewandelt werden. Dieser Prozess findet beispielsweise in Kraftwerken, Raffinerien oder Fernheizwerken statt.

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Seit 1950 hat sich der Endenergieverbrauch in der Schweiz gemäss dem Bundesamt für Statistik verfünffacht. Massgeblich verantwortlich dafür war die Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung. Die Veränderungen in der Anzahl und Grösse der Wohnungen, der Fahrzeuge und der damit zurückgelegten Kilometer sowie im Umfang der Industrieproduktion und der Bautätigkeit erhöhten den Energiekonsum. Technischer Fortschritt bringt neue Energieanwendungen mit sich, aber auch eine höhere Energieeffizienz: Zwar ist der Energieverbrauch seit 1990 insgesamt um acht Prozent angestiegen, da jedoch die Wohnbevölkerung in derselben Zeitspanne um rund einen Viertel gewachsen ist, hat der Pro-Kopf-Verbrauch letztlich um 14 Prozent abgenommen.

Erdgas und Elektrizität wurden in den letzten Jahrzehnten immer wichtiger

Der enorme Bedarfszuwachs wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren durch Erdölprodukte gedeckt. Die Erdölprodukte ersetzten nach und nach die zuvor dominierende Kohle, was schliesslich in eine einseitige Abhängigkeit vom sogenannt schwarzen Gold mündete. Diese erreichte mit einem Erdölanteil von bis zu 80 Prozent zu Beginn der 1970er-Jahre ihren Höhepunkt. Seither ist der Erdölanteil in der Schweiz wieder rückläufig. Erdöl wird energetisch in der Form von Brenn- oder Treibstoffen genutzt. Mit dem Rückgang der Erdölbrennstoffe hat neben Treibstoffen vor allem Erdgas, aber auch Elektrizität an Bedeutung gewonnen.

2016 wurden dem Bundesamt für Statistik zufolge in der Schweiz rund 24'570 Millionen Franken – oder knapp vier Prozent der Gesamtleistung der Volkswirtschaft (BIP) – für Energie ausgegeben. Den grössten Anteil am Endverbrauch hatten Treibstoffe mit 34,2 Prozent, danach folgten Elektrizität mit 24,5 Prozent und Gas mit 13,7 Prozent.

Nur ein knapper Viertel der schweizweit konsumierten Energie wird im Inland produziert

Die Schweiz verfügt mit Ausnahme von Wasserkraft und Brennholz über geringe klassische Energievorkommen. Bloss ein knapper Viertel (24,6 Prozent) der in der Schweiz verbrauchten Energie stammt deswegen aus heimischer Produktion. Am häufigsten importiert werden Rohöl und Rohölprodukte. 2016 wurden gemäss dem Bundesamt für Statistik rund 10'332'000 Tonnen Rohöl und Erdölprodukte eingeführt, während es 197'000 Tonnen Kohle und 3923 Gigawattstunden Elektrizität waren. Vor allem im Winterhalbjahr ist die Schweiz auf Stromimporte angewiesen.

Woher kommt der Strom, den wir aus den Steckdosen beziehen? 56,9 Prozent der hierzulande verbrauchten Elektrizität stammt aus Wasserkraftwerken, 37,7 Prozent aus nichterneuerbaren Energiequellen und knapp sechs Prozent sind auf neue erneuerbare Energie sowie fossile Brennstoffe zurückzuführen. Da an Schweizer Steckdosen aber nicht nur Strom aus Schweizer Produktion geliefert wird und laut dem Bundesamt für Energie «ein reger Handel mit dem Ausland herrscht», stimmt der Schweizer Produktionsmix nicht mit der durchschnittlichen Zusammensetzung des gelieferten Stroms – dem sogenannten Schweizer Liefermix – überein. Um über den Liefermix jedes Stromversorgers Transparenz zu schaffen, sind Schweizer Stromversorgungsunternehmen seit 2005 gesetzlich verpflichtet, Herkunft und Zusammensetzung des gelieferten Stroms offenzulegen. Die Deklaration erfolgt jeweils rückwirkend und die Angaben beziehen sich auf das vorangegangene Kalenderjahr.

Ist die Sonneneinstrahlung in der Schweiz stark genug für Solarenergie?

Solarenergie macht heute bloss 2,25 Prozent der Elektrizitätsproduktion in der Schweiz aus. Die Kraft der Sonne könnte in der Schweiz aber stärker genutzt werden und die Abhängigkeit von ausländischem Strom verringern: Auf die gesamte Fläche der Schweiz mit ihren 41'285 Quadratkilometern trifft etwa 200-mal mehr Sonneneinstrahlung, als im gesamten Land Energie verbraucht wird. Einige sehr sonnige Standorte wie Sitten (VS) oder Samedan (GR) sind punkto Einstrahlung sogar mit der italienischen Toskana oder der französischen Provence vergleichbar. Die heutige Nutzung der Photovoltaik hängt allerdings nur bedingt von der jeweiligen Intensität der Sonneneinstrahlung ab. Zu den Ländern mit der stärksten Nutzung in Europa gehören sowohl südliche Länder wie Griechenland und Italien als auch Deutschland, Belgien oder die Tschechische Republik. Das Produktionspotenzial auf Schweizer Dächern und Fassaden ist hoch, könnte es doch rund die Hälfte des gesamten inländischen Stromverbrauchs abdecken. Dieses Potenzial wird jedoch noch kaum genutzt: 2016 waren erst auf fünf Prozent der geeigneten Dach- und Fassadenflächen Photovoltaik-Anlagen installiert.

(sts)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Matthias am 19.06.2018 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langsam ist es genug

    Aus dem Ausland Strom beziehen, weil die Schweiz nicht genug selber produziert oder auch nicht produzieren kann und dann sollen wir noch Tipps annehmen, die man als Mieter sowieso nicht durchführen kann, weil man keinerlei Möglichkeiten hat etwas zu ändern. Macht den Menschen nicht jeden Tag ein schlechtes Gewissen. Die in Bern interessiert es auch nicht, wie der Strom im Ausland hergestellt wird und Anreitze fürs Stromsparen für Vermieter und Hausbesitzer gibt es von Bern auch nicht. Mit Vorderungen und Verboten die einen Haufen Ausgaben für alle bedeuten, hat man nich nie einen Blumentopf gewonnen. Jeder normal denkende Mensch spart wo er kann und am Ende bringt es rein gar nichts, weil das Geld einem Anderorts wieder weggenommen wird.

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  • Werner Wenger am 19.06.2018 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Miesmacherei mit Bundesgeldern?

    Diese Meinungen sehr oft kaum durchführbaren Hinweise könnt ihr vergessen. Kühlschrank auswechseln - Sache des Vermieters! Also als Mieter kein Einfluss. Strom aus dem Ausland? Als Netznutzer, der seinen Anbieter nicht auswählen kann, keinen andere Wahl. Mit solchen Typs erzeugen sie bei vielen Bürgerinnen und Bürgern schlechte Gefühle! Darum weg damit oder bringt durchführbare Ideen!

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  • steff am 19.06.2018 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wann ist endlich Schluss?

    Bitte zurück zur 4Millionen Schweiz! Damals hatten wir noch Platz hier und jetzt.....brauche ich am Morgen 1.Stunde länger zur Arbeit und am Abend das gleiche für den Nachhauseweg! Danke für die Verschlechterung und danke dass es viellen reichen Säcke jetzt viel besser geht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lori am 21.06.2018 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    aha

    Jetzt weiss ich endlich, weshalb so irre in Elektromobile investiert wird. DER Weg der Mobilität ist eindeutig, oder doch nicht so ganz? Nur die Schweizer, die merkens nicht. lustig, findet ihr nicht auch?

    • Xeno72 am 22.06.2018 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lori

      Ja, das ist der Weg, wobei der Umstieg länger dauern wird als oft vermutet wird.

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  • martin noris am 21.06.2018 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einkaufsturisten

    zum glück kommt mein strom aus der steckdose ich unterstütze diese leute nich die alles aus dem ausland bezihen sei es schnell über die grenze zum einkaufen von ess waren und jetzt holen sie noch den billigstrom aud dem ausland stad den aus der steckdose zu nehmen an die umwelt denkt widdr niemand benzin...

    • Stefan VonLanden am 26.06.2018 12:08 Report Diesen Beitrag melden

      Sie haben sich im Thema vergriffen

      ... es geht um Energie und Effizienz

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  • Andrea am 21.06.2018 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich kurzsichtig

    Leuthard ist die Verantwortliche für dieses Desaster.

    • Km am 21.06.2018 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andrea

      Welches Desaster. Wo gibt es Probleme? Mir ist nichts bekannt. Bitte sagen die es uns.

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  • A. Müller am 21.06.2018 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Strom sparen

    Man müsste allen diese Bundesstatistiker den Strom und die Wärme abdrehen, dann hätten wir eine grössere Eigendeckung.

    • Ingrid am 21.06.2018 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @A. Müller

      Das ist Anarchie und das will nun wirklich niemand.

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  • Guiseppe am 21.06.2018 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Business mit Strom

    Spart keinen Strom, Strom ist da zum Geschäften, zum Verkaufen. Sonst gäbe es keine Stromproduzenten. Auch in dieser Branche herrscht eine unglaubliche Doppelmoral.