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Energy Challenge

02. Juni 2018 10:06; Akt: 02.06.2018 10:06 Print

Diese Energiesparmythen halten sich hartnäckig

Einige Mythen zum Thema Energiesparen sind nach wie vor stark in vielen Köpfen verankert – zu Unrecht. Hier werden Un- sowie Halbwahrheiten entlarvt.

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Ob es um Alltagstätigkeiten wie Waschen und Einkaufen oder um Grossprojekte wie die Planung des Eigenheims geht: Energiesparmythen sind in praktisch jedem Lebensbereich zu finden. Hier werden einige Falschannahmen aufgedeckt. Dies kann bisweilen zu Ablehnung oder Überraschung führen. (Bild: Screenshot des Films «Friday», New Line Cinema)

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Rund 20'000 Entscheidungen treffen Erwachsene jeden Tag. Dazu gehören auf den ersten Blick unwichtige Angelegenheiten wie etwa die Auswahl eines Znüni-Apfels oder eines Wäscheprogramms für die schmutzige Kleidung. Viele Entscheidungen treffen wir intuitiv und denken höchstens drei Sekunden darüber nach. Verifizierte Informationen helfen dabei, bewusst zu entscheiden und auszuwählen, während der Glaube an Mythen zu irrationalem Entscheidungsverhalten mangels Fakten führt.

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Wenn es um Energiesparen und Umweltfreundlichkeit geht, herrscht nach wie vor grosse Unsicherheit, und viele Halb- oder Unwahrheiten halten sich hartnäckig. Dies ist schade, da man mit Energiesparen nicht nur der Umwelt etwas Gutes tut, sondern auch seinem Portemonnaie. Nachfolgend werden oft zitierte Energiesparmythen entlarvt.

Da das sogenannte Öko-Programm vieler Waschmaschinen länger dauert als ein normaler Waschgang, wird dadurch fast gleich viel Energie verbraucht wie mit dem Standard-Programm. Diese Aussage ist falsch. Die insgesamt rund zwei Millionen Waschmaschinen in Schweizer Haushalten brauchen am meisten Energie für das Aufwärmen des Wassers, je nach Quelle sind es bis zu zwei Drittel des Gesamtenergieverbrauchs eines Waschvorgangs. Energie lässt sich somit vor allem durch tiefere Wassertemperaturen sparen. Mit 30 Grad lässt sich daher bis 70 Prozent Strom sparen gegenüber einer 90-Grad-Wäsche und bis 20 Prozent gegenüber einer 40-Grad-Wäsche. Doch auch der Verzicht auf die Vorwäsche, Füllmenge und das Trocknen haben Einfluss auf den Energieverbrauch – und somit die Stromkosten – beim Waschen. Das Drehen der Trommel verbraucht vergleichsweise wenig Strom. Beim Öko-Programm wird die Wäsche vielfach zuerst eingeweicht, wodurch danach mit tieferen Temperaturen gewaschen werden kann.

Der Abwasch von Hand ist energieeffizienter als mit der Spülmaschine. Diese Behauptung stimmt nicht und wurde in zahlreichen Studien widerlegt. Mit der Spülmaschine wird für den Abwasch deutlich weniger Energie verbraucht als für das Spülen von Hand – sofern man für den Vergleich einen Handabwasch unter fliessendem Warmwasser annimmt. Ein aktueller Geschirrspüler der Effizienzklasse A+++ benötigt für einen Abwasch sieben bis zehn Liter Warmwasser und 0.7 bis 0.9 Kilowattstunden Strom. Für den Handabwasch werden je nach Quelle zwischen drei- und sechsmal so viel Wasser und Energie verbraucht.

Weil in LED-Lampen mehr graue Energie steckt als in herkömmlichen Glühbirnen, belasten LED-Leuchtmittel die Umwelt stärker.Diese Aussage ist falsch. Für die Herstellung einer LED-Lampe werden etwa drei bis vier Kilowattstunden benötigt. Wenn also eine 60-Watt-Glühlampe durch eine ebenso helle LED-Lampe ersetzt wird, hat man die graue Energie bereits nach rund 70 Betriebsstunden eingespart. Die Lebensdauer einer LED liegt im Vergleich dazu bei gut 20'000 Betriebsstunden.
Gebäudeisolation sorgt im Winter für tiefere Heizkosten, im Sommer staut sich die Hitze jedoch vermehrt in gut isolierten Gebäuden. Ganz im Gegenteil: Eine gute Dämmung lässt die Hitze gar nicht erst in das Haus hinein. In schlecht oder gar nicht isolierten Dachgeschossen kann es im Sommer bis zu 80 Grad Celsius heiss werden.

Die Schweiz hat nicht genügend Sonnenstunden für Solarenergie. Diese Aussage ist komplett unwahr. Die jährliche Einstrahlung variiert hierzulande je nach Standort zwischen 1050 und 1550 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Das heisst, auf die gesamte Fläche der Schweiz mit ihren 41'285 Quadratkilometern trifft etwa 200-mal mehr Sonneneinstrahlung, als im gesamten Land Energie verbraucht wird. Einige sehr sonnige Standorte wie Sion (VS) oder Samedan (GR) sind in puncto Einstrahlung sogar mit der italienischen Toskana oder der französischen Provence vergleichbar. Die heutige Nutzung der Photovoltaik hängt allerdings nur bedingt von der jeweiligen Intensität der Sonneneinstrahlung ab. Zu den Ländern mit der stärksten Nutzung in Europa gehören sowohl südliche Länder wie Griechenland und Italien als auch Deutschland, Belgien oder die Tschechische Republik. Das Produktionspotenzial auf Schweizer Dächern und Fassaden ist hoch, könnte es doch rund die Hälfte des gesamten inländischen Stromverbrauchs abdecken. Dieses Potenzial wird jedoch noch kaum genutzt: 2016 waren erst auf fünf Prozent der geeigneten Dach- und Fassadenflächen Photovoltaik-Anlagen installiert.

Früchte und Gemüse aus der Schweiz weisen immer eine bessere Energiebilanz auf als importierte Produkte. Die Faustregel, dass Produkte aus der Region in jedem Fall umweltfreundlicher sind, sollte nicht bedingungslos angewandt werden: Wird Obst oder Gemüse in beheizten Gewächshäusern produziert, macht die Heizenergie den grössten Teil der auf dem Lebensweg der Produkte benötigten Energiemenge – der sogenannten grauen Energie – aus. Daher ist die Energiebilanz von Tomaten, Gurken oder anderen Gemüsesorten, die in der Schweiz ausserhalb der Hauptsaison in fossil beheizten Gewächshäusern produziert werden, schlechter als diejenige der gleichen Produkte aus Südeuropa. Der Transport mit Lastwagen fällt weniger ins Gewicht als die Beheizung der Gewächshäuser. Deswegen sollten umweltbewusste Konsumenten auf Saisongemüse aus Freilandanbau zu setzen. Früchte und Gemüse aus der Region sind nämlich besonders umweltfreundlich, wenn sie auch Saison haben.

(sts)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Meier am 02.06.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdige Vergleiche

    Abwaschen von Hand: Wer unter FLiESENDEM warmem Wasser sbwäscht, dem gehört on der Tat das warme Wasser abgestellt. Solarenergie: Zur Berechnung die gesammtfläche der Schweiz zu verwenden ist wohl mehr als blauäugig

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  • David Kamber am 02.06.2018 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bekannt

    Da erfährt man aber wirklich nicht neues!

  • ShenShen am 02.06.2018 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoch- und Niedertarife?

    Meine Mutter achtet immer noch auf gewisse Wasch-Zeiten, wie früher. Da war offenbar waschen am Mittag und Abend günstiger (Hoch- u. Niedertarif) Ist das noch immer so?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 33 am 06.06.2018 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Und das zu recht

  • Alfred A. am 06.06.2018 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    LED Leuchtmittel halten länger

    Das habe ich auch geglaubt. Aber so generell kann man das offenbar nicht sagen. Zwar habe ich auch alle 14 Glühlampen im Haushalt durch LED Leuchtmittel ersetzt aber leider waren darunter 3 LED Leuchten, die keine 200 Stunden durchgehalten haben. Weit weniger als die Glühlampen. So dienen jetzt die alten Glühlampen, die ja noch gut sind als Ersatz, falls weitere LED's flöten gehen.

  • Sonja am 06.06.2018 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Tipp

    Waschen mit 30 Grad ist alles andere als hygienisch. Dies, auch wenn heute Waschmittelhersreller uns sagen wollen, dass dies reicht. Wo bleibt da die Ersparnis?

    • PS;L am 06.06.2018 10:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Sonja - Das stimmt nicht!

      Doch ist es - dies liegt aber an chemischen Zusätzen in den Waschmitteln - Wollen Sie hygienische Wäsche ohne Chemie, bleibt nur Kochwäsche.

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  • Broetli am 06.06.2018 00:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich sehe schon

    Die Ungebildeten, die schon im Rahmen der Abstimmung zum EnG mit Unwahrheiten gepoltert haben, kriechen wieder aus ihren Löchern.

    • Peter M am 06.06.2018 09:09 Report Diesen Beitrag melden

      Witzig

      Das einzige Argument welches die Befürworter haben bzw. hatten: die anderen sind ungebildet oder "du arbeitest im AKW". Aber wirklich Fakten hörte man NIE.

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  • M. Ann am 05.06.2018 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Hä?

    Punkt 1 wird überflüssig, wenn punkt 2 eingehalten wird. Bei punkt 3 wirds eklig, wenn die unterhosen lediglich auf 30 grad gewaschen werden, zudem stinkts.