Zürich

30. September 2016 20:30; Akt: 30.09.2016 20:30 Print

Dieser E-LKW sorgt für Gezwitscher statt Lärm

Die Firma Planzer wirbt mit einem elektrischen Lastwagen für ökologische Transporte. Das sei jedoch nur für Kurzstrecken sinnvoll, sagt ein Experte.

Das Transportunternehmen Planzer testet auf Zürichs Strassen einen E-LKW.
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Während der Hype um Elektroautos keine Grenzen zu kennen scheint, hört man über den Einsatz der Technologie bei den Transportunternehmen noch wenig. Dabei gibt es Firmen, die schon am Einsatz von elektrisch angetriebenen Lastwagen tüfteln. Bei Planzer ist etwa seit kurzem ein Elektro-LKW in der Region Zürich unterwegs. In einem Clip präsentiert das Transportunternehmen seinen E-LKW, der durch Zürichs Strassen kurvt, während aus einem Lautsprecher Vogelgezwitscher ertönt (siehe Video). «Auch Elektro-Lastwagen sind beinahe geräuschlos unterwegs, und im Rahmen der Sicherheit wollen wir uns mit dem Zwitschern der Vögel auf eine etwas andere Art bemerkbar machen.», sagt Sprecher Jan Pfenninger.

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Wird sich der Elektroantrieb auch bei den Lastwagen durchsetzen?
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Der umgerüstete LKW von Planzer schafft mit einer Batterieladung eine Reichweite von 250 Kilometern. Laut Pfenninger ist er damit für die Feinverteilung der Lieferungen in der Innenstadt gedacht. «Um eine Ladung von Genf nach Zürich zu bringen, ist die Batterie knapp», erklärt Pfenninger. Es gehe in einem ersten Schritt um den Einsatz in der Citylogistik, wo kurze Lieferungen in der Stadt mit dem E-LKW abgedeckt würden.

3,5-mal teurer als ein herkömmlicher Lastwagen

Bei der Anschaffung kostet der E-LKW laut Pfenninger zwar noch deutlich mehr ein herkömmlicher Lastwagen. «Ein solcher Truck ist rund 3,5-mal teurer», sagt Pfenninger. Und es bezahle natürlich auch kein Kunde mehr, nur weil der E-LKW die Ware abhole. «Somit ist dies eher eine Investition in die Zukunft.»

Ein Grund dafür, dass Transportunternehmen verstärkt an der Elektrifizierung ihrer Flotte arbeiten, ist laut Verkehrssoziologe Jörg Beckmann von der TCS-Mobilitätsakademie auch der kürzlich bekannt gewordene Diesel-Skandal in der Automobilindustrie. «Immer mehr Städte in Europa beschränken die Zufahrt für Diesel-Lieferwagen», sagt Beckmann.

Dies, weil der jüngste Abgas-Skandal erneut gezeigt habe, welchen Einfluss der Dieselmotor auf die Feinstaubbelastung habe. Zu einem ähnlichen Schluss kommt eine Studie vom Beratungsunternehmen McKinsey, die letzte Woche veröffentlicht wurde. Vier von fünf befragten Transportunternehmen gingen laut Studie davon aus, dass Innenstädte nach 2030 für Lieferfahrzeuge mit Verbrennungsmotor gesperrt sein werden.

«Im internationalen Schwerverkehr braucht es weiterhin Verbrennungsmotoren»

Eine weitere Erkenntnis der Studie: Knapp 70 Prozent der befragten Unternehmen erwarten, dass 2025 ein Drittel der Nutzfahrzeuge einen elektrischen Antrieb haben wird. Diese Prognose ist für Gil Georges, der die Gruppe Energiesysteme am Labor für Aerothermochemie und Verbrennungssysteme an der ETH Zürich leitet, jedoch etwas zu optimistisch, besonders für den internationalen Schwerverkehr.

«Weil Batterien auch in Zukunft kaum eine ausreichende Energiedichte haben werden, um genügend Reichweite zu garantieren, wird es hier weiterhin Verbrennungsmotoren brauchen», sagt Georges. Anders sieht es für ihn im städtischen Transport aus. «Dort gibt es für E-LKWs einiges Potenzial.» Jedoch komme es auf die Ladung an: «Wenn natürlich ein 40-Tönner Baumaterialien lädt, will der Transporteur sichergehen, dass er nur einmal fahren muss.» Weil es für die gleiche Leistung und Reichweite sehr schwere Batterien bräuchte, könnte ein solcher LKW jedoch dementsprechend weniger zuladen, was für den Logistiker nicht attraktiv sei.

Lastwagen wie Trolleybusse an elektrischen Fahrleitungen?

Jörg Beckmann von der Mobilitätsakademie geht davon aus, dass sich im Transportwesen nicht nur die Batterie als Energiespeicher durchsetzen wird. «Für die Transportindustrie wird es eine Bandbreite an Lösungen für die Elektrifizierung geben.» Er denkt dabei auch an LKWs, die wie Trolleybusse an Stromleitungen fahren, oder an Brennstoffzellenfahrzeuge.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • XC90 am 30.09.2016 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werbung

    Und nun auch noch Gratiswerbung ;-) Trotzdem, eine gute Sache.

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  • Expraesi am 30.09.2016 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuerlast

    Zur Zeit nichz sehr interessan für Fuhrparkbetreiber. Die LSVA wird auf dem Gesammtgewicht besteuert. Bei einem grossen Anteil Batterien bleibt da nicht viel übrig im Stückgutgeschäft. Ev sollte der Bund hier schneller reagieren und diese Fahrzeuge kurzfristig anders besteuern?

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  • dani am 30.09.2016 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2ter

    super. aber coop ist das schon länger am testen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lucky Trucker am 02.10.2016 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ÜRNER

    Das E Lkw konzept ist leider noch viel zu wenig ausgeklügelt. Es braucht noch sehr viel bis man sie in der ganzen Schweiz einsetzen könnte. Vorallem in den Bergen wird es Probleme geben dann die kleine Reichweite und die geringe Nutzlast. Wir fahren im Tag ca. 400km in der ganzen Schweiz. Und bei keinem Kunden ist ein Güterbahnhof in der Nähe, das wird sich auch im Schweizweiten Transport nicht durchsetzen, im Internationalen Transport hingegen schon wenn unsere Nachbarländer auch mitziehen und auf Schienentransport setzen und ihre Güterbahnhöfe aufrüsten und evt. die Schienenbetzwerke ausbauen. Zudem vergessen viele Leute hier dass ein Lkw der heutigen Generation also EURO 6 mit AdBlue säuberere (Luft) aus dem Partikelfilter bläst weder er ansaugt. Nach meiner Meinung wird das Transportgewerbe schon genug schikaniert und ausgebeutet.

  • Alexander am 01.10.2016 23:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Coop, schon lange

    und coop fährt seit zwei Jahren mit lkw's von e-force. hat mehrere im Sortiment, dieses jahr alleine kamen 4 neue... planzer ist da wohl etwas spät... nichts neues, sorry...

  • De mike am 01.10.2016 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    Und all die verwirrten vögel?

  • Frank Thurnherr am 01.10.2016 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der einzige richtige Schritt in die Zukunft!!

    Das ist doch eine super Neuigkeit für alle Städte und für Aglomerationen. jeder Lastwagen (auch Auto!) weniger, ohne Verbrennungsmotor ist eine Investition in die Zukunft. da muss der Bund sofort aufspringen und diese Fahrzeuge bevorteilen in allen Belangen und was wichtig ist, die Städte und Aglomerationen müssen ihren Druck verstärken und grösstenteils, Verbrennungsmotoren in Innenstädten verbieten. so würde für mich eine Maud für Städte Sinn machen. Fahrzeuge mit Elektroantrieb Gratis in die Städte und Verbrennungsmotoren müssten bezahlen. "Schöne neue Welt"

  • Werner Maag am 01.10.2016 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Transportgut

    Wann endlich diskutiert die Politik darüber, was auf den LKW gehört! Nicht verderbliche Massengüter haben auf einer Transportdistanz von über 100 km nichts auf der Steasse verloren.

    • Logischtik am 01.10.2016 19:18 Report Diesen Beitrag melden

      Zug um Zug

      Und wie Bitteschön kommen Ihre und Meine Güter (mit Ihren Worten nichtverderblich: Kleider, Kosmetika, Elektronik etc.) vom Bahnhof in die Geschäfte? Mit einer riesigen Flotte von Kleintransportern? Lieber ein LKW auf der Strasse welcher 15 Tonnen transportiert, als 30 Kleintransporter.

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