Energy Challenge

23. Juni 2019 18:38; Akt: 27.06.2019 14:10 Print

Kennst du die Stromfresser im Haushalt?

Privathaushalte sind in der Schweiz für einen Drittel des Endenergieverbrauchs verantwortlich. Hier gibt es Tipps, wie du den Stromverbrauch senken kannst.

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In der Wärmebilanz eines durchschnittlichen Haushaltes werden 20 bis 50 Prozent für die Wassererwärmung genutzt. Die Hände mit kaltem Wasser zu waschen, beim Zähneputzen das Wasser nicht laufen zu lassen und kurze Duschen senken die Stromkosten. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Heizen, Duschen, Kochen und Unterhaltung: Privathaushalte geben pro Jahr 900 Franken für Elektrizität aus. 2018 waren es 918 Franken und Hochrechnungen ergeben für 2019 durchschnittliche Stromkosten von 923 Franken pro Haushalt. Im gesamtschweizerischen Durchschnitt kostet eine Kilowattstunde aktuell Strom 20,5 Rappen. Nachfolgend wird aufgezeigt, wo in deinem Haushalt Stromfresser lauern.

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Wassererwärmung: Das Thema Wassersparen wird in der Schweiz kontrovers diskutiert. Die Schweiz ist ein eigentliches Wasserschloss und Wasser ist in den meisten Jahreszeiten fast im Übermass vorhanden. «Es muss unterschieden werden, ob es um kaltes oder um warmes Wasser geht. Im Warmwasser ist viel Energie enthalten und es gibt einfache Möglichkeiten, ohne Komfortverlust einiges an Energie- und Energiekosten einzusparen», sagt Energieberater Jules Pikali, der während der letzten Energy Challenges als Dr. Energy Leserfragen rund um das Thema Energiesparen beantwortete. In der Wärmebilanz eines durchschnittlichen Haushaltes werden 20 bis 50 Prozent für die Wassererwärmung genutzt. «Wenn das Wasser in einem Elektroboiler erwärmt wird, macht dies sogar meist mehr als die Hälfte des Stromverbrauches eines Haushaltes aus», erklärt Pikali. Die Hände mit kaltem Wasser zu waschen, beim Zähneputzen das Wasser nicht laufen zu lassen und kurz duschen statt zu baden reduzieren den Verbrauch des kostbaren Guts Wasser und senken die Stromkosten.

Tropfende Wasserhähne: In einem Elektroboiler erwärmtes Wasser ist in Privathaushalten vielfach für mehr als die Hälfte des Elektrizitätsverbrauchs verantwortlich. «Ein tropfender Wasserhahn kann darum schnell dazu führen, dass sich die Stromrechnung verdoppelt», warnt Pikali. Auch der Thermostat am Boiler sollte regelmässig überprüft werden. Ideal ist eine Einstellung von 55 Grad Celsius. Bei Temperaturen darüber steigen die Wärmeverluste und damit auch der Stromverbrauch. Mit einer niedrigeren Temperatur besteht die Gefahr, dass sich Legionellen bilden können.

Waschen: Die insgesamt rund zwei Millionen Waschmaschinen in Schweizer Haushalten brauchen am meisten Energie für das Aufwärmen des Wassers, je nach Quelle sind es bis zu zwei Drittel des Gesamtenergieverbrauchs eines Waschvorgangs. Mit modernen Waschmitteln genügt für leicht bis mittelmässig verschmutzte Wäsche in vielen Fällen eine Waschtemperatur von 30 Grad. Bei tiefen Temperaturen wird zudem das Gewebe geschont. Mit 30 Grad lässt sich bis 70 Prozent Strom sparen gegenüber einer 90-Grad-Wäsche und bis 20 Prozent gegenüber einer 40-Grad-Wäsche.

Tumbler: Wie viel Strom ein Tumbler verbraucht, hängt von seinem Alter und vom Gerätetyp ab. Der durchschnittliche Stromverbrauch eines zehn Jahre alten Gerätes vom verbrauchsarmen Typ Wärmepumpentrockner liegt bei rund 4,1 Kilowattstunden pro Trockengang. Bei 160 Trockengängen im Jahr und einem Strompreis von durchschnittlich 20,5 Rappen pro Kilowattstunde entstehen so Stromkosten von über 130 Franken im Jahr. Ein modernes Gerät der Energieeffizienzklasse A+++ verbraucht dagegen nur 1,45 Kilowattstunden pro Trockengang. Damit belaufen sich die Stromkosten auf knapp 48 Franken jährlich. An sonnigen Tagen kann Wäsche im Freien trocknen, was kostenlos ist.

Kochen: Rund drei Millionen Haushalte in der Schweiz verbrauchen zum Kochen und Backen 1,2 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr. Da beim Kochen fast immer Wasser erwärmt wird, kann der Energieverbrauch der verschiedenen Kochmethoden gut illustriert werden, indem man die zum Erhitzen von einem Liter Wasser bis zum Siedepunkt benötigte Energie misst und vergleicht. Wassersieden im Wasserkocher ist die umweltfreundlichste, günstigste und schnellste Methode: Bereits nach dreieinhalb Minuten ist das Ziel erreicht. Doppelt so lange dauert es in einer zugedeckten Qualitätspfanne auf einer kleinen Herdplatte. Bringt man Wasser in einer alten Pfanne ohne Deckel auf einer zu grossen Herdplatte zum Sieden, dauert dies 15 Minuten und man braucht über viermal so viel Strom wie im Wasserkocher.

Hand-Abwasch: Mit der Spülmaschine wird für den Abwasch deutlich weniger Energie verbraucht als für das Spülen von Hand – sofern man für den Vergleich einen Handabwasch unter fliessendem Warmwasser annimmt. Ein aktueller Geschirrspüler der Effizienzklasse A+++ benötigt für einen Abwasch sieben bis zehn Liter Warmwasser und 0,7 bis 0,9 Kilowattstunden Strom.

Kühlen: In Schweizer Küchen stehen gut 4,4 Millionen Kühlgeräte, die Tag und Nacht in Betrieb sind. Zusammen verbrauchen diese Kühlschränke und Gefriergeräte jährlich ungefähr 1100 Millionen Kilowattstunden Strom. Während der durchschnittlich 15-jährigen Nutzungszeit summieren sich die Stromkosten von Kühlschränken auf 740 Franken (Gerät der Effizienzklasse A+) pro Haushalt. Die individuell eingestellten Temperaturen in den Kühlfächern haben einen Einfluss auf den Energieverbrauch von Kühlgeräten. Bei einer Innentemperatur von vier statt sechs Grad benötigt ein Kühlschrank zehn Prozent mehr Strom. Im Sommer oder wenn stark geheizt wird und die Raumtemperaturen höher sind, wird mehr Kühlleistung als im Winter benötigt. Für die meisten Lebensmittel ist eine Temperatur von fünf Grad Celsius ideal, allenfalls ist für bestimmte Produkte wie beispielsweise Fisch eine etwas tiefere Temperatur sinnvoll. Die kühlste Temperatur in einem Kühlschrank herrscht übrigens meistens im untersten Regal über den Schubladen. Mit einer Einstellung 3 bis 5 liegt man im Sommer meist richtig, im Winter genügen häufig die Stufen 1 bis 3.

Ineffiziente Geräte: In der Schweiz müssen in Übereinstimmung mit der EU bestimmte elektrische Geräte mit einer Energieetikette versehen werden. Diese gibt Auskunft über den Energieverbrauch der Geräte. Je nach Effizienzklasse lässt sich mit effizienten Küchengeräten eine Menge Energie sparen. Kühlgeräte beispielsweise müssen über eine Energieetikette verfügen. Diese gibt Auskunft über Energieverbrauch, Energieeffizienz, Kühlinhalt und Schallpegel. Seit 2013 dürfen nur noch Kühlgeräte verkauft werden, die mindestens die Energieeffizienz-Klasse A++ erreichen. Der Energieverbrauch von Kühlschränken und Gefriergeräten nimmt seit Jahren ständig ab. Vor allem die deutlich besseren Isolationen ermöglichen bei den aktuellen besten Geräten Stromeinsparungen von bis zu 80 Prozent. Ausrangierte Kühlschränke werden aber vielfach an Studenten-Wohngemeinschaften weiterverschenkt. Dabei werden häufig die Stromkosten nicht miteinberechnet: Ein alter, dichter C-Kühl- oder Gefrierschrank verursacht pro Jahr rund 100 Franken Stromkosten. Im Gegensatz dazu verbraucht ein neues Gerät der Effizienzklasse A+++ Strom für nur gerade 32 Franken pro Jahr. Ein Neukauf eines Kühlgeräts sollte also unbedingt geprüft werden.

Beleuchtung: Herkömmliche Glühlampen sind wahre Energiefresser, liegt deren Wirkungsgrad doch bei gerade einmal fünf Prozent. Die restlichen 95 Prozent werden in Form von Wärme an die Umgebung abgegeben. Glühlampen sind mittlerweile von Gesetz her im Handel nicht mehr zugelassen. LED-Lampen verbrauchen deutlich weniger Strom als ihre Vorgänger und leben fast unendlich lange. Die Lebensdauer einer LED-Lampe liegt gemäss Pikali bei bis zu 50'000 Stunden. Zum Vergleich: Bei einer Halogenlampe sind es rund 2000 Stunden.

Standy-By-Modus: Wer in die Ferien fährt, sollte auch seinen Geräten eine Auszeit gönnen und alle Stecker ziehen: Fernseher, DVD-Spieler, Stereoanlage, Telefon, Mikrowelle, Kaffeemaschine, PC, Modem oder Router. Das spart Strom und die Brandgefahr wird reduziert. Die Stromkosten für den Stand-By der Geräte können laut Energieberater Pikali bei zwei Wochen Ferienbetrieb bei 30 bis 40 Franken liegen. Auch der Elektroboiler hat einen Stand-By-Verbrauch: Im Boiler befindet sich warmes Wasser, das sich – auch in den Ferien, wenn kein Wasser entnommen wird – langsam abkühlt. Wird nachts über die Steuerung der Elektroboiler eingeschaltet, wird der Boiler wieder aufgeheizt. Wenn Sie den Boiler ganz ausschalten, sinkt die Stromrechnung.

(sts)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hugo am 23.06.2019 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparen Haha

    Wir sparen mit dem das wir kein E. Auto kaufen

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  • T.S. am 23.06.2019 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    mein Strom ist in den Nebenkosten

    Habe aber keine separate Abrechnng. Bekomme auch keine eigenen Zähler. Denke, dann würde ich vielleicht was zurück bekommen. Verbrauche nie im Leben 150Stutz mtl. für Strom, Wasser, Heizung. Will aber nicht meckern, denn mein Vermieter räumt den Schnee, mäht den Rasen, repariert sofort wenn was im Argen ist. Und wenn ich mal verreise, schaut er im Garten nach den Pflanzen. Dafür kenne ich alle Eure Tips und wende diese auch an.

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  • Dr .... am 23.06.2019 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Hände kalt waschen

    Es gibt einen einfachen und erst noch gesunden Trick um Strom zu sparen. Hände immer mit kaltem Wasser waschen. Gerade im Winter trocknet das warme Wasser mit Seife die Hände aus und die Haut wird rissig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fraz am 24.06.2019 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klima

    Ich weiss, welches der Stromfresser der Zukunft sein wird: Die Klimaanlage! Mindestens so lange, bis die Flüsse noch kalt genug sind um unsere AKWs zu kühlen.....

  • Realist am 24.06.2019 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Auto und daher ein gutes Gewissen

    Falls ich im Leben mal keine anderen Probleme als den Standby Strom habe werde ich auch sparen, bis dahin ist es meine allerletzte Priorität.

  • Edith mim am 24.06.2019 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Sparen haha

    Und kein e-Bike und kein E-Trottinett

  • nisosmu am 24.06.2019 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle gemeinsam.

    Strom sparen? Beginnt auch bei Leuchtreklamen die ganze Nacht leuchten ( werden sicher nach Mitternacht beachtet..). Tankstellen: ganze Nacht volle Pulle (Bewegungsmelder?) Bahnhöfe: kein Zug mehr unterwegs aber volle Pulle (dito Tankstelle). Nicht nur der Private soll sparen!

    • Zu einfach, zu billig, zu schnell..... am 24.06.2019 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @nisosmu

      Ach, darauf möchte man doch nicht verzichten, Klima hin oder her. So einfach dürfen Massnahmen dann doch nicht sein und vor allem nicht so billig!

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  • frankG. am 24.06.2019 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Wärmepumpen"

    Warum wird der "Wärmepumpen-Boiler" nicht erwähnt? Das gesamte Warmwasser für Dusche, Händewaschen usw. beziehen wir seit bald 40Jahren aus diesem Boiler (Einstellung 59°C). Vermutlich sparten wir X-1000 Franken in dieser Zeit.