E-Highway

27. Juni 2016 21:37; Akt: 28.06.2016 17:16 Print

LKWs sollen an Stromleitungen fahren

von J. Büchi - Lastwagen, die schnurren wie Trolleybusse: Die Grünen träumen von Stromleitungen über den Autobahnen, auch der Bund zeigt Interesse.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Schweden hat vergangene Woche den ersten öffentlichen E-Highway der Welt eröffnet. Unter den stolzen Blicken der Infrastrukturministerin und des Energieministers des Landes brauste nördlich von Stockholm erstmals ein Lastwagen summend den Elektroleitungen entlang – wie ein Trolleybus in der Stadt.

Umfrage
Soll es auch in der Schweiz E-Highways geben?
31 %
24 %
10 %
11 %
24 %
Insgesamt 4418 Teilnehmer

Die Technologie ist die gleiche: Die speziell umgerüsteten LKWs zapfen aus elektrischen Oberleitungen Strom. In den nächsten zwei Jahren will Schweden auf einer zwei Kilometer langen Strecke testen, ob sich das System der Firma Siemens für eine breitere Nutzung eignet. Dahinter steckt ein ehrgeiziges Ziel: Bis in 14 Jahren will das Land im Verkehrsbereich nicht mehr auf fossile Brennstoffe angewiesen sein. Auch in Kalifornien und Deutschland sind entsprechende Projekte geplant. So fördert das deutsche Umweltministerium den «Brummi am Draht» im Rahmen des Projekts Enuba («Elektromobilität bei schweren Nutzfahrzeugen zur Umweltentlastung von Ballungsräumen»).

Tests in Schweizer Agglos gefordert

Geht es nach den Grünen, soll nun auch die Schweiz eine Teststrecke nach schwedischem Vorbild bauen. «Am besten in stark belasteten städtischen Gebieten, dort leidet die Bevölkerung unter der Luftverschmutzung», so Parteipräsidentin Regula Rytz. Sie prüft eine entsprechende Interpellation an den Bundesrat. Potenzial sieht Rytz insbesondere in den Agglos von Zürich, Bern oder Basel. Primäres Ziel müsse es sein, den Transitgüterverkehr auf die Schiene zu verlagern, betont Rytz. «Doch für die Feinverteilung der Güter ist die Elektromobilität auf der Strasse eine spannende Option.» Alle technischen Möglichkeiten müssten genutzt werden, «um eine schädliche Klimaveränderung abzuwenden».

Siemens verspricht, mit dem System könne der Energieverbrauch halbiert und die Luftverschmutzung verringert werden. Die schwedischen Test-Lastwagen sind mit Stromabnehmern ausgerüstet, die mithilfe von Sensoren automatisch an den Oberleitungen an- und abdocken. Dank einem Hybridsystem – die LKWs haben einen Elektro- und einen Dieselmotor – können die Fahrzeuge normal überholen und bei Bedarf auf Strassen ohne Stromleitung fahren.

Bund: «wohlwollend prüfen»

An der Technologie zeigt sich auch der Bund interessiert. Das Bundesamt für Strassen (Astra) suche intensiv nach Wegen, die Energieeffizienz des Strassenverkehrs zu steigern und so den CO2-Ausstoss zu vermindern, sagt Sprecher Thomas Rohrbach. Man werde den Versuch in Schweden deshalb «mit Interesse verfolgen». Gerade für den Strassengütertransport könnte ein E-System Vorteile aufweisen: «Ein solcher Hybridlastwagen muss keine schweren Batterien an Bord haben, welche die Nutzlast einschränken.» Falls politisch die Forderung nach derartigen Tests auf den Tisch komme, werde man sie «wohlwollend prüfen».

«Sehr skeptisch» ist dagegen der Schweizerische Nutzfahrzeugverband. Vizedirektor André Kirchhofer sagt: «Bei den weiten Distanzen in Schweden mag das ja Sinn machen, in Schweiz ist die Idee von E-Highways aus geographischen Gründen hingegen illusorisch.» Für die Feinverteilung, wo die Stärke des Strassentransports liegt, müssten sonst teure Oberbau-Leitungen «bis in kleinste Berggemeinde gebaut werden». Das Geld reiche ja heute nicht einmal für die normale Engpassbeseitigung, so Kirchhofer.

Studien gehen davon aus, dass ein Kilometer E-Highway zwischen 1,1 und 2,5 Millionen Euro kostet. Wie die deutsche Bundesregierung zu bedenken gibt, stellen sich zudem auch Sicherheitsfragen. So müsse etwa geklärt werden, was passiert, falls ein Draht reisst – immerhin betrage die Spannung 600 Volt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AeTi am 27.06.2016 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Super (8-tung! Sarkasmus)

    Die Idee an sich ist ja nicht schlecht, aber mal ehrlich, die Grünen wollen am liebsten alles in Elektro-Version. Elektrobike, Elektroauto, Elektrobrummi. Woher wir den Strom dazu beziehen ist ihnen aber anscheinend egal, oder? Hauptsache nicht Atomstrom.

    einklappen einklappen
  • Päsci am 27.06.2016 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Yaaaaaay!

    Gute Idee! nur woher nehmen wir de Strom !? der wächst nicht auf de Bäumen und neue Kraftwerke will ja auch Niemand, der Strombedarf steigt immer mehr und mit den E-Autos wird es (noch) nicht besser. Strom gehört die Zukunft nur zu welchem Preis !?

    einklappen einklappen
  • Joebar am 27.06.2016 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht mal zuerst etwas fertig..

    Super Idee, da Pumpen wir X Milliarden in die Bahn dass nur halbherzig bis gar nicht umgesetzt und jetzt kommt man wieder mit was neuem. Welche Spur wollt ihr dafür streichen ? So ein Witz hoch 3.....

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial Kohler am 03.07.2016 00:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Würde Holzkohle empfehlen...

    Ach so... Kann man auch auf die Autobahn mit Stromkabel fahren ? Und sonst alles OK ??

  • Jürg am 30.06.2016 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    E-LKW

    Alter Hut Leningrad kannte das bereits in den 50ern. Aber bitte mit Rute wie Trolly's Pantograf nein trotzdem schöne Bildmontage.

  • Andi am 30.06.2016 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na wenn

    Jetzt das Cargo sous terrain kommt, dann können wir uns das sparen...

  • lol am 29.06.2016 16:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P V8

    Neiiinnn Wo bleibt dann der gute alte V8 Sound? R.I.P

  • Röfe am 29.06.2016 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Leser

    Liebe Leser, hat sich schon mal einer Gedanken gemacht, dass es die Bahn gibt, der Gummiabrieb bei einem LKW enorm hoch ist (Krebserregendes Zeug) und wieder neue Fahrzeuge produziert werden müssen usw. Wie wäre es denn Produkte zu kaufen, die in der näheren Umgebung produziert würden. Die Pendler darauf achten in der Nähe ein Job zu suchen? Bin mir sicher, dass es gut 1/3 weniger Verkehr geben würde, wenn der Konsument/Pendler hier drauf schauen würde. Die Firmen werden sich schon daran richten. Anfangs wird es harzen, aber ....

    • Rheinhold Birgmann am 29.06.2016 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Röfe

      Lieber Schreiber, solange bei der Eisenbahn der Personenverkehr Vorrang hat, Verspätungen eines Güterzugs von einem halben Tag "halt passieren", wird keiner so verrückt sein, und sich da bei zeitkritischen Prozessen drauf verlassen. Vor allem dann nicht, wenn dann erst mal wieder von der Bahn auf den LKW umgeladen werden muss. Güterverkehr innert det Schweiz ist eine Mulde für Dauersubvention. Dann lieber die LKWs mit Strom fahren lassen.

    • Zak am 30.06.2016 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rheinhold Birgmann

      Super und der ganze zusätzliche Strom, von der Sonne und dem Wind. :-)) Übrigens eine grässliche Vorstellung, die ganzen Leitungen in der Landschaft. Auf die Bahn, wurde mal versprochen.

    • Informatiker am 30.06.2016 10:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Röfe

      Lieber Röfe, die Argumentation mit dem Gummiabrieb etc ok. Aber das mit dem ÖV...ich arbeite in der Stadt Zürich und lebe im Oberland. Gerne ziehe ich in die Stadt, wenn Sie mir die dadurch entstandene Monatlichen Mieterhöhung finanzieren. Für mich wäre es eher Denkbar die Transit Lastwagen an der Grenze auf die Bahn zu verladen. dann haben wir noch lediglich die Inlandstransporte.

    • Martial Kohler am 03.07.2016 00:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Röfe

      Röfe, träumen Sie weiter, a propos Job neben der Haustür und sonst noch Gugus...

    • Fdl am 10.07.2016 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Röfe

      @Reinhold Als Zugverkehrsleiter kann ich Dir versichern, dass Güterzüge absolut dieselbe Priorisieung haben wie Personenverkehrszüge. Aber, die Zulieferer müssen auch pünktlich sein. Ein geplantes Trassee ist stets reserviert und ein pünktlicher Güterzug fährt auf diesem. Wenn aber die Zulieferer zuspät kommen, Probleme auftreten, der Zug zuspät formiert und freigegeben wird, dann ists passé. Dann gibt es noch Züge, welche aufgrund ihrer Ladung z.B. nach einem Halt eine Mindeststandzeit haben (z.B, Flüssigkeitstransporte). Kommen diese ungeplant zum stehen, kann dies Verspätungen auslösen.

    einklappen einklappen