Innovation

31. August 2016 11:28; Akt: 31.08.2016 11:28 Print

Schön Strom produzieren mit farbigen Solarpanels

Bunte Solarpanels sollen ästhetische Vorbehalte abbauen. Einen Nachteil haben die farbigen Module jedoch: Ihre Effizienz ist noch vergleichsweise gering.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Potenzial für Solarenergie ist laut Experten hierzulande gross: Ingenieur und ETH-Professor Anton Gunzinger beispielsweise rechnet damit, dass 100 Quadratkilometer Solarpanels zusammen mit Windkraft und Biomasse eine Versorgung vollständig durch erneuerbare Energien garantieren könnten. Die gesamte Dachfläche der Schweiz beträgt 400 Quadratkilometer.

Umfrage
Sind farbige Solarpanels eine Alternative, um die «Landschaftsverschandelung» zu stoppen?
37 %
55 %
8 %
Insgesamt 654 Teilnehmer

Doch heute ist es längst nicht auf all diesen Dächern möglich, Solarpanels zu installieren. Oft scheitern Projekte, weil die Ästhetik der schwarzen Zellen stört oder weil die Anforderungen des Denkmalschutzes nicht erfüllt werden können. «Auch einige Architekten haben noch ästhetische Vorbehalte gegenüber den schwarzen Modulen», sagt Stephen Wittkopf, Leiter am Kompetenzzentrum Envelopes & Solar Energy an der Hochschule Luzern.

Farbe wird auf Glasplatten gedruckt

Wittkopf will diese Konflikte lösen, damit in Zukunft «schön viel Strom produziert werden kann». Dies soll mit farbigen Panels, die sich kaum sichtbar in die Architektur einfügen, möglich werden. Dabei wird das Farbmuster auf Glasplatten gedruckt, die als äusserste Fassadenschicht auf die Panels montiert werden. Mit seiner Lösung soll laut Wittkopf die Akzeptanz für Solarenergie in der Bevölkerung wachsen. Dieses Ziel sei unumgänglich: «Bis 2050 soll der Anteil der Stromproduktion aus Solaranlagen schweizweit auf 25 Prozent steigen.» Dies sei nur möglich, wenn möglichst viele Dächer und Fassaden genutzt würden. Heute liegt der Anteil der Solarenergie am Strommix bei einem Prozent.

Wie sich farbige Solarzellen nahtlos in eine Gebäudestruktur einfügen, wollte Wittkopf bei einem Pilotprojekt in Hergiswil zeigen. Dort sollte das Dach eines Autounterstands mit Solarzellen ausgerüstet werden. Der Haken: Das Gebäude war Teil einer historischen Villa, deren Bild erhalten werden musste. Statt der traditionellen, orangebraunen Biberschwanz-Ziegeln kamen dann Solarzellen in der gleichen Form und Farbe zum Einsatz (siehe Bildstrecke).

«Solarmodule müssen massentauglich werden»

Einen Nachteil haben die farbigen Zellen jedoch: Im Gegensatz zu den schwarzen Modulen produzieren sie bis zu 50 Prozent weniger Strom. Die Verluste variieren je nach Farbe: Je dunkler das Modul, desto mehr Licht kann es absorbieren. «Das Ziel muss sein, die Verluste bei 20 Prozent zu limitieren», erklärt Stephen Wittkopf. Für ihn geht die Rechnung trotzdem auf: «Statt nur an der Effizienzschraube zu drehen, müssen wir Solarmodule massentauglich und zu einem alltäglichen Bauelement machen.» Die niedrigere Leistung der farbigen Panels würde dann durch die grössere Verbreitung kompensiert.

Dass in Zukunft mit dieser Technologie auch denkmalgeschützte Immobilien umgerüstet werden, glaubt Wittkopf jedoch nicht. «Zuerst müssen die Dächer und Fassaden möglichst vieler herkömmlicher Häuser mit Modulen ausgestattet werden.» Danach sehe man, wie viel zusätzliche Energie noch nötig sei, die man anderswo noch herausholen müsste. «Wenn wir das Potenzial mit ästhetischen Zellen auf Dächern und Fassaden ausnutzen, kann man stark geschützte Bauten wohl unangetastet lassen», sagt Wittkopf.

(pam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Malermeischter Pinseler am 31.08.2016 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Effizienz vor Ästhetik

    Lanschaftsverschandelung? Das sollte doch egal sein. Haupsache wir haben eine bessere Zukunft mit erneuerbaren Energien!

  • Michi am 31.08.2016 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirkungsgrad

    Bei unserem masslosen Bevölkerungswachstum wird es infolge höherem Stromkonsums nötig sein, die Solarzellen zu verwenden, welche den höchsten Wirkungsgrad haben. Ob die dann ästhetisch sind, dürfte in diesem Falle nebensächlich sein

    einklappen einklappen
  • Richi am 31.08.2016 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Umdenken ist angesagt

    Unser Dach ist mit schwarzen Solarzellen belegt. Wir produzieren doppelt soviel Strom, wie wir benötigen. In der Garage steht ein Tesla. Unsere Nachbarn haben sich lieber einen Wintergarten, Pool, jedes Jahr ein neues Auto und jede Menge Ferien geleistet. Aber über die Strompreise wird immer gejammert......noch Fragen ? Ich bin der Meinung, dass Strom noch viel zu billig ist !!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Eduard J. Belser am 12.09.2016 06:46 Report Diesen Beitrag melden

    Neuere Bauten mit Fotovoltaik

    Wenn ich sehe, wie viele neuere, hässliche Bauten nicht mit Fotovoltaikanlagen versehen sind, ist dieses Potential so gross, dass wir nicht über Fotovoltaikanlagen auf denkmalgeschützten Bauten diskutieren müssen. Das zweite ist, die Steigerung der Energieeffizienz z.B. Durch das konsequente Umstellen auf LED- bzw. die noch neueren und effizienteren LCC-Leuchtmittel.

  • m.h. am 05.09.2016 04:38 Report Diesen Beitrag melden

    Blenden

    Etwas viel wichtigeres sehe ich bei diesen Solarpanels. Man muss sie entspiegeln damit Tier und Mensch nicht geblendet werden können wenn die Sonne reinscheint. So ist es meistens auf Distanz wo man geblendet wird.

  • Peter Kern am 04.09.2016 23:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nice

    Sehr schön aber nichts Neues. Megasol Energie AG produziert schon seit Jahren Module mit individuellem Sujet.... Habe das Logo meiner Firma auf die Solarfront drucken lassen:-) Und kann den Strom erst noch verkaufen...

  • RjM am 04.09.2016 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    beton ist ja viiiel schöner

    aber die oberhässlich beton bauten , die ja immernoch voll im trend sind, verschandeln die landschafft nicht ? also ich persönlich störe mich mehr an denen als an den schwarzen panelen auf den dächern

    • Max Fehr am 06.09.2016 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RjM

      Genau, und wenn man möchte, kann man immer noch die Panels mit "Betonmuster" bedrucken lassen:-)

    einklappen einklappen
  • sonnenmann am 03.09.2016 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wirkungsgrad vernachlässigbar, weil

    extrem viel Fläche in Form von Wänden und Dächern zur Verfügung stehen. Prinzipiell gilt: Hoher Wirkungsgrad ist erstrebenswert, weil Ressourcen knapp und/oder teuer sind. Beispiel Öl. Aber, unsere gesamte Energie, welche wir für unsere Zwecke umwandeln stammt aktuell (Wind, Pflanzen, Tiere, Wärme) von der Sonne. Dies gilt auch für die chemisch gebundene Energie (Öl), welches seinen Ursprung in Pflanzen hat und somit ebenfalls Sonnenenergie ist. Da die Sonne unser primärer Energiespender ist, ist genügend Energie vorhanden. Schlussendlich eine Frage der Kosten und Verfügbarkeit.