Energy Challenge

05. September 2019 08:27; Akt: 05.09.2019 12:01 Print

Was Sie über Elektroautos wissen müssen

Umweltfreundlichkeit, Reichweite und Verbreitung: Über E-Fahrzeuge kursieren zahlreiche Halbwahrheiten. Hier wird damit aufgeräumt.

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2018 waren in der Schweiz insgesamt 19'181 reine Elektroautos immatrikuliert, das waren 25-mal mehr als im Jahr 2000. Doch noch immer ranken sich Vorurteile um E-Fahrzeuge. Nachfolgend werden die Punkte Umweltfreundlichkeit, Reichweite und Verbreitung genauer beleuchtet. Die Verbrennungsmotoren von Autos sind aber höchst ineffizient, so liegt der mittlere Wirkungsgrad aktuell zwischen 20 und 25 Prozent. Bei Elektromotoren beträgt der Wirkungsgrad dagegen 90 Prozent und mehr. Ein Elektroauto benötigt deswegen deutlich weniger Energie, um die gleiche Distanz wie ein Auto mit Diesel- oder Benzinmotor zurückzulegen. Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg hat geprüft, ab welchem Kilometerstand das E-Auto insgesamt weniger CO2 verursacht hat als ein Verbrenner. Ein Elektrofahrzeug überholt demnach den Benziner nach gut 60'000 Kilometern, beim Dieselfahrzeug sind es 80'000 Kilometer. Wie viele Kilometer sich im Elektroauto mit einer Akkuladung zurücklegen lassen, hängt stark vom Modell ab. Tesla-Modelle der Serie S beispielsweise haben eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern, mit günstigeren Modellen von Kia, Hyundai und Renault lassen sich mit einer Akkuladung Distanzen zwischen 250 und 300 Kilometern zurücklegen. Nicht nur die Reichweite von Elektroautos, sondern auch die Lade-Infrastruktur für E-Fahrzeuge verbessert sich stets. Ende 2018 gab es in der Schweiz knapp 5200 Ladestationen. Der Marktanteil von Elektroautos betrug in der Schweiz Ende letzten Jahres 1,7 Prozent (+0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Die höchste Dichte an Elektroautos ist im Kanton Zug zu finden, dort waren 2018 pro 1000 Einwohner 5.4 Elektroautos immatrikuliert.

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Das Thema Elektroauto wird sowohl von Laien als auch Automobilexperten nach wie vor kontrovers diskutiert und sorgt auf 20 Minuten jeweils für hitzige Debatten unter den Lesern. Eines der am meisten angesprochenen Themen ist dabei die Umwelt- und Klimafreundlichkeit von Elektrofahrzeugen.

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Ein weiterer Streitpunkt ist die Reichweite: Ist diese genügend gross für den durchschnittlichen Autofahrer? Teilweise wird auch behauptet, dass der Hype um E-Fahrzeuge bereits wieder vorbei sei und der Marktanteil sinke. Nachfolgend werden die Punkte Umweltfreundlichkeit, Reichweite und Verbreitung genauer beleuchtet.

Umweltfreundlichkeit

In Autos stecken grosse Mengen an grauer Energie. Dabei handelt es sich um die Energie, die für den Bau, Transport und Verkauf des Fahrzeugs benötigt wird. Bei Elektroautos inklusive der Batterie ist die Produktion in den meisten Fällen aufwendiger als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Dem ist unter anderem so, weil Hersteller eher auf leichtes Aluminium setzen. Bei Autos mit Verbrennungsmotor kommt meist Stahl zum Einsatz. Die Produktion von Aluminium belastet die Umwelt mehr als jene von Stahl.

Zudem werden Elektrofahrzeuge heute häufig mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet. Beim Abbau der für die Batterie verwendeten Rohstoffe werden teilweise giftige Stoffe ein- und freigesetzt, was sich negativ auf die Ökobilanz der Batterien auswirkt.

Die Verbrennungsmotoren von Autos sind aber höchst ineffizient, so liegt der mittlere Wirkungsgrad aktuell zwischen 20 und 25 Prozent. Bei Elektromotoren beträgt der Wirkungsgrad dagegen 90 Prozent und mehr. Ein Elektroauto benötigt deswegen deutlich weniger Energie, um die gleiche Distanz wie ein Auto mit Diesel- oder Benzinmotor zurückzulegen. Das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg hat geprüft, ab welchem Kilometerstand das E-Auto insgesamt weniger CO2 verursacht hat als ein Verbrenner. Ein Elektrofahrzeug überholt demnach den Benziner nach gut 60'000 Kilometern, beim Dieselfahrzeug sind es 80'000 Kilometer.

Für die von der Denkfabrik Agora Verkehrswende in Auftrag gegebene Studie wurden die Emissionswerte für Deutschland berücksichtigt. In der Schweiz dürften E-Autos deutlich besser abschneiden, denn der Schweizer Strommix, der vor allem aus Wasser-, Solar- und Atomstrom besteht, ist wesentlich sauberer.

Reichweite

Wie viele Kilometer sich im Elektroauto mit einer Akkuladung zurücklegen lassen, hängt stark vom Modell ab. Tesla-Modelle der Serie S beispielsweise haben eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern, mit günstigeren Modellen von Kia, Hyundai und Renault lassen sich mit einer Akkuladung Distanzen zwischen 250 und 300 Kilometern zurücklegen. Damit liesse sich die Schweiz an ihrem breitesten Punkt durchqueren, ohne dass bei einer Ladestation gestoppt werden muss.

Bei den an dieser Stelle genannten Entfernungen handelt es sich um Herstellerangaben, die unter Laborbedingungen erreicht wurden. Der Touring Club Schweiz (TCS) hatte Elektroautos unter realen Bedingungen getestet. Zu diesem Zweck wurde die Beladung der Fahrzeuge einer Ferienfahrt nachempfunden. Zusätzlich zum Fahrer wurden sie mit der Masse eines Beifahrers mit einem Gewicht von 75 Kilogramm, zwei je 30 Kilogramm schweren Kindern und 20 Kilogramm Gepäck beladen. Zudem wurde die Klima- und Heizungsregulierung auf die Komforttemperatur von 22 Grad Celsius eingestellt.

Das Ergebnis des TCS-Tests: «Mit heutigen Elektrofahrzeugen können mittlerweile auch unter anspruchsvollen Bedingungen akzeptable Reichweiten erreicht werden. Dies hat jedoch seinen Preis. So sind die getesteten Fahrzeuge in der Anschaffung immer noch teurer als vergleichbare Autos ihrer Klasse, was aber über ihre Lebensdauer durch tiefere Unterhalts- und Betriebskosten kompensiert wird.»

Laut TCS sind viele Elektromobile für die grosse Ferienreise heutzutage noch wenig geeignet oder verlangen zumindest eine sorgfältige Planung der Reise. Dieser Nachteil wird durch ein immer dichteres und leichter zugängliches Ladenetz laufend verringert.

Es verbessert sich nämlich nicht nur die Reichweite von Elektroautos, sondern auch die Lade-Infrastruktur für E-Fahrzeuge stets. Gemäss dem von der Europäischen Kommission gegründeten Online-Portal European Alternative Fuels Observatory gab es Ende 2018 in der Schweiz knapp 5200 Ladestationen.

Verbreitung

2018 waren in der Schweiz insgesamt 19'181 reine Elektroautos immatrikuliert, das waren 25-mal mehr als im Jahr 2000. Der Marktanteil von Elektroautos betrug in der Schweiz Ende letzten Jahres 1,7 Prozent (+0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Die höchste Dichte an Elektroautos ist im Kanton Zug zu finden, dort waren 2018 pro 1000 Einwohner 5,4 E-Fahrzeuge immatrikuliert. Am wenigsten Elektroautos gibt es im Kanton Uri, so kamen Ende des letzten Jahres nur 1,1 elektrisch betriebene Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner.

In Europa hat Norwegen den mit Abstand höchsten Marktanteil bei Elektroautos, da Elektrofahrzeuge im skandinavischen Land durch Vergünstigungen massiv gefördert werden. So bezahlten Norweger 2018 beispielsweise keine Mehrwertsteuer auf E-Fahrzeuge und niedrigere Motorfahrzeugsteuern. Ausserdem waren das Aufladen und Parkieren für Elektroautos gratis.

(sts)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Malgus am 05.09.2019 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    CO2 Bilanz

    Es wäre noch interessant mit welchen Zahlen sie gerechnet haben um auf die 60'000 bzw. 80'000 km zu kommen. Braucht der Verbrenner 4l/100km oder 12l/100km? Braucht das E-Auto 12kWh/100km oder 26kWh/100km? Ist eine 28kWh oder 100kWh Batterie verbaut? Denn falls ein sparsamer Verbrenner-Kleinwagen mit einem Supersportler E-Auto verglichen wird, ist das nicht so aussagekräftig...

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  • kritiker am 05.09.2019 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dr.

    Und wie sieht es mit dem Recycling aus? Wie werden die Batterien entsorgt!? Darüber spricht nie jemand...

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  • Blablub am 05.09.2019 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Blablub

    Ob 40% oder 30% der Wirkungsgrad ist deswegen immernoch grottenschlecht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vogelsang am 12.09.2019 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wohin mit dem Schrott

    Da muss ich unserem Kritier recht geben. Es waren 2018 ,6 Millionen KFZ zugelassen und sagen wir die Hälfte wird auf E Motoren umgestellt wobei die eine Hälfte also 1.5 Millionen und die andere Hälfte nach 10 Jahren kaputt gehen. Das heisst in 10Jahren gehen 4 Millionen Baterien kaputt. Wohin damit?

  • Philipp glanzmann am 08.09.2019 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Elektrisch ist Zukunft

    Elektroautos kommen immer mehr in Mode und in 20 Jahren fahren alle elektrisch das garantiere ich

    • Bünz am 08.09.2019 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Philipp glanzmann

      Ja. Elektrisch aber bestimmt nicht mit Batterien...

    • Peter am 08.09.2019 15:15 Report Diesen Beitrag melden

      @Bünz

      Sobald die Feststoffbatterie erhältlich ist, ist dieses Thema Schnee von gestern. Enorme Leistung und viel tiefere Herstellungskosten. Somit werden die E-Autos günstiger zu kaufen sein als ein Verbrenner.

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  • Jonny sh am 08.09.2019 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Out off

    Leute, ich sage Euch etwas was Ihr in 15 Jahren erleben werdet, dann wird es keine Elektroauto's mehr geben.

  • Jonny sh am 08.09.2019 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Lustig: Jetzt wo auch VW Autos verkaufen will, werden die Berichte täglich Grüner. Ein Schelm, wer Böses denkt.

  • Dani am 08.09.2019 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch keine Zukunft

    Soll sich doch jeder ein E-Auto kaufen. Dann noch alle AKWs vom Netz nehmen. Flusskraftwerke können nicht gebaut werden, genauso wie Staumauererhöhungen welche aus Faunagründen abgelehnt werden. Windkraft verschandet die Region, und Solarzellen auf Dach in einer Kernzone - gehts noch. Also werden wir im Norden und Osten Kohlestrom kaufen, bis die Kohle ausgeht. Dann stehen wir alle doof da - Kein Strom und Kein Benzin/Diesel. Neine Leute: E-Autos sind auch keine Zukunft.

    • allion am 08.09.2019 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dani

      benzin braucht zur förderung, raffinierung, transport etc fast so viel strom wie ein e auto zum fahren benötigt. aber auch dieses argument wird immer wieder gebracht und wird trotzdem nicht richtiger

    • Nick am 08.09.2019 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @allion

      Eben, siehst Du? ... fast so viel Strom wie "ein" e Auto, Betonung auf "ein" ... typisches Eigengoal!

    • Alexander S. am 08.09.2019 15:19 Report Diesen Beitrag melden

      Klarstellung

      Pro Liter Kraftstoff sind es 7 kWh. Je nach Studie und Quelle der Info. Rechnen wir mal mit 4 kWh. Bei einem Auto was 6 l/100km braucht (das ist sicher deutlich unter dem Durchschnitt aller aktuellen Fahrzeuge) ergibt sich ein Stromverbrauch von 24 kWh / 100 km. Das wiederum ist exakt so viel wie mein sehr schweres und eher verbrauchsungünstiges Tesla Model X verbraucht. Wie Sie sehen ist es also schon heute möglich die Verbrenner abzuschaffen im Bezug auf Stromverbrauch. Einzig Lagerung und Transport sind noch zu klären. Das ist aber lösbar.

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