Energy Challenge Energie Schweiz AXA MCH 20 Minuten Brack.ch Volvo Diamant

Energy Challenge

10. August 2018 19:36; Akt: 14.08.2018 16:44 Print

Weshalb Waschen in der Nacht günstiger ist

Eine Leserin möchte wissen, wieso Strom nachts weniger kostet als tagsüber. Dr. Energy erklärt den Sinn von Hoch- und Niedertarifen.

storybild

Mit preislichen Anreizen werden die Kunden motiviert, ihren Strom möglichst dann zu konsumieren, wenn der Gesamtverbrauch niedrig ist. Spätabends oder nachts zu waschen und die Wäsche tagsüber im Freien trocknen zu lassen, senkt deshalb die Stromkosten. (Bild: Keystone/Alexandra Wey)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In meiner Kindheit hat unsere Mutter jeweils in der Nacht Kleidung gewaschen oder die Spülmaschine laufen lassen, um vom Nachtstrom-Tarif profitieren zu können. Ist Strom in der Nacht immer noch günstiger als tagsüber? Weshalb ist dem so? Kann man so tatsächlich Kosten sparen?

Umfrage
Nutzen Sie Strom-Niedertarife?

Francesca (28) aus Lugano (TI)

Das Wichtigste gleich vorweg: Mit Nachtstrom (Niedertarif) können Stromkosten gespart werden, Energie und Strom wird dabei nicht weniger verbraucht. Die meisten Stromversorger bieten einen Hoch- und einen Niedertarif an. Es lohnt sich darum, den Zeitpunkt, wann ein Gerät eingeschaltet werden soll, bewusst zu wählen. Mit der Technologie des Smart Metering wird auf diesem Gebiet in Zukunft mit interessanten Entwicklungen zu rechnen sein.

Elektrizität kann nicht so einfach gespeichert werden. Sie muss darum immer zum selben Zeitpunkt erzeugt werden, wie sie auch verbraucht wird. Aus diesem Grund müssen Kraftwerke auf die Stromspitzen (maximal möglicher Verbrauch) ausgelegt werden. Dasselbe gilt auch für alle Leitungen im Stromnetz. Diese Stromspitzen sind darum entscheidende Kostenbeeinflusser. Die Elektrizitätswerke tun sehr viel dafür, um Stromspitzen zu vermeiden.

Je nach Wohnort startet der Niedertarif zu einem anderen Zeitpunkt

Damit der Stromverbrauch möglichst konstant verläuft, stehen dem Elektrizitätswerk Zuckerbrot und Peitsche zur Verfügung. Mit preislichen Anreizen werden die Kunden motiviert, ihren Strom möglichst dann zu konsumieren, wenn der Gesamtverbrauch niedrig ist. Dies ist meist in der Nacht der Fall, während der man von einem Nieder- oder Nachttarif profitieren kann. Ich habe bei deinem Stromversorger (Aziende Industriali di Lugano, AIL) nachgeschaut: Der Unterschied zwischen Hochtarif (Tag) und Niedertarif (Nacht) beträgt vier Rappen pro Kilowattstunde. Je nach Gerät und gewählter Waschtemperatur ergibt dies eine Einsparung von 10 bis 20 Franken pro Jahr. Das ist zwar nicht enorm viel, aber es lohnt sich. Achtung: Die Tarifzeiten unterscheiden sich je nach Elektrizitätswerk, so dass man unbedingt das Tarifblatt studieren sollte. Es gibt auch ein paar Werke, welche nur einen Einheitstarif anbieten und nicht zwischen Hoch- und Niedertarif unterscheiden.

Die Peitsche kommt vor allem bei den Geräten mit einem hohen Verbrauch zur Anwendung: Es sind dies zum Beispiel der Elektroboiler, die Wärmepumpe oder die Sauna. Das Elektrizitätswerk hat die Möglichkeit, solche Verbraucher kurzfristig zu sperren. Auch hier ist das Ziel das gleiche, nämlich die Vermeidung von Stromspitzen. Bei den Wassererwärmern – sogenannten Elektroboilern – sorgt die Sperrung des Werkes dafür, dass zur Wassererwärmung immer nur der günstigere Niedertarif verwendet wird und so Kunde und Stromlieferant gleichermassen einen Nutzen haben.

Waschen und Geschirr spülen, wenn die Solaranlage viel Strom produziert

Wer seine eigene Stromerzeugung – typischerweise eine Photovoltaik-Anlage – hat, muss die Rolle des Stromversorgers übernehmen und selber für die Bewirtschaftung der Geräte in seinem Haus sorgen: Weil der eigene Strom weitgehend gratis ist, tut der Gebäudebesitzer gut daran, seine Geräte dann einzuschalten, wenn die Sonne scheint und genug Strom vorhanden ist. Wer also eine eigene Solaranlage auf dem Dach hat, profitiert mehr, wenn er Waschmaschine oder Geschirrspüler laufen lässt, wenn seine eigene Anlage gerade genug produziert. Der überschüssige Strom kann auch zum Laden eines Elektrovelos genutzt werden oder zu einem meist nicht so attraktiven Preis ins Netz zurückgespeist werden. Auch mit dem Einbau einer Batterie kann natürlich überschüssige Energie gespeichert werden.

Es lohnt sich, die Entwicklung zu verfolgen: Aufgrund des Bedürfnisses der Stromkunden, einen Einfluss auf die Stromkosten zu behalten, werden die meisten Stromversorger weiterhin einen Hoch- (HT) und einen Niedertarif (NT) anbieten. Mit Smart-Meters («intelligente Stromzähler»), die mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben sind, werden aber neue Möglichkeiten entstehen, günstig Strom einzukaufen, und auch flexiblere Tarifzeiten ermöglicht. Um diese flexiblen Tarifzeiten nutzen zu können, ist die erforderliche Automatisierung der Geräte bereits heute technisch kein Problem. So kann beispielsweise die Waschmaschine oder der Tumbler den Einschaltzeitpunkt selbst wählen, nämlich gerade dann, wenn der Strom besonders günstig ist.

Energiespartipps: Waschmaschine ganz füllen und mit tieferen Temperaturen waschen

Um wirklich Energie und Kosten zu sparen, sollten bei der Bedienung der Waschmaschine diese Grundsätze eingehalten werden:

1. Waschmaschine ganz füllen, der Energieverbrauch ist der gleiche, ob eine Maschine ganz oder nur halb gefüllt ist. Es gibt zwar Geräte, die den Füllstand der Maschine selber feststellen oder eine 1/2-Taste haben, aber die bewirkte Einsparung ist eher gering.
2. Mit möglichst niedrigen Temperaturen waschen. Die Wassertemperatur ist für den Energieverbrauch die massgebende Grösse.

(sts)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nürtzi am 10.08.2018 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    30 Grad genug??!!

    Ich bin auch fürs Energiesparen. Aber ich werde bestimmt nie meine Bettwäsche, Unterwäsche oder Frottétücher nur mit 30 Grad waschen. Da können mir die Waschmittel-Hersteller noch lange erzählen das sei genug um die Bakterien abzutöten, das werde ich nie glauben....

    einklappen einklappen
  • Jdarc am 10.08.2018 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Öhm?

    Ha ha, wie soll man in ner Mietwohnung nachts waschen? Lärmbelästigung, Zeituhr welche ab 22.00 Uhr den Strom abstellt in der Waschküche, Nachts schläft man, weil ja morgens raus zur Arbeit.

    einklappen einklappen
  • Kevin am 10.08.2018 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Augenwischerei

    Der Preise variieren, weil man in der Nacht billigen Strom von Kohlekraftwerken in Osteuropa bezieht. Mit dem gleichen Strom, pumpt man in der Nacht das Wasser wieder hoch, damit man es gewinnbringend als Ökostrom am Tag wieder runterlassen kann.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hiks am 15.08.2018 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ein Tarif

    Ich schalte immer alles ab 11:00 Uhr an. Waschmaschine, Tumbler, Kochfeld, Abwaschmaschine usw Bei uns wurde der Niedertatif abgeschafft!!

  • Kurt am 15.08.2018 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Landleben

    Ich besitze ein Zweifamilienhaus auf dem Land. Photovoltaikanlage auf dem Dach. Lärm kein Problem. Waschen über den Tag mit 60 Grad und anschliessend lassen wir auch noch den Tumbler laufem mit Solarstrom. In der Nacht absolute Ruhe. Nur die Laute von brünstigen Rehböcken ist zu hören...:-)

  • Igel am 15.08.2018 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmal

    Bei mir spielt das keine Rolle. Ich gehe jeweils mit Kleider in der Aare schwimmen. So habe ich mich gereinigt, und die Kleider welche schnell trocknen am heissen Körper sind auch schon gewaschen.

    • MArtin am 15.08.2018 08:27 Report Diesen Beitrag melden

      @Igel

      Ja, klar und nächste Woche kommt der Weihnachtsmann :D

    einklappen einklappen
  • Sulejka am 14.08.2018 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nacht's ab 22.00h ist Schluss

    Ab 22.00h ist in unserem 7-Fam.Haus aud die Maus mit Wäsche waschen oder duschen. In der Nacht wäschen etc. geht nur im eigen. Haus.

  • V. Ogel und D. Reck am 14.08.2018 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Zweimal waschen

    Einiges, was man draussen zum Trocknen aufhängt, muss man zweimal waschen. LG V. Ogel und D. Reck

    • Igel am 15.08.2018 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @V. Ogel und D. Reck

      Oder Pollen welche sich in der Wäsche verfangen ( Pollenflug ), und Güllengeruch.

    • MArtin am 15.08.2018 08:31 Report Diesen Beitrag melden

      @V. Ogel und D. Reck

      Wer hängt schon seine Wäsche draussen auf ? In einer 3 Zimmer Wohnung steht 1 Zimmer eh Leer. 3 Wäscheständer aufgestellt. Wäsche aufhängen. Fenster Auf. Tür Zu. Fertig. 2-3 Tage später alles Trocken. Schimmel habe ich keinen. Mache das seit 9 Jahren so in der selben Wohnung.

    einklappen einklappen