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Energy Challenge

13. September 2018 11:02; Akt: 20.09.2018 10:32 Print

Wie sieht die Zukunft der Solarenergie aus?

Die Kraft der Sonne wird in der Schweiz noch vergleichsweise wenig genutzt. ZHAW-Dozentin Silvia Ulli-Beer erklärt die Gründe und wagt eine Prognose.

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Die Sonne ist eine unerschöpfliche Energiequelle und wie alle erneuerbaren Energieformen ist Solarenergie deutlich umwelt- und klimaschonender als fossile Brennstoffe. Das Stromproduktionspotenzial auf Schweizer Dächern und Fassaden ist hoch, wird jedoch noch nicht annähernd ausgeschöpft. Zu den Ländern mit der stärksten Nutzung in Europa gehören sowohl Griechenland und Italien mit hoher Sonneneinstrahlung als auch nördliche Länder wie Deutschland, Belgien oder die Tschechische Republik.

Umfrage
Wie sehen Sie die Zukunft der Solarenergie?

Die Schweiz ist nicht unter den Vorreitern. 2016 waren erst auf fünf Prozent der geeigneten Dach- und Fassadenflächen Photovoltaik-Anlagen installiert. Woran liegt das? 20 Minuten hat mit Dr. Silvia Ulli-Beer, Dozentin für nachhaltige Energiesysteme an der ZHAW School of Engineering, über die Aussichten für Solarenergie in der Schweiz gesprochen.

Wieso wird die Kraft der Sonne Ihrer Meinung nach hierzulande seltener genutzt als in Ländern mit ähnlich starker Sonneneinstrahlung?
Der politische Leidensdruck und die Anreize in anderen Ländern sind stärker als in der Schweiz. Zudem ist der Markt in der Schweiz für Haushalts- und Gewerbekunden noch nicht liberalisiert. In der Schweiz beträgt der Marktanteil des Solarstroms folglich derzeit nur rund zwei Prozent. In Deutschland hingegen beträgt der Anteil des Solarstroms bereits fast sieben Prozent des Gesamtstroms. Dafür gibt es Gründe: Die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Marktanreize für die Verbreitung von Solarstrom sind in Deutschland dank dem Erneuerbaren-Energie Gesetz (EEG) wesentlich besser. Der Verkauf von Solarstrom hat auf dem Markt Vorrang gegenüber Strom von Kohlekraftwerken. Zudem gibt es in Deutschland schon rund 100'000 Solarstromspeicher, wovon knapp ein Drittel gefördert sind. Diese Rahmenbedingungen sind in der Schweiz anders. Nichtsdestotrotz stammen in der Schweiz über 60 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen – der Rest aus Nuklearenergie. Kohlekraftwerke gibt es in der Schweiz keine. Zum Vergleich: In Deutschland stammen heute über 60 Prozent des Stroms aus Kohlekraftwerken und knapp 40 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen. In den kommenden fünf bis zehn Jahren erwarte ich einen merklichen Ausbau des Solarstroms in der Schweiz.

Was würde sich für Privathaushalte verändern, wenn Solarenergie vermehrt genutzt würde?
Heute investieren mehrheitlich Privathaushalte in Solarstrom und benutzen diesen für ihren Eigenverbrauch. Den Reststrom beziehen sie weiterhin von lokalen Energieversorgern. Die Haushalte werden zu sogenannten Prosumenten – das heisst, sie sind gleichzeitig Produzenten und Konsumenten von Solarstrom. Dadurch können sie Stromkosten sparen. Mit der vermehrten Nutzung von Solarstrom werden die Haushalte unabhängiger. Die Verteilnetzbetreiber werden neue Tarifanreize schaffen, damit die Kunden den Strom günstiger erhalten, wenn das Netz weniger belastet ist.

Wie schneidet Solarenergie in Bezug auf die Effizienz und Umweltfreundlichkeit gegenüber anderen erneuerbaren Energien ab?
Unter den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen und den sinkenden Kosten der Photovoltaik ist der Solarstrom bereits heute eine umweltfreundliche und effiziente Investition, vorausgesetzt, man wählt einen geeigneten Standort für die Photovoltaikanlagen. Auch in Bezug auf die heutigen technologischen Wahlmöglichkeiten für die Stromproduktion ist Photovoltaik neben Windenergie sowie Wasserkraft aus Klimaschutzgründen die richtige Wahl. In der Schweiz entscheidet vor allem der Standort darüber, welche dieser drei Technologien kosteneffizient ist. Sie sollten als komplementäre und nicht als konkurrenzierende Lösungsansätze betrachtet werden. In Zukunft werden auch der Umbau und das Management der Verteilnetze über die Kosteneffizienz unserer Stromversorgung entscheiden. Werden wir wie bis anhin versuchen, die Versorgungssicherheit mit überdimensionierten Kupferleitungen zu gewährleisten, wird dies teuer. Ein geschicktes Last- und Erzeugungsmanagement mithilfe von digitalen Lösungsansätzen hilft, die bestehenden Leitungskapazitäten besser zu nutzen und den Umbau kosteneffizient zu gestalten. Zudem ist es entscheidend, dass wir in Effizienztechnologien investieren.

Wie sehen Sie die Zukunft der Solarenergie in der Schweiz?
Solarstrom wird einen wichtigen Anteil im Strommarkt erobern und die Nuklearenergie zu einem guten Teil ersetzen. Wasserkraft wird aber auch in Zukunft unseren Strommix dominieren und auch Geothermie wird eine wichtige Rolle spielen. Ich stelle mir vor, dass wir in Zukunft zuerst unseren regionalen Solarstrom aus der Nachbarschaft erschliessen. Im Strommarkt werden vermehrt Eigenverbrauchsgemeinschaften und Prosumer auftreten. Diese werden den Eigenverbrauch mit Speicherlösungen balancieren und Energiekonsum netzfreundlich gestalten, da dies den effizientesten und umweltfreundlichsten Ansatz darstellt. Zudem wird vermehrt Solar- oder Wasserstrom für das Laden von Elektrofahrzeugen oder für die Herstellung von Wasserstoff als Zwischenspeicher eingesetzt werden.

(sts)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Solar Fan am 13.09.2018 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    zu teuer

    Eigentlich einfach, zu teuer! Wenn man ein Solar System für 8000 Franken im Ausland kaufen kann und das gleiche System in der Schweiz 24000 Franken kostet, ohne Montage, stimmt etwas nicht. Haben es selber importiert und einbauen lassen von lokalen Handwerkern. Preis 11000 Franken. Natürlich war auch noch etwas Eigenleistung dabei, 2 Tage eine Person. Solange es so bleibt, wird es in der Schweiz schwer sein ein System zu installieren, was NIE einen brake even hat.

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  • Motzki am 13.09.2018 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    23 Milliarden

    2016 haben die deutschen Stromkunden ca. 24 Milliarden Euro für die erneuerbaren Energien an die Stromanbieter gezahlt. Die Stromanbieter konnten davon Strom für ca. 1 Milliarde verkaufen. Strom aus erneuerbaren Energien im Gegenwert von 23 Milliarden Euro wurde somit produziert, als Fördermassnahme von den Stromanbietern bezahlt - aber nicht gebraucht. Der Strom war zwar aus erneuerbaren Energien produziert, aber zur falschen Zeit oder am falschen Ort. Deutschland als leuchtendes Beispiel hinzustellen, ist auf diesem Hintergrund mehr als seltsam.

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  • Markus am 13.09.2018 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Es rentiert eben doch!

    Ich habe Solar, Biotherm und Luftwärmepumpe. Die Energie-Kosten für 2 Häuser sind sehr stark reduziert. Anschaffung war insgesamt 20% höher als wenn mit OEL ersetzt worden wäre. Betrieb ist extrem viel günstiger und nach 5 Jahren sind Mehrkosten amortisiert plus Betrieb ist 30% günstiger wie vorher! >> Vielleicht sollten sich hier nur Personen zu Wort melden welche eine echte Erfahrung mit erneuerbaren Energien haben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sunpower am 20.09.2018 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Sonne schickt keine Rechnung

    Wir brauchen mehr Solarpanel und keine Pipelines. Beende deine fossile Zeitepoche.

    • Werbeagentur am 20.09.2018 13:12 Report Diesen Beitrag melden

      Dem wäre noch hinzuzufügen:

      Werbeeinblendung gesponsert durch Greenpeace und der Solarlobby. Bitte spenden Sie, damit wir unser Propaganda-Netzwerk weiter ausbauen können.

    • Sunpower am 20.09.2018 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Werbeagentur

      Die Letzten könnten die Letzten bleiben.

    • Poet am 20.09.2018 14:06 Report Diesen Beitrag melden

      @Welt

      Die Ersten könnten die Ersten bleiben.

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  • Paul am 20.09.2018 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Der ganze Hipe um Umweltschutz nutzt nur der Wirtschaft.

  • K Uh am 20.09.2018 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Solarsstrom - brandgefährlich

    Solarsstrom - nichts als warme Luft und brandgefährlich! Bei einem Brand werden rasiermesserscharfe Siliziumsplitter der berstenden Solarpanles grossflächig die Umgebung verseuchen! Sondermüll vom feinsten, das kann man sich als Weidetier im wahrsten Sinne des Wortes auf der Zunge vergehen lassen!

    • kokes am 20.09.2018 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      genau

      auch die Windräder geben beim Explodieren ein schönes Feuerwerk.

    • Xeno72 am 20.09.2018 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Chabis@kokes

      Es wird immer absurder. Aber Sie fahren sicher kein Benzinauto mit dem sogar explosiven Treubstoff?

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  • Bruno am 20.09.2018 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatspropaganda

    Einfach unglaublich, wie man hier im Auftrag des Bundes im Rahmen dieser Energy Challenge jeden Tag mit millionenteurer Staatspropaganda berieselt wird. Bin mir nicht sicher, ob meine sauer bezahlten Steuern so wirklich gut eingesetzt werden. Bei manchen Themen kommen mir erhebliche Zweifel. Mir scheint, da hat eine Departementsvorsteherin wohl nicht alle 99 Menstruationstassen im Schrank.

    • By the way am 20.09.2018 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bruno

      Welche von denen ist denn die fragliche Menstruationsministerin?

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  • Die Gast am 20.09.2018 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Vermiete mein Dach

    Ich stelle gerne dem EW meine Dachfläche zur Verfügung um damit Solarenergie zu nutzen. Natürlich gegen eine entsprechende Entschädigung. Wenn es rentiert habe die bestimmt nichts dagegen ;-)