Energy Challenge

23. Juli 2018 10:56; Akt: 31.07.2018 16:32 Print

Wie wird die Kraft der Sonne effizient genutzt?

Ein Leser renoviert sein Haus und weiss nicht, ob sich eine Photovoltaikanlage oder Solarkollektoren für ihn lohnen. Dr. Energy zeigt Möglichkeiten auf.

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Die Sonne liefert Gratisenergie in fast unbegrenzter Menge. Diese Energie kann mittels Photovoltaikanlagen und Solarkollektoren genutzt werden. Dr. Energy Jules Pikali erklärt den Unterschied. Mit Photovoltaikanlagen kann man Strom produzieren. Auf dem Dach werden die Module – auch Solarzellen genannt – platziert, der erzeugte Gleichstrom wird in einem Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt und kann entweder im Haus selber verwendet werden oder in das elektrische Netz eingespeist werden. Seit der industriellen Produktion der Module sind diese mittlerweile so günstig zu haben, dass der selber produzierte Strom billiger ist als die vom Elektrizitätswerk gelieferte Energie. Mit solarthermischen Anlagen – auch als Solarkollektoren bekannt – kann Wärme erzeugt werden, die insbesondere bei der Wassererwärmung zum Einsatz kommt. Eine solarthermische Anlage beansprucht auch eine deutlich kleinere Fläche als eine Photovoltaikanlage. Als Faustregel gilt, dass etwa ein bis zwei Quadratmeter pro Person im Haushalt erforderlich sind. Wenn die Wärmeerzeugung im Haus mit einer Holzheizung, Holzpellets, Gas oder Ölheizung erfolgt, sollte die solarthermische Anlage fast als ein Muss betrachtet werden. Grund dafür ist, dass die Feuerungen in den Sommermonaten in einem Teillastbetrieb arbeiten, der energetisch sehr schlecht ist, weil auf eine kurze Einschaltzeit ein langer Stillstand folgt. Als Solaranlagenbesitzer lohnt es sich auch unbedingt, die Waschmaschine und den Geschirrspüler nicht wie normal an das Kalt-, sondern an das Warmwasser anzuschliessen. Geschirrspüler und Waschmaschine verbrauchen nämlich die meiste Energie, um das Wasser aufzuheizen. So kann man mit Sonnenkollektoren ganz schön Strom sparen.

Zum Thema
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Wir möchten unser Einfamilienhaus in Aarau renovieren und evaluieren momentan verschiedene Formen erneuerbarer Energien. Da Photovoltaik in den letzten Jahren massiv günstiger geworden ist, sprechen fast alle nur noch davon. Dabei ging meiner Meinung nach die Solarwärme für Warmwasser und Heizung vergessen. Welches sind Ihrer Meinung nach die Vorteile von Photovoltaik respektive Solarwärme und was schneidet bei gleichem Investitionsvolumen besser ab?

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Ob sich eher eine Photovoltaik zur Stromerzeugung oder eine solarthermische Anlage für das Warmwasser mehr lohnt, kann nicht generell beantwortet werden. Die Frage muss für jedes Haus individuell abgeklärt werden. Eines ist aber unbestritten: Es lohnt sich, die Sonne als Energiequelle zu nutzen, die Sonne liefert nämlich Gratisenergie in fast unbegrenzter Menge.

Mit Photovoltaikanlagen kann man Strom produzieren. Auf dem Dach werden die Module – auch Solarzellen genannt – platziert, der erzeugte Gleichstrom wird in einem Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt und kann entweder im Haus selber verwendet werden oder in das elektrische Netz eingespeist werden. Mit der industriellen Produktion der Module sind diese mittlerweile so günstig zu haben, dass der selber produzierte Strom billiger ist als die vom Elektrizitätswerk gelieferte Energie. Es gibt heute darum fast keinen Grund, auf eine eigene Solarstromanlage zu verzichten.

Einspeisetarif wird in Zukunft vermutlich sinken

Damit ist aber die Frage nach der Wirtschaftlichkeit noch nicht abschliessend beantwortet. Solange der erzeugte Strom im Haushalt selber verbraucht wird, ist die Sache sehr lohnend. Kann aber die Elektrizität nicht mehr selber verwendet werden, muss der Überschuss an das Elektrizitätswerk zurückgeliefert werden. Dadurch verschlechtert sich die Rechnung, weil die Vergütung der Elektrizitätswerke gering ist und in Zukunft vermutlich weiter sinken wird. Wer also eine Solaranlage hat, muss daran interessiert sein, den selber produzierten Strom auch selber zu nutzen.

Die Strommenge, die im Haus selber verwendet wird, ist der sogenannte Eigenverbrauchsanteil. Werden Warmwasser und Heizwärme mit einer Wärmepumpe produziert, ist ein grosser Teil der Energie selber nutzbar. Der Warmwasserboiler und mit der Heizung das Haus selber können dabei einen Teil des Solarstroms problemlos speichern. Der Eigenverbrauchsanteil kann auch mit einer guten Bewirtschaftung der Haushaltgeräte wie etwa Waschmaschine und Geschirrspüler zusätzlich verbessert werden. Eine Batterie hilft ebenfalls, den Eigenverbrauchsanteil zu erhöhen.

Solarmodule anstelle von Dachziegeln

Wenn eine Photovoltaikanlage eingebaut wird, muss man vorher unbedingt einen Blick auf das Dach richten. Wenn für das Dach irgendwann eine Sanierung ansteht, sollte bis nach erfolgter Sanierung gewartet werden. Noch besser ist es, die Dachsanierung mit dem Einbau der Photovoltaikanlage zu verbinden. Anstelle von Dachziegeln können Solarmodule eingebaut werden. Solche sind mittlerweile nicht mehr viel teurer als Dachziegel, aber einiges langlebiger und produzieren erst noch Strom. Sinnvollerweise werden dann die Module nicht nur auf dem gegen Süden gerichteten Dach, sondern auf der gesamten Dachfläche eingerichtet.

Ohne schlechtes Gewissen duschen

Leider konnten solarthermische Anlagen – auch als Solarkollektoren bekannt– nicht einen gleich grossen Boom erfahren, wie dies bei der Photovoltaik der Fall war. Aber es gibt auch gute Gründe, eine solarthermische Anlage einzubauen. Mit einer solchen kann Wärme erzeugt werden, die insbesondere für die Wassererwärmung genutzt werden. Wer eine solche Anlage hat, kann ohne schlechtes Gewissen duschen oder auch ein Vollbad einlaufen lassen, ohne Schadstoffe in die Atmosphäre auszustossen, und dies auch frei von Atomstrom.

Eine solarthermische Anlage beansprucht auch eine deutlich kleinere Fläche. Als Faustregel gilt, dass etwa ein bis zwei Quadratmeter pro Person im Haushalt erforderlich sind. Aus diesem Grund ist man viel freier bei der Platzierung der Kollektoren. Wenn sich die Dachfläche nicht eignet, kann ein solcher Kollektor darum auch in das Balkongeländer integriert werden. Der vertikale Einbau der Kollektoren ist zudem auch energetisch gesehen besser. Insgesamt ist dabei die erzeugte Wärmemenge zwar kleiner, aber es sind insbesondere die Sommermonate betroffen, bei welchen ohnehin eine Überproduktion vorhanden ist. Umgekehrt nimmt aber die Produktion in den Wintermonaten mit tiefem Sonnenstand zu.

Im Sommer wird viel Energie verheizt

Wenn die Wärmeerzeugung im Haus mit einer Holzheizung, Holzpellets, Gas oder Ölheizung erfolgt, sollte die solarthermische Anlage fast als ein Muss betrachtet werden. Grund dafür ist, dass die Feuerungen in den Sommermonaten in einem Teillastbetrieb arbeiten, der energetisch sehr schlecht ist, weil auf eine kurze Einschaltzeit ein langer Stillstand folgt. Wer Besitzer von Sonnenkollektoren ist, kann auf diese Weise seine Heizung im Frühling in die Ferien schicken und muss sie erst zu Beginn der Heizsaison wieder einschalten. Die erzielte Einsparung ist dabei überraschend gross und man staunt, wieviel Energie im Sommer verheizt wird.

Als Solaranlagenbesitzer lohnt es sich auch unbedingt, die Waschmaschine und den Geschirrspüler nicht wie normal an das Kalt-, sondern an das Warmwasser anzuschliessen. Geschirrspüler und Waschmaschine verbrauchen nämlich die meiste Energie, um das Wasser aufzuheizen. So kann man mit Sonnenkollektoren auch ganz schön Strom sparen.

Investitionskosten und Wirtschaftlichkeit online berechnen

In einzelnen Anwendungen macht auch eine solarthermische Anlage in Kombination mit einer solarelektrischen Anlage Sinn. Wer einmal selber die Wirtschaftlichkeit der Solarenergienutzung durchrechnen möchte, kann das kostenlose Berechnungstool von EnergieSchweiz verwenden: Auf www.sonnendach.ch wird berechnet, welche Energiemenge auf dem Dach gewonnen werden kann, wie hoch die Investitionskosten sind und wie es mit der Wirtschaftlichkeit aussieht. EnergieSchweiz bietet zudem kostenlos einen Solarcheck an.

(sts)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • UglyKidDani am 23.07.2018 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Fast guter Artikel

    Nur mit Eigenverbrauch kann eine PV-Anlage rentabel betrieben, bei Dachkosten muss man gegenrechnen. Definitiv nichts bringt der Warmwasseranschluss an Waschmaschine und Geschirrspüler; Der GWA braucht 8 Liter in mehrere Gänge aufgeteilt, damit kommt das WW gar nie in die Maschine, nur in die Leitung (Energieverschwendung!). Ähnlich bei der Waschmaschine, ca. 50 Liter pro Wäsche verteilt auf mehrere Waschgänge; die Hälfte des WW bleibt als verlorene Wärme in den Leitungen. Gruss vom Sanitär ;-)

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  • Eugen Messer am 23.07.2018 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Solaranlage

    Ich habe seit 4 Jahren eine Solaranlage auf dem Dach und bin sehr zufrieden damit. Rund 70% des Verbrauchstroms wird damit generiert. Mich ärgert sehr, das das Elektritzitätswewerk für jede zurückgelieferte Kwh Durchleitungs- und Netzgebühren verlangt. Also werde ich demnächst eine Batterie einbauen.

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  • Simon Bachmann am 23.07.2018 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    ....

    Ich finde gut dass man Werbung für die Sonnenenergie macht, jedoch bin ich mit einigen Punkten nicht ganz einverstanden: 1. Seit wann soll ein Modul etwa gleich teuer sein wie ein Dachziegel? 2. Langlebiger als ein Dachziegel schon gar nicht. 3. Es wird ein wenig so geschrieben, als benötige man nur photovoltaik/solar Module und man lebe energieautark und grün. Da benötigt man einiges mehr. Es hilft sicher aber man hat nach wie vor ,,schmutzigen Strom,, im Haus. Zudem wird er immer schmutziger da die CH vom Ausland einkauft. Da sind mir die CH- AKWs lieber als jenen vom Ausland aus Kohle

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sunpower am 15.08.2018 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Machbar Hr. Nachbar

    Der Markt für Elektroautos wächst schnell. Der resultierende Strombedarf hält sich in Grenzen und könnte durch den Ausbau erneuerbarer Energien gedeckt werden. Wie schnell diese Wende gelingt, entscheiden unsere Nachfrage und unsere Investitionen.

  • Chrissi64 am 01.08.2018 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sonne

    Solar im Sommer super Sache wir haben Solarzellen auf dem Dach deckt einen Teil Stromversorgung und einen grossen Teil Warmwasser

  • Stefan am 01.08.2018 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Neubau

    Wie lange es wohl noch dauert bis endlich jeder Neubau (Wohnhaus) seinen Energiebedarf komplett selbst deckt? - ist schon länger möglich..

  • S.Kritischer. am 01.08.2018 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer kritisieren.

    Immer dieses Gemeckert.. Ein Freund von mir lebt in einem 20 Jährigen Einfamilienhaus, hat eine gleich alte Solar Warmwasser Anlage auf dem Hausdach. Seine Ölheizungen wird im April ausgeschaltet, bis Oktober und hat praktisch immer genug Warmwasser.Was will man mehr??? Ich denke hier wird bewusst viel negatives von der Öllobby geschrieben.

    • Rolf am 01.08.2018 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S.Kritischer.

      Habe 2006 auf von Oel auf Wärmepumpe und thermische Warmwasserproduktion umgestellt. Rechnet sich und würde ich immer wieder machen. Hat aber leider nichts mit Photovoltaik Panels (Produzieren Strom) zu tun. Diese sind aus wirtschaftlichen Aspekt da geeignete, langfristige Speicherung fehlt nur bedingt sinnvoll. Und für nur das ökologische Gewissen zu beruhigen sind mir 20-30t dann doch zu viel.

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  • Roni am 01.08.2018 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach behaupten.

    Kann man die Solarzellen nur noch mit falschen Behauptungen verkaufen.? Irgend wann gibt es immer mehr die dagegen sprechen weil Ihnen schlichtweg was vorgelogen wurde.