Aargau

07. März 2011 13:53; Akt: 07.03.2011 18:39 Print

27 Ärzte mit falschen Doktortiteln

Der Fall von Ärzten, die im Gesundheitszentrum Fricktal (AG) mit nicht vorhandenen Doktortiteln versehen wurden, zieht weitere Kreise.

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Der Fall von Ärzten, die im Gesundheitszentrum Fricktal im Kanton Aargau mit nicht vorhandenen Doktortiteln geschmückt wurden, zieht weitere Kreise. Insgesamt 27 Ärzte wurden mit der falschen Bezeichnung geführt, um sie vom Pflegepersonal unterscheiden zu können.

Es handle sich vorwiegend um Assistenzärzte, sagte Direktorin Anneliese Seiler am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Sie bestätigte einen entsprechenden Bericht von Radio Argovia.

Am Freitag war publik geworden, dass eine Oberärztin drei Jahre lang mit einem nicht vorhandenen Doktortitel geführt worden war. Das Gesundheitszentrum räumte Fehler bei der Funktionsbezeichnung ein.

Das Gesundheitszentrum wollte nach eigenen Angaben mit der Bezeichnung «Dr.» verhindern, dass die Patienten das Pflegepersonal und die Ärzte verwechseln. Zum 1999 gegründeten Gesundheitszentrum gehören die Spitäler Laufenburg und Rheinfelden.

«Meines Wissens wurde diese Praxis immer angewendet», hielt Seiler fest. Dies sei auch in anderen Spitälern üblich gewesen. Problematisch sei das erst in den letzten Jahren geworden, weil viele Assistenzärzte ihre Dissertation nicht wie früher üblich gleich nach dem Staatsexamen schreiben würden.

Für die Direktorin steht ausser Frage, dass die betroffenen Ärztinnen und Ärzte am Gesundheitszentrum über die notwendigen Ausbildungen und Qualifikationen verfügen. «Der Doktortitel ist ein rein akademischer Grad, der nichts mit der fachlichen Qualifikation zu tun hat», betonte Seiler.

Verstoss gegen Standesordnung

Mit der Kennzeichnungspraxis hat das Gesundheitszentrum Fricktal die FMH-Standesordnung nicht respektiert, wie Hanspeter Kuhn, der stellvertretende Generalsekretär der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), auf Anfrage festhielt.

«Jede missbräuchliche Verwendung von Titeln ist unstatthaft», heisst es in der Standesordnung. Ärzte und Ärztinnen verwendeten nur akademische Titel, welche ihnen von einer schweizerischen oder einer gleichwertigen ausländischen Universität verliehen worden seien.

Klinik: Patienten wollen zum «Doktor»

Es sei eine Besonderheit der Branche, dass «Doktor» als Synonym für «Arzt» verwendet werde und in der Schweiz umgangssprachlich faktisch einer Berufsbezeichnung gleichkomme, führt dagegen Gesundheitszentrum-Direktorin Seiler an.

Im Gesundheitszentrum Fricktal habe sich bei den Reaktionen der Patientinnen und Patienten gezeigt, dass diese den akademischen Grad nicht von der beruflichen Tätigkeit als Arzt unterscheiden könnten und daher zum Teil verunsichert seien.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcus Thomas am 07.03.2011 17:06 Report Diesen Beitrag melden

    Regt euch ab.

    Und wo ist das Problem? Die Scheindoktoren können auch nicht mehr verhunzen als die richtigen Ärzte.

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  • med. pract. L. Looser am 07.03.2011 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Fortsetzung zum oberen Beitrag

    Fortsetzung: Beide geschilderten Arbeitskräfte sind übrigens Assistenzärzte. Die Unsinnigkeit dieser Bezeichnung ist ein Thema für sich. Im Zuge der Bolognareform wurde der Aufwand für eine medizinische Doktorarbeit massiv erhöht. Die Erlangung des Doktortitels wird in Zukunft 2-3 Jahre in Anspruch nehmen, was einer Anpassung an andere Fachrichtungen entspricht. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass in Zukunft der Grossteil der Ärzte keinen Doktortitel mehr führen wird. Es wird also Zeit für die Bevölkerung die Begriffe "Doktor" und "Arzt" trennen zu lernen.

  • Dr. med am 07.03.2011 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    dd

    "...Der Doktortitel ist ein rein akademischer Grad, der nichts mit der fachlichen Qualifikation zu tun hat...." Das muss ein Satz eines Medizines sein. Der medizinische Doktortitel hat tatsächlich nichts mit der fachlichen Qualifikation zutun, da eine Mediziner-Diss meist nicht grösser als eine Semesterarbeit ist. Davon abzugrenzen ist der wissenschaftliche Doktor, der sehr wohl was mit der fachlichen Qualifikation zutun hat und meist über 3 Jahre dauert. Fazit: Es spielt keine Rolle, ob ihr einen pract. med oder einen Dr. med vor euch habt (auf Assistenzarztniveau)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Susanne am 09.03.2011 21:12 Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen?

    Wenn ich von meinem Hausarzt wüsste, dass er nur blöfft mit seiner Doktor-Bezeichnung hätte ich ein Vertrauensproblem! Es ist doch unfair gegenüber denen, die Doktoren sind oder sind das nun Dr.Dr.med?? Ich habe das Gefühl, dass da auch Neid vorhanden ist, sonst müsste man die "richtigen" Doktoren nicht bekämpfen und sich mit falschen Federn schmücken.

  • Patrick am 09.03.2011 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    So ein bisschen hat Sie doch Recht...

    Wenn ich die Kommentare so druchlese, komme ich zum Schluss, dass die Spitaldirektorin mit Ihrer Einschätzung gar nicht so falsch lag. Viele Leute verstehen den Unterschied zwischen fachlicher Qualifikation und akademischem Grad nicht. Das legitimiert zwar auch nicht das unrechtmässige Tragen von Titeln zeigt aber auf, dass die Problematik durchaus besteht und bei den gestiegenen Anforderungen an die Dissertation in den nächsten Jahren dazu führen muss, dass eine Aufklärung über die Begrifflichkeiten (Arzt, Facharzt, Assistenzarzt, Oberarzt, Dr., Prof. etc.) stattfinden sollte.

  • Silver am 09.03.2011 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    So einfach....

    Es wäre doch so einfach. Aerzte (mit oder ohne Dr. Titel) tragen weiss und weisse Namensschilder (mit Dr. falls gerechtfertigt). Pflegepersonal tragen blau und blaue Namenschilder; Reinigung und Unterhalt tragen grün. Dann gibt es vordergründig keine Probleme mehr. Dies wird übrigens schon in einigen Spitälern so gehandhabt. Umgangssprachlich wird Dr. sowieso mit Arzt gleichgesetzt. Fast jeder Patient nennt seinen Arzt Dr. obwohl dieser keine Disertation geschrieben hat.

  • Susanne am 09.03.2011 08:07 Report Diesen Beitrag melden

    DR. von und zu..

    Entweder hat man die Doktorwürde erlangt oder nicht !!! Es ist doch eine Anmassung, dass man sich das aneignet ohne Berechtigung. Rein Lohnmässig wird es wohl ein Unterschied geben und als Patient will ich mit Doktoren oder Professoren über meine medizinischen Probleme diskutieren. Ich bin immer wieder auf Spitzenmedizin angewiesen!Als ehemalige Krankenschwester und als Patientin mit vielen "Zwangs"-Operationen und Komplikationen habe ich keine andere Wahl. Die Spezialisten beissen sich an mir schon mal die Zähne aus, aber ich Lebe und ich Laufe!!!

    • Wenzin am 10.03.2011 12:50 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn Du glaubst

      ein festgefahrener Proffessor ist wirklich besser als ein geübter Arzt. Bitteschön, dann bezahle eben für Nichts mehr. Aber beklage Dich nicht über die Prämienerhöhungen. Und hättest Du den Bericht gelesen, dann müsstest Du Dich ja nicht mehr aufregen, weil die Sage längst gegessen ist.

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  • Eduard J. Belser am 09.03.2011 07:20 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerliche Argumentation

    Mit ihrer Argumentation hat sich die Leitung des Gesundheitszentrums Fricktal definitiv selbst der Lächerlichkeit preisgegeben. Leider war das Timing für ein Fasnachtssujet nicht optimal. Eine klare Funktionsbezeichnung auf den Namensschildern und allenfalls unterschiedliche Farben für Ärzt und Pflegepersonal wären nicht nur eindeutig sondern auch korrekt.