Schenkkreis-Prozess

07. Mai 2012 14:15; Akt: 07.05.2012 18:12 Print

27-Jähriger soll 12 bis 16 Jahre ins Gefängnis

Im Prozess zum Dreifachmord von Grenchen SO hat der Verteidiger eines 27-jährigen Angeklagten eine Freiheitsstrafe von 12 bis 16 Jahren gefordert. Sein Mandant sei bloss ein «williger Mitläufer».

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27. Januar 2014: Das Solothurner Obergericht bestätigt das Urteil gegen die drei Schenkkreis-Mörder. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Täter skrupellos und geldgierig die Morde geplant hatten. Am 25. Mai 2012 wurde R.S. noch im Gerichtssaal verhaftet. Sie hatte den beiden Haupttätern wichtige Informationen zukommen lassen und die Tat mit geplant. Der zu lebenslanger Haft verurteilte ehemalige Spitzensportler Patric S. wird von der Polizei zur Verhandlung vor das Obergericht Solothurn geführt. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Guido S. wird von der Polizei zur Verhandlung vor das Obergericht Solothurn geführt. Das Solothurner Obergericht beurteilt als zweite Instanz den Schenkkreis-Mord in Grenchen vom Juni 2009 mit drei Toten. Auf dem Weg zum Gericht: Der 35-jährige ehemalige Spitzensportler Patric S. wird am 30. April 2012 von der Polizei zur Verhandlung geführt. Ebenso der 27-jährige ehemalige Güggeli-Verkäufer Guido S. Vom 30. April bis 4. Mai 2012 müssen sich drei Angeklagte vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern wegen mehrfachen Mordes verantworten. Die drei sollen am Abend des 5. Juni 2009 drei Menschen in Grenchen umgebracht oder dazu angestiftet und deren Tötung vorgängig geplant haben. Die Verhandlung, die im Solothurner Obergerichtssaal im 2. Stock stattfindet, ist öffentlich. Die Tat, die den drei Schweizern angelastet wird, sorgte im Frühling 2009 für grosses Aufsehen: Am Morgen des 6. Juni fand die Polizei an der Kirchstrasse 72 in Grenchen den 60-jährigen Pierre-André Dubey, seine 55-jährige Frau Margrit und die 34-jährige Tochter Dania tot in der Wohnung auf. Die Mutter lag gefesselt im Erdgeschoss, dem Büro der Familie. Ihr war ein Plastiksack über den Kopf gestülpt worden. Trotz heftiger Gegenwehr erstickte sie. In der Attika-Wohnung fanden die Ermittler den Ehemann und die Tochter. Dem 60-Jährigen waren mehrere Rippen gebrochen und ein Kissen ins Gesicht gedrückt worden. Am Schluss wurde er mit einem Kopfschuss hingerichtet. Die Tochter wurde gewürgt und danach ebenfalls mit einem Plastiksack erstickt. Bald stellte sich heraus, dass die Familie bei einem Schneeballsystem mitmischte: Margrit Dubey war leitendes Mitglied eines illegalen Schenkkreises, einer Organisation namens «dr Club». Daneben vertrieb sie Bios-Life-Produkte, organisierte auch Reiki-Veranstaltungen und übte mit ihrem Mann das Hauswartsamt aus. Die Täter hatten sämtliche Räumlichkeiten der Familie (auf dem Bild die Attika-Wohnung mit den blauen Storen) durchsucht und verwüstet. Sie waren offenbar auf der Suche nach Geld gewesen, das sie bei der Familie Dubey aufgrund ihrer Schenkkreisverbindungen vermuteten. Täter und Opfer hatten sich darum vermutlich gekannt. Dennoch schien es zwei Wochen lang von den Tätern keine Spur zu geben. Am 23. Juni 2009 dann der Durchbruch: Die Polizei gibt die Verhaftung von vier Personen bekannt. Es handelt sich um eine Schweizerin (48) und zwei Schweizer (24, 32) aus dem Kanton Aargau sowie einen Deutschen (36) aus dem Kanton Luzern. Der damals 32-Jährige ist überraschenderweise eine Persönlichkeit aus der Sportwelt: Der bekannte Hammerwerfer Patric S. Der ehemalige Spitzensportler ist mehrfacher Schweizermeister und Schweizer Rekordhalter im Hammerwerfen. 2004 hat er die Schweiz an den Olympischen Spielen in Athen vertreten. Der Sportler wurde am 19. Juni in seinem Haus verhaftet. Zur Tatzeit wohnte der ehemalige Winterthurer im aargauischen Seetal. Für sein Acht-Zimmer-Einfamilienhaus zahlte er angeblich 2500 Franken Miete pro Monat. Die Nachbarn fragten sich bereits, woher er das viele Geld für das Haus nahm, da er angeblich nur bei einer Firma als Security arbeitete. Am 5. August gestand Patric S. eine Mittäterschaft. Er hatte, genau wie das Opfer Margrit Dubey, mit Bios-Life-Produkten gehandelt, war Mitglied eines Schenkkreises und kannte die Familie darum. Mit Guido S. war er am 5. Juni nach Grenchen gefahren, um die Familie auszurauben. Doch offenbar erkannte Margrit Dubey, wer vor ihr stand. Darauf erstickte Patric S. zusammen mit Guido S. Margrit und Dania Dubey. Ausserdem schoss er Pierre-André Dubey in den Kopf, nachdem Guido S. ihm die Beretta gereicht hatte. Zuvor hatten die beiden vergeblich versucht, die Eltern zur Herausgabe von Geld zu zwingen. Tatsächlich begingen die beiden die Tat, um an Bargeld zu kommen: Patric S., hier mit einem seiner Rottweilerhunde, und Guido S. (links), hatten Schulden bei Ruth S. Es ging um mehrere 10 000 Franken, die die Frau von den beiden zurückforderte. Ruth S. war bei der Tat in Grenchen nicht zugegen. Sie ist dennoch wie Patric S. und Guido S. wegen Mordes angeklagt. Gemäss Anklageschrift soll sie beim Aushecken der Tat die Drahtzieherin gewesen sein: Sie soll Patric und Guido geraten haben, die Familie Dubey auszurauben und den beiden bezüglich Vorgehen, Spurenbeseitigung und Alibi geholfen haben. Das Trio glaubte, die Familie verfüge wegen ihrer Schlüsselfunktion in einem Schenkkreis über viel Bargeld. Einen ersten Versuch starteten Patric und Guido am 14. Mai in Begleitung des ebenfalls verhafteten Deutschen Carsten S. Dieser Versuch misslang, weil die drei es nicht schafften, ins Gebäude einzudringen. Casten S. wurde wegen dieses Raubversuchs bereits 2010 zu 2,5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Drei Wochen später, am 5. Juni, standen nur noch Patric S. und Guido S. vor der Wohnungstür und überfielen die Dubeys. Die Familie sei exekutiert worden, um «im Zusammenhang mit dem Raub als lästig empfundene Tatzeugen zu eliminieren», schreibt Staatsanwalt Jan Gutzwiller in der Anklageschrift. Die Täter seien «skrupellos» und «ausserordentlich verwerflich» vorgegangen, so Gutzwiller weiter. Welches Strafmass der Staatsanwalt für die Täter fordert, will er erst vor Gericht preisgeben. Für Mord sei bis zu lebenslänglich möglich, lässt er aber verlauten.

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Im Prozess zum Dreifachmord von Grenchen SO hat der Verteidiger des 27-jährigen Angeklagten am Montag eine Freiheitsstrafe von 12 bis 16 Jahren gefordert. Der Verteidiger des 35-jährigen ehemaligen Spitzensportlers stellte keinen Strafantrag.

Beide Verteidiger nahmen den psychiatrischen Gutachter ins Visier: Im Fall des 27-Jährigen habe dieser dessen Alkoholkonsum und den Schlafmangel nicht untersucht, sagte Verteidiger Bruno Steiner in seinem über dreistündigen Plädoyer am Montagmorgen.

Beim ehemaligen Spitzensportler forderte Verteidiger Pius Buchmann erneut ein weiteres Gutachten zu den Auswirkungen des Anabolika- und Drogenkonsums auf die Aggressivität seines Mandanten.

Er zitierte mehrere Studien, gemäss denen der massive Konsum von Anabolsteroiden einen Einfluss auf die Psyche haben kann. Solange ein entsprechendes Gutachten fehle, bleibe die Frage in Bezug auf eine allfällige Verminderung der Schuldfähigkeit offen.

Buchmann sprach am Montagnachmittag über zwei Stunden. Auf einen Strafantrag verzichtete er. Sein Mandant dürfe jedoch nicht härter bestraft werden als der 27-jährige Mitangeklagte, sagte er. Würde er einen Antrag für den 35-Jährigen stellen, läge dieser nicht über 12 bis 16 Jahren.

Dieses Strafmass hatte der Verteidiger des 27-Jährigen gefordert. Für ihn steht jedoch fest: Sein Mandant müsse deutlich milder bestraft werden als die beiden anderen Angeklagten, weil er ein «williger Mitläufer und Anweisungsempfänger» gewesen sei.

«Im Windschatten des Terminators»

Der 27-Jährige habe «im Windschatten des Terminators» gestanden. Mit «Terminator» meinte der Verteidiger den 35-jährigen ehemaligen Spitzensportler.

Der Gutachter war bereits vergangene Woche unter Druck geraten. Der Verteidiger des 27-jährigen Angeklagten hatte ihn als «befangen» bezeichnet und ein Obergutachten angefordert.

Beide Verteidiger beschuldigten die dritte Angeklagte erneut, Drahtzieherin des Schenkkreis-Mordes zu sein. Die 51-Jährige wurde den gesamten Tag über als «General» bezeichnet sowie als herrische und dominante Persönlichkeit beschrieben.

Einen vergleichsweise ruhigen Tag verbrachte Staatsanwalt Jan Gutzwiller. Die Kritik an der Anklageschrift fiel deutlich weniger heftig aus als jene am psychiatrischen Gutachter. Gutzwiller verzichtete denn auch nach beiden Plädoyers auf eine Replik.

Dreiköpfige Familie ausgelöscht

Beim so genannten Schenkkreis-Mord wurde am 5. Juni 2009 eine dreiköpfige Familie getötet. Ein 60-jähriger Mann wurde erschossen, seine 55-jährige Ehefrau sowie die 35-jährige Tochter wurden erstickt. Der 27-jährige Angeklagte hat den Mord an der Tochter gestanden.

Der 35-jährige Angeklagte ist geständig, das Ehepaar umgebracht zu haben. Der Staatsanwalt hielt sein Plädoyer bereits am vergangenen Mittwoch. Er forderte für alle drei Angeklagten eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Urteil erst in zweieinhalb Wochen?

Der Prozess war bis am Montag unterbrochen worden, da die Verteidiger mehr Zeit für die Vorbereitung ihrer Plädoyers gefordert hatten. Am Dienstag ist der Verteidiger der 51-jährigen Angeklagten an der Reihe. Er hat ein Plädoyer von sechs Stunden angekündigt.

Amtsgerichtspräsident François Scheidegger äusserte am Montag Zweifel, ob das Urteil wie geplant am 11. Mai eröffnet wird. Möglicherweise werde das Gericht das Ersatzdatum am 25. Mai nutzen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Justus am 07.05.2012 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Alkoholkonsum

    Die Tat war eiskalt geplant und geschah nicht im Affekt, wo man den Alkoholeinfluss ev. noch miteinbeziehen könnte. Man soll hier nicht aussagen "Begehe eine Tat betrunken, und die Strafe fällt milder aus".

    einklappen einklappen
  • Kuschel Richter am 07.05.2012 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Für eine bedingte Geldstrafe...

    wirds wohl knapp reichen.

  • Marius am 07.05.2012 16:42 Report Diesen Beitrag melden

    Grenchen

    Wenn man sich schuldig macht, muss man dafür gerade stehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Steve Meyer am 08.05.2012 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schlecht

    12-16 Jahre für Mord. Wegen guter Führung läuft der in spätestens 5 Jahren als freier Mann wieder rum. Und in Amerika wir jemand wegen falsch parkens zu 50 Jahren verurteilt. Wir werden immer älter während die Lebensstrafe immer kürzer wird. Was ist da falsch?

  • J. Meyer am 07.05.2012 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde alle 3 schuldig sprechen

    Ob Alkohol, Anabolika oder andere Substanzen ist doch wurscht. Hier wurden von 3 Menschen aus Gier nach Geld 3 andere Menschen umgebracht. Es war kein Tötungsdelikt im Affekt oder Unfall, sondern Mord aus Habgier. Und so wie ich die bisherigen Medienberichte gelesen habe, scheint mir die Täterin in der Tat eine ziemlich dominante Person zu sein, die in diesen beiden Tätern willfähige Mittäter fand. Vielleicht war Mord nie die Absicht, keine Ahnung, aber es geschah u für mich sind alle gleichermassen schuldig.

  • Dude am 07.05.2012 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    Alkoholkonsum / Schlafmangel...???

    Wenn ich übermüdet / betrunken Auto fahre und einen Unfall baue, wirkt sich dies ja wohl auch nicht mildernd auf das Urteil aus...

  • Kuschel Richter am 07.05.2012 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Für eine bedingte Geldstrafe...

    wirds wohl knapp reichen.

  • P.D. am 07.05.2012 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung

    Verminderte Zurechnungsfähigkeit wegen Alkohol oder sonstigen Substanzen sollten nicht mehr Strafmildernd wirken. Jede/r ist für sein Handeln verantwortlich und dazu gehört auch das Verhalten vor Straftaten.