Nach Bombenanschlag

31. März 2011 16:34; Akt: 01.04.2011 10:54 Print

AKW-Betreiber wollen Sicherheit erhöhen

von L. Mäder, M. Egger - Der Anschlag auf Swissnuclear in Olten hat Politiker und AKW-Betreiber aufgeschreckt. Einzelne Firmen erörtern den Personenschutz, Post wird geprüft.

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Der möglicherweise politisch motivierte Briefbomben-Anschlag auf die AKW-Betreiber-Organisation Swissnuclear hat Sicherheitsmassnahmen ausgelöst. Die Vorkehrungen seien verstärkt worden, sagt Alpiq-Sprecher Andreas Werz. Zu den konkreten Sicherheitsmassnahmen wollte sich die Firma mit Sitz in Olten nicht äussern. «Es besteht bei uns erhöhte Alarmbereitschaft.» Den Anschlag verurteilt Werz gegenüber 20 Minuten Online scharf: «Ich würde das einen terroristischen Akt nennen.» Der Anschlag habe mit dem gängigen Verständnis von Demokratie überhaupt nichts zu tun. Man sei überrascht worden. Es habe keine Vorwarnungen gegeben, dass so etwas eintreffen könne.

Die BKW als Betreiberin des AKW Mühleberg verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen ebenfalls, sagt Sprecher Sebastian Vogler. Details wollte er keine bekannt geben. Geprüft werde aber auch, ob für einzelne Mitarbeiter Personenschutz beantragt wird, sagt Vogler zu 20 Minuten Online. Reagiert hat auch das Kernkraftwerk Gösgen, wie Mediensprecher Konstantin Bachmann sagt: «Wir haben die Wachsamkeit erhöht, die Belegschaft sensibilisiert und überprüfen das Sicherheitsdispositiv.» Im KKW Gösgen herrschen standardmässig strenge Eintritts- und Warenkontrollen.

Das Kernkraftwerk Leibstadt hat das Sicherheitsdispositiv der Betriebswache ebenfalls der aktuellen Situation angepasst, wie Sprecherin Barbara Bumbacher in einer Stellungnahme schreibt. Die Belegschaft sei informiert und sensibilisiert worden. Alle Mitarbeitenden, die externe Post erhalten, seien umgehend informiert und instruiert worden. Nicht zu allfälligen Sicherheitsmassnahmen wollte sich der Energiekonzern Axpo mit Sitz in Baden äussern.

Politiker zu Vorsicht angehalten

Nicht nur Firmen erhöhen ihre Sicherheitsmassnahmen. Die Kantonspolizei Solothurn forderte einzelne Politiker, die sich zu Gunsten der Atomenergie exponieren, zu erhöhter Vorsicht auf. Es handle sich um eine «vorsorgliche Massnahme», sagte Polizeisprecher Andreas Mock auf Anfrage. Zu den Politikern gehört unter anderen FDP-Ständerat Rolf Büttiker, der im Verwaltungsrat des KKW Leibstadt sitzt. «Die Polizei hat mich heute Morgen umgehend informiert», bestätigt Büttiker eine Meldung von aargauerzeitung.ch. Er solle «Pakete und Briefe vorsichtig behandeln», sei er von der Polizei gewarnt worden. Personenschutz habe er aber nicht beantragt, sagt Büttiker, dessen Büro nur 200 Meter entfernt von der Swissnuclear liegt.

Bei den Poststellen an seinem Wohnort Wolfwil und in Olten, wo sein Büro liegt, würden Vorsichtsmassnahmen ergriffen, sagt Büttiker. Post-Sprecherin Nathalie Salamin bestätigte gegenüber 20 Minuten Online, dass sie mit der Kapo Solothurn in Kontakt stehe. «Es ist aber noch nicht sicher, dass die Briefbombe durch die Post zugestellt wurde.»

Ständiger Kontakt mit Werkschutz

Die Kantonspolizei Solothurn bestätigte, dass sie «alle möglichen gefährdeten Personen und Firmen» angegangen sei, sagt Mock auf Anfrage. Auch die Post sei informiert worden. Die Kantonspolizei Aargau wollte keine Angaben zu zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen machen, wie Sprecher Roland Pfister sagt. Die Polizei stehe aber ständig in engem Kontakt mit den Kernkraftwerken und deren Werkschutz. Im Kanton Aargau befinden sich die AKW von Leibstadt und Beznau.