Vor Rayonverbot

11. August 2013 10:23; Akt: 11.08.2013 11:05 Print

Bremgarter Stapi wollte «Asylanten zumauern»

«Wir stecken die Asylanten in ein Hallenbad und mauern es zu.» Mit diesem Spruch wollte der Stadtammann von Bremgarten an der diesjährigen Fasnacht offenbar für Erheiterung sorgen.

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Das aargauische Bremgarten ist wegen ihres Rayonverbots für Asylbewerber seit Tagen in den Schlagzeilen. Mitten drin: Der Bremgarter Stadtammann, Raymond Tellenbach. Nun sorgt ein publik gewordener Ausspruch des FDP-Politikers noch für zusätzliche Aufregung.

An der diesjährigen Fasnachtseröffnung soll Tellenbach gemäss der «Schweiz am Sonntag» einen Vers zum Besten gegeben haben, in dem er eine Lösung in der Asyl-Frage versprach: «Mir stecke die Asylante vo Bärn ids Hallebad ine und muureds dänn zue, dänn hämmer grad dopplet eusi Rueh.» Inzwischen bereut Tellenbach die Aussage. Es sei nicht seine Absicht gewesen, mit dem Vers jemanden zu verletzen. «Das war ein sehr unbedachter, dummer Spruch, für den ich mich entschuldigt habe», wird Tellenbach im Artikel zitiert.

Derweil gewinnt die Diskussion um das Rayonverbot an Schärfe. Erstmals meldet sich mit Abt Martin Werlen auch ein prominenter Kirchenvertreter zu Wort. In der «Schweiz am Sonntag» kritisiert dieser das Rayonverbot harsch: «Es gibt keinen Anlass dafür. Wenn jemand nur wegen seiner Herkunft und ohne, dass er irgendetwas verbrochen hätte, ausgeschlossen wird, geht das in Richtung Apartheid.» Ähnliche Vergleiche wurden bereits zuvor angestellt – unter anderem von der britischen Zeitung «The Independent».

Weiter schaltet sich auch die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) ein. Kommissionspräsidentin Martine Brunschwig Graf erklärt in der «SonntagsZeitung»: «Wir haben ein Papier in Arbeit, in dem überprüft wird, ob und inwieweit es in der Asylpolitik zu Diskriminierungs- und Rassismusproblemen kommt.» Unter anderem sollen Unterbringungsregelungen wie die im Fall Bremgarten geprüft werden. Zudem hat Brunschwig Graf auch die Politiker selber im Visier: «Wir beobachten vor allem auf lokaler Ebene, dass Politiker mit diskriminierenden Aussagen für eine rassistische Stimmung sorgen.» In einem internen Papier sollen rassistische Äusserungen von Volksvertretern aufgelistet worden sein. Ob der Fasnachtsvers von Bremgartens Stadtammann auch aufgeführt ist, ist unbekannt.

(jbu)