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29. März 2011 07:00; Akt: 29.03.2011 00:02 Print

Dreieinhalb Jahre Gefängnis für Unternehmer

von Attila Szenogrady - Im lukrativen Geschäft beim Vertrieb von Videospielen hat ein Aargauer Geschäftsführer eines deutschen Unternehmens eine eigene Firma in der Firma aufgebaut. Dafür soll er nun für dreieinhalb Jahre hinter Gitter.

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In seinem am Montag eröffneten Urteil hat das Bezirksgericht Zürich den heute 54-jährigen Angeklagten aus der Region Baden wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung, unlauteren Verkaufsmethoden, Verwertung fremder Leistungen und weiteren Nebendelikten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren sowie zu einer Busse von 2 500 Franken verurteilt. Damit ist das Gericht in weiten Teil der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl gefolgt. Demnach hatte der Beschuldigte mit einem dreisten Coup eine langjährige Geschäftsherrin widerrechtlich ausgebootet.

Lukrativer Vertrieb von Videospielen

Fest steht, dass der Angeklagte zwischen Ende 1998 und Sommer 2006 als Geschäftsführer einer Zürcher Tochterfirma des Konzerns Atari Deutschland GmbH tätig war. Das Hauptgeschäft des Unternehmens war der lukrative Vertrieb von Video- sowie Computerspielen in der ganzen Schweiz. Zu den wichtigsten Abnehmern gehörten Media Markt, Manor und Interdiscount.

Ende 2005 hielt der Aargauer zehn Prozent der Aktien der Firma und wollte seinen deutschen Auftraggebern die restlichen 90 Prozent abkaufen. Was Atari jedoch ablehnte.

Eigene Konkurrenzfirma gegründet

Laut Anklage verlegte sich der Geschäftsführer danach auf illegale Methoden. So nutzte er sein gesamtes Insiderwissen und stampfte innerhalb von wenigen Monaten eine eigene Konkurrenzfirma aus dem Boden. Wobei er dabei faktisch die Tochterfirma der Atari mit dem Grossteil der Angestellten und dem Kundenstamm übernahm. Der Angeklagte ging dabei raffiniert vor, da die neue Firma fast den gleichen Namen trug wie die alte.

Millionenschaden geltend gemacht

Die Geschädigten bemerkten den Coup zu spät. Sie erstatteten Strafanzeige und machten für die Jahre 2006 bis 2008 einen entgangenen Gewinn von rund dreieinhalb Millionen Franken geltend.

Am letzten Mittwoch stand der Angeklagte vor dem Bezirksgericht Zürich und verweigerte zu den meisten Vorwürfen die Aussage. Die zuständige Staatsanwältin sprach von einem schweren Verschulden, da der Angeklagte das Vertrauen der Opfer schamlos ausgenützt habe. Sein Antrieb sei Geldgier gewesen, plädierte sie und verlangte eine hohe Freiheitsstrafe von vier Jahren. Im Gegensatz zur Verteidigung, die Freisprüche von den eingeklagten Wirtschaftsdelikten verlangte und damit ein strafrechtlich belangendes Verhalten ihres Klienten verneinte.

Allerdings vergeblich, wie nun aus dem Urteil hervorging. Eine schriftliche Begründung liegt noch nicht vor. Der Angeklagte wurde aber verpflichtet, der Geschädigten eine Prozessentschädigung von über 32 000 Franken zu bezahlen. Zudem wurden ihm sämtliche Gerichtskosten von 10 000 Franken auferlegt.