In flagranti

18. Mai 2012 10:10; Akt: 18.05.2012 15:37 Print

Polizei erwischt Skimming-Betrüger

Die Kantonspolizei Aargau hat sich nach einem Hinweis auf die Lauer gelegt. Mit Erfolg: Zwei Skimming-Betrüger aus Bulgarien gingen den Beamten ins Netz.

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In Basel haben Betrüger den falschen Kartenleser gleich in den Automaten eingebaut. Von aussen ist nichts zu sehen.... ...doch unter der Verdeckung klafft ein mit einem unbekannten Gerät herausgebranntes Loch. Hier haben die Betrüger das falsche Kartenlesegerät eingesetzt und... ...dann die Öffnung mit einem Kleber verschlossen. Doch auch mit anderen Tricks können Bankomat-Betrüger ihre Opfer um Tausende von Franken erleichtern. Besonders perfid: Eine direkt im Sichtschutz des Bankomaten versteckte Kamera zeichnet die Eingabe des Pin-Codes auf. Den Miniatur-Kameras reicht ein stecknadelgrosses Loch zum Ausspähen der Geheimnummer. Der neuste Trick ist «Cash Trapping»: Im Dezember 2011 warnt Hersteller Wincor Nixdorf vor der Masche, dass dem Kunden ein defekter Bankomat vorgegaukelt wird. Um Kreditkarten-Daten oder Bargeld zu ergaunern, manipulieren «Skimmer», wie die Diebe im Fachjargon heissen, die Bankautomaten mit raffinierten Mitteln. In diesem Fall wurde die Originaltastatur (rechts oben) mit einem Aufsatz versehen (links). Im Beispiel unten wurde gleich die ganze Frontplatte ersetzt. Hier hat sich jemand ganz viel Mühe gegeben: In eine gefälschte Frontplatte wurde sogar Elektronik für eine Statusanzeige und den Kreditkartenleser eingebaut, inklusive Akkupack. Hier sollte aber schon der Laie misstrauisch werden: Stümperhafte und lose Kartenaufsätze, die in niedersächsischen Bankautomaten entdeckt wurden. Manchmal muss man aber tatsächlich zweimal hinsehen, bis man die immer professioneller angefertigten Kreditkarten-Fänger entdeckt. Auch hier wurde eine nahezu perfekte Installation gebaut, um später Kreditkarten zu klonen. Hier installierten findige Pin-Diebe eine Miniatur-Kamera, die in einem Prospekthalter untergebracht ist und alle Tastatureingaben mitfilmt. Klar werden hier alle Kreditkarten akzeptiert: Hinter der Abdeckung filmt eine Spion-Kamera das Tastaturfeld. Das Abwehrsystem von Synfis erkennt 30 Arten von Manipulationen und stört das Magnetfeld von Skimming-Modulen. Das hat seinen Preis: Pro Automat kostet die Gegenmassnahme etwa 1500 Franken.

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Zwei Skimming-Betrüger sind am Donnerstag in Schinznach Bad AG auf einer Tankstelle auf frischer Tat ertappt worden. Die beiden Männer wurden geschnappt, als sie das Zusatzgerät bei einem Tankautomaten entfernen wollten.

Der verdächtige Aufsatz über dem Schlitz des Kartenlesegeräts war einer Kundin aufgefallen, wie die Aargauer Kantonspolizei am Freitag mitteilte. Die Frau alarmierte die Polizei, welche die Tankstelle darauf verdeckt überwachte.

Eine Stunde später gingen der Patrouille die Betrüger ins Netz. Es handelt sich um zwei Bulgaren im Alter von 19 und 30 Jahren ohne festen Wohnsitz in der Schweiz.

Beim «Skimming» werden Daten von Kredit- und Bankkarten über einen kaum erkennbaren Aufsatz aufgenommen und die PIN-Nummer ausgespäht. Dies erlaubt es den Betrügern, eine Kopie der jeweiligen Karte anzufertigen und im Ausland an Bankomaten Geld zu beziehen.

(sda)