Gegen Gotteshaus

11. November 2011 15:51; Akt: 11.11.2011 16:44 Print

Schwein auf Moschee-Gelände vergraben

In der Nacht auf Freitag haben Unbekannte in Grenchen auf dem Bauland einer Moschee ein totes Schwein und vier Schweineköpfe vergraben. Damit wollen sie den geplanten Bau verhindern.

Hier will die Albanisch-islamische Glaubensgemeinschaft eine Moschee bauen: Stadtplan von Grenchen.

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Das Ziel der Unbekannten ist klar: Die geplante Moschee an der Maienstrasse in Grenchen soll nicht gebaut werden. «Wir möchten Ihnen mitteilen, dass auf dem Land in Grenchen, wo eine Moschee gebaut werden soll, ein totes Schwein und vier Schweineköpfe vergraben wurden», heisst es in einem anonymen Brief, der «Radio 32» zugeschickt wurde. Weiter sollen gemäss dem Brief 120 Liter Schweineblut «mit Giesskannen auf dem Land» verteilt worden sein.

Im Brief – welcher mit dem Bild eines Schweines verziert ist – schreiben die offensichtlichen Moschee-Gegner: «Wer auf einem entweihten Boden eine Moschee baut, kann es mit seinem eigenen Glauben nicht wirklich ernst meinen.» Es werde sich zeigen mit welcher Standhaftigkeit die albanisch-islamische Glaubensgemeinschaft ihren Glauben vertrete, heisst es weiter.

Wie das «Grenchner Tagblatt» berichtet, sind am Freitagmorgen Angehörige der Stadtpolizei Grenchen sowie der Kantonspolizei Solothurn ausgerückt und haben das Grundstück an der Maienstrasse abgesperrt. «Auf dem Gelände seien Teile von toten Tieren zu sehen», berichtet der «AZ»-Reporter vom Bauland.

Um Moschee tobt seit längerem Streit

Das Bauland für die Moschee verkaufte SVP-Gemeinderat Ivo von Büren der albanisch-islamischen Glaubensgemeinschaft (AIG). Von Büren fühlt sich allerdings hintergangen: Die Käufer hätten ihm zunächst gesagt, sie wollten eine Einstellhalle bauen, so von Büren. «Ich hätte das Land nie verkauft, wenn ich gewusst hätte, dass dort eine Moschee gebaut werden soll», sagte von Büren damals der «AZ».

Der SVP-Gemeinderat hatte in der Folge die albanisch-islamische Glaubensgemeinschaft vor Gericht gezerrt und ihnen vorsätzliche Täuschung vorgeworfen. Er konnte allerdings die «vorsätzliche Täuschung und Willensmängel» nicht belegen, weshalb das Gericht im August gegen ihn entschied. Inzwischen ist das Urteil rechtskräftig, Von Büren hat darauf verzichtet, das Urteil ans Obergericht weiterzuziehen. Das Baugesuch für die Moschee ist bewilligt, weshalb dem Bau des albanisch-islamischen Glaubenszentrums nichts im Wege steht. Ob die Schweine und ihre Köpfe nun den Bau verzögern oder gar verunmöglichen, ist unklar.

Basri Veseli, Sprecher der Albanisch-islamischen Glaubensgeheminschaft (AIG), sagte dem «Grenchner Tagblatt», erst müssten jetzt die «Gelehrten, die sich mit den islamischen Gesetzen besser auskennen» beurteilen, ob der Vorfall für den Bau des Gotteshauses Schwierigkeiten bereiten könnte.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei bestätigte den anonymen Brief. Wie es in einer Medienmitteilung heisst, fanden die Beamten ein ganzes Schwein und vier Schweineköpfe vergraben. Die Behörden haben eine Untersuchung eingeleitet. Die Polizei bittet Personen, denen im Bereich des betroffenen Grundstückes Personen oder Fahrzeuge aufgefallen sind, oder Angaben zur Identität der Täterschaft machen können, sich mit der Kantonspolizei Solothurn in Grenchen in Verbindung zu setzen: Tel. 032 654 39 69.

(amc)