Neue Software

21. Juni 2011 23:35; Akt: 21.06.2011 23:42 Print

Sie soll künftige Straftäter früh entlarven

Im Aargau soll eine neue Software helfen, potentielle spätere Intensivtäter möglichst früh zu erkennen. Das Programm schlägt auch gleich Strafen oder Therapien vor.

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«Rund vier bis sechs Prozent eines Jahrgangs sind für 40 bis 60 Prozent der Straftaten eines Jahrgangs verantwortlich», so Hans Melliger, Leiter der Jugendanwaltschaft Aargau. Diese Intensivtäter wollen die Behörden jetzt früher erkennen – mit einer neuen Software, die an der Uni Freiburg entwickelt wird.

Die Idee: Fährt ein Jugendlicher zum Beispiel betrunken Töffli und wird er dazu noch wegen Cannabis-Missbrauchs verzeigt, kann ihn die Jugendanwaltschaft vorladen. Dort wird er im Beisein eines Sozialarbeiters über schulische und familiäre Situation, Alkoholkonsum, Ängste, Schlägereien oder Wutanfälle ausgefragt. Mit den Antworten wird ein Computer gefüttert.

Die Diagnose-Software schätzt dann ab, wie gross die kriminelle Energie des Jugendlichen ist – denn oft beginnt eine kriminelle Karriere mit kleineren Delikten. Zudem schlägt das Programm die besten Gegenmassnahmen vor. «Dies kann nur eine Busse sein oder gleich eine stationäre Massnahme in einem Heim», so Melliger.

Er rechnet damit, dass jährlich rund 150 Jugendliche auf diese Art gescreent werden. Gemäss ETH-Soziologie-Professor Denis Ribeaud kann eine solche Software nützlich sein. Ein Problem sieht der Gewaltforscher allerdings: «Es ist sehr fraglich, ob die Jugendlichen den Test auch wirklich ehrlich ausfüllen.»