Enkeltrickbetrüger mit Mitleidsmasche

21. Juni 2011 08:00; Akt: 20.06.2011 19:11 Print

Teppichhändler aus Wettingen verurteilt

von Attila Szenogrady - Mit erfundenen Geschichten hat ein Aargauer Enkeltrickbetrüger einen Senior und ein betagtes Ehepaar um rund 100 000 Franken betrogen.

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Der heute 43-jährige Angeklagte habe gezielt ältere Menschen ausgenommen, erklärte der Gerichtsvorsitzende Philippe Ernst anlässlich der gestern erfolgten Urteilseröffnung. Der Beschuldigte arbeitete über mehrere Jahre hinweg als Teppichhändler, bis er sich Ende 2006 den berüchtigten Enkeltrickbetrügern anschloss. Diese führen jeweils ältere Menschen hinters Licht und erleichtern sie um grosse Geldbeträge.

Erfolgreiche Mitleidsmasche

Der Angeklagte suchte sich im Frühling 2007 zuerst einen 77-jährigen Zürcher als Opfer aus. So baute er zunächst ein Vertrauensverhältnis zu ihm auf. Bis er eines Tages den Senior um einen grossen Geldbetrag bat und erklärte, dass sein Vater und sein Grossvater im Iran in einem Gefängnis inhaftiert seien. Mit einem Lösegeld könnte man seine Verwandten freikaufen, erzählte er. Die Geschichte schien glaubhaft. Besonders da der Beschuldigte als ein Angehöriger der Volksgruppe der Roma mit seinem orientalisch geprägten Aussehen überzeugte. Die Mitleidsmasche war erfolgreich. Fest steht, dass der Geschädigte dem Beschuldigten in mehreren Tranchen insgesamt 70 000 Franken übergab. Worauf der Angeklagte untertauchte und neue Opfer aussuchte.

Auch ein betagtes Ehepaar betrogen

Als nächste nahm der Betrüger ein betagtes Ehepaar aus Birrhard aus. Diesmal führte er seine angeblich schwangere Tochter als in Teheran inhaftierte Person an. Die Eheleute glaubten die schreckliche Geschichte und überwiesen dem Täter über 25 000 Franken.
Fest steht, dass der Angeklagte einen Grossteil seiner Beute für einen Hausbau in Wettingen verwendete.
Im August 2009 war es aber vorbei. Ein Versuch, den ersten Geschädigten um weitere 45 000 Franken zu prellen, misslang gründlich. So fiel den Angestellten einer UBS-Filiale auf, dass etwas mit dem von einer Roma –Frau bedrängten Rentner nicht stimmen konnte. Sie verständigten die Polizei, welche den Aargauer und seine Komplizin festnahm. Er verbrachte danach 50 Tage in Untersuchungshaft und legte ein Geständnis ab.

Reue und Einsicht

Vor Gericht hinterliess der Angeschuldigte einen verhältnismässig guten Eindruck. So zeigte er nicht nur Reue und Einsicht, sondern entschuldigte sich auch bei seinen Opfern. Hinzu kam, dass er seit der Tat regelmässig Geldbeträge zurückzahlt. So soll er bereits 14 000 Franken als Wiedergutmachung überwiesen haben. Weniger leuchtete sein Tatmotiv aus angeblich finanzieller Not ein. Wer in Wettingen für rund 900 000 Franken ein Haus baue, befinde sich wohl kaum in einer Notlage, sagte der Gerichtsvorsitzende dazu.
Der Staatsanwalt verlangte eine bedingte Freiheitsstrafe von 24
Monaten. Der Verteidiger Sylvain Dreifuss setzte sich für zwölf Monate bedingt ein. Das Gericht setzte zum Schluss 20 Monate bedingt fest und hielt dem Angeschuldigten seine Rückzahlungen zugute. Was bei Wirtschaftsdelikten eher selten vorkomme, sagte der Vorsitzende.

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