Mordfall Boi

09. Juli 2010 17:52; Akt: 09.07.2010 17:52 Print

Wurden die Ermittlungen behindert?

von Annette Hirschberg - Wegen Handydaten gerät der Schwyzer Kantonsgerichtspräsident erneut in die Kritik. Die Behörden reagieren ausweichend. Die Politiker sind besorgt.

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Der Fall der im August 2009 verschwundenen 17-jährigen Boi Ngoc Nguyen, deren Knochen Anfang Juni im Wald bei Sessa TI aufgefunden wurden, zeigt erschreckende Parallelen zum Fall Lucie Trezzini auf. Auch bei Boi waren vom Schwyzer Verhörrichteramt die Handydaten eingefordert und wie schon bei Lucie Trezzini durch bürokratische Hürden blockiert worden.

Statt eines 6-monatigen Protokolls der Handydaten des Verdächtigen Kris V. hatte Kantonalgerichtspräsident Ziegler nur die Herausgabe der Daten vom 7. August erlaubt, dem Tag, an dem Boi verschwand. Nun stellt sich die Frage: Hätte Boi früher gefunden und die Ermittlungen schneller vorangetrieben werden können, wenn die gesamten Handy-Daten von Kris V. damals freigegeben worden wären?

Handy-Protokolle sind Nebenschauplatz

Beim Verhörrichteramt in Schwyz will man sich zu dem Fall nicht äussern. «Die Untersuchungshoheit liegt jetzt beim Kanton Aargau», sagt Georg Boller, Leiter des Verhörrichteramtes Schwyz. Auch bei der Aargauer Jugendanwaltschaft hält man sich bedeckt. «Die Ermittlungen sind komplex und wir wollen sie nicht durch Aussagen behindern», sagt der geschäftsführende Jugendanwalt Hans Melliger. Aus Sicht der Jugendanwaltschaft seien die Handydaten von Kris V. aber eher «ein Nebenschauplatz».

Mangelnde Zusammenarbeit zwischen Verhöramt und Kantonsgericht

Dennoch irritiert das möglicherweise behindernde Vorgehen der Schwyzer Justiz Politiker. So beanstandet der Fraktionschef der Schwyzer SVP, René Bünter, dass wegen fadenscheiniger Gründe die Zusammenarbeit zwischen Verhöramt und Kantonsgericht nicht funktioniere. «Bei so einem wichtigen und sensiblen Fall sollten die Untersuchungsbehörden nicht behindert werden», findet er. Ob er eine Untersuchung des Falls beantragt, will er aber erst entscheiden, wenn er mehr Fakten kennt.

Auch SP-Nationalrat Andy Tschümperlin ärgert sich über das erneute Blockieren von Daten. «Hier geht es um Leben oder Tod, da sollte der Datenschutz hinter die Bedürfnisse der ermittelnden Behörden gestellt werden», sagt Tschümperlin. Er hofft nun, dass der Schwyzer Kantonsrat die Sache untersucht.