Welt in Aufruhr – Teil 2

26. August 2014 17:40; Akt: 27.08.2014 15:02 Print

«Über Gott reden, nicht über Demokratie»

von Désirée Pomper - Es sei höchste Zeit, dass Europa endlich über Religionskonflikte spreche anstatt nur über Demokratie und Menschenrechte, sagt der Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser.

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Herr Ganser*, mit dem Aufkommen radikaler islamistischer Terrorgruppen wie der IS, Boko Haram oder Al-Shabab, die Jagd auf religiöse Minderheiten machen, ist der Religionskonflikt wieder entflammt. In Europa aber, so scheint es, wird das Thema Religion tabuisiert.
Genau. Wir stellen die Frage nach Gott nicht. Wir reden lieber über Demokratie und Freiheit. Dschihadisten aber wollen über Gott sprechen! Das Problem ist, dass wir von unserer historischen Entwicklung her an einem anderen Punkt sind. Wir haben den Religionskrieg hinter uns. Darüber sind wir hinweg. Religionskriege sind in der Schweiz kein Thema mehr. Aber wir müssen uns dieser Diskussion dringend wieder stellen.

Umfrage
Haben Sie das Gefühl, dass die Spannung zwischen Christen, Muslimen und Juden wächst?
89 %
8 %
3 %
Insgesamt 8619 Teilnehmer

Wie spricht man mit einem Gotteskrieger?
Das ist in der Tat sehr schwierig. Mit Reden über Demokratie und Menschenrechte kommt man da nicht weit. Islamistische Fundamentalisten halten nichts von unserer Multikulti-Gesellschaft und glauben, dass wir uns damit selber zerstören. In Afghanistan warten die Extremisten nur darauf, dass die Westler verschwinden. Sie wollen keine Christen oder Atheisten im Land. Zwischen den Clans gilt die Blutrache. Ehre ist ihnen wichtiger als Stabilität und wirtschaftlicher Fortschritt. Auf keinen Fall ist es möglich, Afghanistan oder den Irak in ein Multikulti-Land zu verwandeln. Der Westen darf diese Länder nicht bombardieren. Das verursacht nur noch mehr Leid. Demokratischer Fortschritt kann nicht durch Gewaltinterventionen erzwungen werden.

Islamistische Terrorgruppen gehen unglaublich brutal gegen religiöse Minderheiten vor. Wie ist diese Aggressivität zu erklären?
Gotteskrieger zu sein scheint vielen mittellosen Jungen ohne Arbeit und Perspektiven attraktiv.

Solche Jugendliche gibt es auch in Südamerika oder Asien …
Ja, aber es sind nicht nur Jugendliche. Gewalttätige junge Männer zwischen 15 und 35 gibt es überall auf der Welt, in allen Religionsgruppen. Sie greifen für Gott, Geld, Ehre oder Ruhm schnell zu den Waffen.

Warum ziehen Secondos aus dem Westen, denen es wirtschaftlich gut geht, in den Dschihad?
Auch ihnen scheint die Identität als Gotteskrieger interessanter. Sie geniessen unter ihresgleichen einen höheren Status wenn sie mit dem Panzer als Gotteskrieger durch den Irak fahren, als wenn sie in der Migros als Verkäufer arbeiten.

Als vor einigen Jahren Mohammed-Karikaturen veröffentlicht wurden, protestierten hunderttausende Muslime weltweit dagegen. Jetzt aber, wo radikale Islamisten im Namen Allahs Gräueltaten verüben, gibt es keine Strassenproteste von Muslimen, um diese Taten zu verurteilen. Warum nicht?
Ich weiss es nicht. Vielleicht steht ja mal einer auf und sagt, dass dieser gewaltvolle Weg der Falsche ist, das wäre mutig.

Der Religionskonflikt ist nicht nur zwischen Christen und Muslimen entflammt. In Europa nehmen antisemitische Übergriffe zu. Letzthin hörte ich im Coop, wie eine Gruppe junger Secondos lauthals die Vergasung aller Juden forderte. Antisemitismus scheint aufgrund des neu entflammten Israel-Palästina-Konflikts salonfähig geworden zu sein – auch unter Schweizern. Wohin führt das noch?
Doch, Hass ist gefährlich. Aber es ist auch falsch, wenn Israel in Gaza Schulkinder tötet. Es ist falsch, wenn die Hamas Bomben nach Israel schickt. Wir stecken leider in der Gewaltspirale. Aber man kann trotzdem nicht alle Juden und Muslime in die Täterrolle stecken. Wir müssen aufpassen, dass in unseren Köpfen nicht ein Religionskrieg entsteht und Antisemitismus, Anti-Islamismus oder eine Bewegung gegen Christen unsere Gesellschaft spaltet. Deshalb ist es wichtig, dass wir über Gott reden. Denn am Ende wollen wir doch alle das Gleiche: Ein schönes Leben, Arbeit und Liebe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Con Dias am 26.08.2014 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    Religion ist des Teufels

    Diese Leute wollen nicht über Gott sprechen, sie wollen Ihre Religion verbreiten und andere vernichten. Gott hat nichts mit Religion zu tun! Um an Gott zu glauben braucht es keine Religion. Religion dient nur dazu unter dem Vorwand von "Gottes Willen" Menschen ihrer Freiheit zu berauben oder zu vernichten. Glaubt an Gott, nicht an Religion!

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  • Atheist am 26.08.2014 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Über Religion reden?

    Uns interessiert Religion nicht oder hat mal einer von euch den Religionsunterricht an der Schule verfolgt? Praktisch keinen interessiert es. Wir sind eben nicht mehr so blöd und lassen uns vom Papst oder einem Priester sagen, was richtig oder falsch ist, sondern benutzen unseren eigenen Verstand. Aber es gibt einfach gewisse Leute, die den Sprung in die Moderne nicht vollzogen haben. Bedauerlich!

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  • Hallo am 26.08.2014 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kaum zu glauben!

    Warum können die ISIS die Christen nicht in ruhe lassen! Mein Gott die Christen zwingen die Moslems auch nicht den Glauben zu wechseln also verstehe ich das Problem von denen nicht!!!!! Soll jeder glauben was er willl niemand muss gezwungen werden an etwas glauben obwohl er nicht will!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • clorindo am 27.08.2014 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    Gott hat die Welt im Grff

    In der Bibel der geschichtliche Ablauf der Welt der schon aus Daniel ersichtlich auch aus anderen prophetischen Bücher wie Jeremia, Esra und der Offenbarung, das bis zum jetzigen Zeitpunkt genau erfüllt hat. Was uns in Zukunft erwartet kann man auch heraus lesen was nichts gutes zu erwarten ist die Hauptschuld trägt das Papsttum (das Weib) und der Protestantismus ( der falsche Prophet) Wie sagt man es so schön der Mensch denkt und Gott lenkt.

  • Roland Kämpe am 27.08.2014 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wiederholung der Geschichte

    Gottseidank muss ich die Entscheidung nicht treffen, ich hätte längst einen Kreuzzug gegen die IS zum Schutz der vor ihr flüchtenden Christen ins Leben gerufen. Schon die damaligen Kreuzzüge waren eine Antwort auf eine islamische Invasion und der damit verbundenen Unterdrückung von Christen, und es ist bedauerlich, dass der Islam in einem Jahrtausend kein bisschen Fortschritt gemacht hat.

  • Da Blue am 27.08.2014 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    wo 200 Stellen zum Massenmord?

    @John Sie behaupten, dass es im Koran an über 200 Stellen durch Allah der Massenmord an Andersgläubigen genannt wird, geben Sie uns doch bitte einige Beispiele (Sure etc.) damit wir selber nachschauen können.

  • Tommy Tommy am 27.08.2014 00:00 Report Diesen Beitrag melden

    Religion ohne Gewalt

    Ich kann die die ganze Aufregung nicht so ganz verstehen. Sicherlich gefällt mir die brutale Vorgehensweise der ISIS nicht und ich bin kein Freund von Gewalt und Unterdrückung. Aber ein ähnliches Thema hatten wir schon vor Jahrhunderten in Europa, wo die römisch katholische Kirche sogenannte "Nichtgläubige" bzw. anderst Gläubige gejagt hat. Das ging bis in den Orient, man erinnere sich an die Kreuzzüge. Die Kirche hatte damals die Kaiser ernannt, hatte also den absoluten Einfluss auf das Geschehen. Krieg ist keine Lösung, war bisher ja auch nicht. Im Gegenteil.

  • müller tschoban am 26.08.2014 23:58 Report Diesen Beitrag melden

    Fragen

    Sowohl in der Bibel wie auch im Koran kommt Mord vor. Mord passiert auch heute noch. Der einzige Unterschied ist Mord in der Bibel geht immer um eine dozumalige Situation. Es gibt keine Stelle die sagt, dass wir heute den Auftrag haben zu morden....nein wir haben sogar den Auftrag unsere Feinde zu lieben. Im Koran hingegen steht klar geschrieben, von Mohammed aufgetragen, dass alle Ungläubigen getötet werden sollen, bekehrt oder Schutzgeld verlangt werden. Und ich habe mehrmals Muslime gefragt warum...die Antwort war immer sag uns die Stelle. Als sie es sahen sagen sie nichts mehr...