Bekannter des Terroristen

26. März 2014 14:48; Akt: 26.03.2014 17:57 Print

«Çendrim wurde aus der Schweiz abgeschoben»

Der in der Türkei verhaftete Dschihadist wurde offenbar nach einer Haftstrafe aus der Schweiz gewiesen. Vor rund sechs Monaten ist er in Mazedonien untergetaucht.

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Çendrim R. soll bei einem Angriff auf eine Strassensperre in der Türkei drei Menschen erschossen haben. (Bild: Screenshot Hürriyet.com)

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Islamist Çendrim R. sitzt seit vergangenem Freitag in der Türkei in Haft. Laut Anklage hat er zusammen mit einem Deutschen und einem Mazedonier bei einem dschihadistisch motivierten Attentat in Südanatolien drei Menschen erschossen. Unter den Todesopfern waren ein Soldat sowie ein Polizist.

Erste Meldungen türkischer Medien, gemäss denen der 23-Jährige den Schweizer Pass besitzt, sind falsch. R. ist zwar laut Aussagen von Bekannten im Aargau aufgewachsen, wurde aber nie eingebürgert. Auch in der Schweiz soll R. bereits straffällig geworden sein. Fast drei Jahre sei er in der JVA Lenzburg inhaftiert gewesen, berichtet ein Bekannter. Beim damaligen Delikt habe es sich um einen bewaffneten Überfall gehandelt.

R. habe früher nie vom heiligen Krieg gesprochen

Nach der Haft kam die Abschiebung. R. musste nach Mazedonien ausreisen, seine Familie blieb in der Schweiz zurück. Seit rund sechs Monaten ist der junge Mann offenbar verschollen – der Kontakt zu Bekannten und Familie brach ab. Ob R. im Schweizer Gefängnis oder erst in Mazedonien radikalisiert wurde, ist bislang unklar. In seinem Umfeld geht man von Letzterem aus. R. habe nie vom heiligen Krieg gesprochen und mit den damals kurzen Haaren optisch nicht ins Bild eines islamistischen Extremisten gepasst. Ein ehemaliger Mitschüler ist aber nicht erstaunt über die jüngsten Entwicklungen: «Çendrim war als Jugendlicher bekannt für sein aggressives Verhalten», sagt er.

Ein kürzlich erschienener Artikel auf Albinfo.ch stützt die Theorie, dass die Radikalisierung erst nach der Wegweisung stattfand. Das Portal für Albaner in der Schweiz hat Informationen zur dschihadistischen Indoktrination von Albanern für den syrischen Bürgerkrieg veröffentlicht. Demnach könnten sich bis zu 800 albanische Freiwillige aus Albanien, Mazedonien und dem Kosovo der Freien Syrischen Armee angeschlossen haben. Nach militärischen Trainings in der Türkei werden die Freiwilligen an die Orte des Kampfeinsatzes geschickt.

Weitere Personen in Istanbul verhaftet

Auch R. und die beiden anderen Täter kämpften laut Medienberichten im syrischen Bürgerkrieg, bevor sie vergangenen Donnerstag in der türkischen Provinz Nigde den Anschlag verübten. Alle drei Attentäter sind seit Freitag in Haft. Am Dienstag wurden in Istanbul weitere drei Personen im Zusammenhang mit dem Attentat verhaftet, wie die Nachrichtenagentur Anadolu Agency meldete.

(nj)