Wehrpflicht-Ersatz

18. Oktober 2016 13:24; Akt: 18.10.2016 14:31 Print

«1000 Franken – das ist ein Monatslohn für mich»

Wer weder Militär- noch Zivildienst leistet, soll künftig mehr zahlen. Betroffene machen ihrem Ärger Luft.

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«Unverschämtheit», «Wucher», «Schweinerei»: Nachdem Pläne publik wurden, wonach die Ersatzabgabe für Untaugliche erhöht werden soll, gehen die Emotionen hoch. Der entsprechende Artikel wurde rund tausend Mal kommentiert, zahlreiche Betroffene haben sich auf der Redaktion gemeldet.

Umfrage
Sollen Dienstuntaugliche mehr Pflichtersatz zahlen müssen?
29 %
14 %
39 %
18 %
Insgesamt 28766 Teilnehmer

So etwa Leser Jan Baumann (27), der am ersten Tag der Aushebung wieder nach Hause geschickt wurde. Befund: Wegen eines Geburtsgebrechens sei er doppelt untauglich (UT) – also weder fürs Militär noch für den Zivilschutz geeignet. «Seither muss ich neben Steuern und Prämien jährlich auch noch Tausende Franken an Wehrpflichtersatzzahlungen leisten», kritisiert er. 2500 Franken überweise er jährlich, obwohl er eigentlich gern ins Militär gegangen wäre. «Das ist happig. Für mich ist es schlicht unverständlich, dass Kranke auf diese Weise bestraft werden.»

«Würde mein Budget sprengen»

Student Simon L.* wurde nach einer Operation für untauglich befunden, er zahlt die Minimalabgabe von 400 Franken jährlich. «Eine Erhöhung auf tausend Franken würde mein Budget definitiv sprengen», sagt er. «Das ist für mich ein Monatslohn, den ich ohne Gegenleistung überweisen müsste.» In einem solchen Fall bliebe ihm nur eines: Das Arbeitspensum zu erhöhen und die Studienzeit entsprechend zu verlängern.

Dieses Szenario drohte auch den Söhnen von Béatrice M.*. Sie sprang deshalb für die Studenten in die Bresche: «Ich zahle für beide zusammen jährlich 800 Franken an Ersatzabgaben», so die 57-Jährige. Einer ihrer Söhne habe Probleme mit den Füssen, der andere leide unter anderem unter Asthma. Die «Strafzahlungen» ärgerten sie besonders, weil sie selber freiwillig Militärdienst geleistet habe, sagt sie. «Die Armee hatte in unserer Familie stets einen hohen Stellenwert – nun aber fühle ich mich abgezockt.» Wenn überhaupt, dann müssten Frauen genauso zur Kasse gebeten werden wie Männer, fordert sie.

«Lieber chillen als dem Vaterland dienen»

Auch in einer Kurzumfrage von 20 Minuten mit über 20'000 Teilnehmern fragen sich 18 Prozent, warum Frauen nichts zahlen müssen. Rund die Hälfte der Teilnehmer ist gegen eine Erhöhung der Beiträge – ein Drittel findet den Vorschlag richtig.

Zu Letzteren zählt auch Leser Ivo Duttweiler (22). «Ich bin bei der Aushebung ziemlich auf die Welt gekommen, weil viele Leute geradeheraus gesagt haben: Ich mache das hier sowieso nicht», erzählt er. Sie hätten sich problemlos davonstehlen können, indem sie etwa einen angeblichen Drogenkonsum vorgeschoben hätten. «Die Ersatzzahlungen nehmen diese Leute mit einem Schulterzucken hin: Das sei ja eh nicht viel Geld.»

Eine Erhöhung der Abgabe ist für den Unteroffizier deshalb dringend angezeigt. «Wenn Junge lieber zu Hause chillen als dem Vaterland zu dienen, darf sie das nicht billig zu stehen kommen.» Zwar sei es unschön, wenn auch Personen mit ernsthaften Erkrankungen die Abgabe zahlen müssten. «Sie können sich bei all denen bedanken, die falsche Tatsachen vorgaukeln und so zu ihrem UT-Stempel kommen.» Er vertraue darauf, dass die Politik diese Personen, falls nötig, schütze.

*Name von der Redaktion geändert

(jbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dimitri am 16.10.2016 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Völlig ungerecht

    Wieso betrifft das nur die Männer? Müsste in einer Gesellschaft, welche eine Gleichberechtigung anstrebt nicht gleich lange Spiesse für Mann und Frau gelten?

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  • Lernender am 16.10.2016 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geburtsgebrechen

    Was kann jemand mit einem Geburtsgebrechen dafür, das er als untauglich eingestuft wird? Und dann noch mehr zahlen, nein danke.

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  • D.U. am 16.10.2016 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die Logik?

    Ich frage mich, warum man, wenn man UT ist, dafür auch noch bezahlen muss! Ich war selber UT, war aber nicht mein Verschulden (diverse Allergien, teilweise sehr schlimm). Mir konnte bisher niemand erklären, warum ich bezahlen muss, wenn ich kein Militär machen kann/darf! Wenn ich nicht will, ist es ja was anderes! Aber so ist es ja eine doppelte Bestrafung. Die Krankheit und die Abgabe.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • K.Z am 24.10.2016 01:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzockerei

    Jemand der am Existenz minimum lebt kann das nicht zahlen. Da her schlage ich vor das man zuerst dem eigenem volk hilft bevor mann geld spendet ins Ausland. Ich wollte ins militär gehen und wurde als ut gestempelt weill ich 1 punkt nicht ereicht hatte an der aushebung ist ja toll das es noch den zivilschutz gibt aber auch dann zahlt mann um die 200-400.- franken.

  • Pumuckel am 18.10.2016 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mwhr direktzahlungen

    Ich frage mal beim Bund nach ob er mir noch mehr Direktzahlungen sendet das ich die WK kann verschieben oder der angestellter für 3 Wochen bezahlen. 100.- in der Landwirtschaft und die vielen rechnungen jedem monat vergisst es.

  • M/21 am 18.10.2016 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anderes Denken

    Könnte ruhig noch mehr sein für welche die zu bequem oder gegen das Militär sind. Welche die wirklich wegen Gesunheitlichen Problemen UT sind sollte man es so lassen wie es ist.

  • Jnpw am 18.10.2016 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon damals

    Ich bezahlte schon Mitte 90, nach absolvierter Inf-RS, zwei WKs und einigen Tagen an Zivilschutz im Jahr immer noch über 400.-.

  • cedii am 18.10.2016 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fulisäck

    mehr als die hälfte sind (wären) tauglich fürs militär ! Sind nur zu FAUL die müssten zahlen !! nicht dienigen die militärdienst machen wollten aber wegen gesundheitlichen gründen nicht können!!