Alleinherrscherin SVP

20. Februar 2011 13:00; Akt: 20.02.2011 14:55 Print

«50 Prozent sind nicht realistisch»

Die SVP wird weiter wachsen prognostiziert Polit-Geograf Michael Hermann. Es sei aber ein Wachstum in kleinen Schritten. Dabei nützen der Partei Wahlkämpfe voller Emotionen.

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20 Minuten Online: Die SVP soll gemäss einem Konzept von Ulrich Schlüer mehr als 50 Prozent Wähleranteil erreichen. Ist das machbar?
Michael Hermann: Grosse Ziele setzen kann man sich immer, aber es ist überhaupt nicht realistisch. Die SVP wächst vermutlich auch bei diesen Wahlen, aber nichts deutet auf einen grossen Sprung hin.

Und in den nächsten Jahren?
Seit 1999 beträgt das Wachstum der SVP jeweils nur wenige Prozentpunkte alle vier Jahre. Selbst wenn sie im selben Stil weiter wächst, würde es 40 Jahre dauern, um so einen Wähleranteil zu erreichen. Auch wenn die Erfolgsgeschichte der SVP noch lange anhält sind 50 Prozent nicht realistisch.

Bei den Initiativen hat die SVP schon mehrfach über 50 Prozent der Stimmenden für ihre Anliegen gewinnen können.
In Ausländerfragen kann die SVP tatsächlich eine Mehrheit des Stimmvolkes hinter sich bündeln. In anderen Fragen wie etwa der EU- oder Sozialpolitik ist das nicht so. Bei der letzten Abstimmung zu den bilateralen Verträgen etwa, stimmten über 60 Prozent gegen die Stimmvorgaben der SVP. Ausserdem wollen nicht alle, die die Ausländerpolitik der SVP unterstützen, einer einzigen Partei die gesamte Macht in die Hand geben.

Und doch ist der SVP-Boom ungebrochen.
Die SVP ist die Partei, die unter den Gelegenheitswählern am meisten Sympathisanten hat. Provokationen wie diese wecken Emotionen, mobilisieren Gelegenheitswähler und das hilft der Partei.

Sogar die Kommentare von SVP-Wählern zum 50-Prozent-Konzept sind mehrheitlich negativ.
Gerade in der Schweiz herrscht eine tiefe Skepsis gegen eine allzu grosse Machtkonzentration. Ausserdem sind sich viele bewusst, dass auch die SVP auf Partner angewiesen ist, wenn sie wirklich etwas bewegen will.

Könnte diese Allmacht-Fantasie von Ulrich Schlüer auch negative Auswirkungen auf die Popularität der SVP haben?
Nicht bei den Fans der Partei. Strategisch ist es aber nicht unbedingt geschickt, die Latte so hoch zu legen. Legt die Partei nachher nur wenig zu, steht sie schlecht da. Darum hat sich die Partei schon lange vom 40 Prozent-Konzept verabschiedet und fokussiert auf 30 Prozent Wähleranteil.

Ist das aus Ihrer Sicht realistisch?
An den letzten Wahlen im Jahr 2007 erreichte die SVP 29 Prozent. Ich gehe davon, dass sie dieses Jahr maximal drei Prozentpunkte zulegen wird. Vermutlich werden es schliesslich aber eher 30 Prozent Wähleranteil sein.

(ann)