Staatssekretär für Migration

10. September 2016 06:50; Akt: 10.09.2016 14:56 Print

«60 Prozent der Migranten verschwinden»

Mario Gattiker, Staatssekretär für Migration, spricht von «einer neuen Entwicklung»: Flüchtlinge verlassen die Schweiz, noch bevor ihr Asylgesuch fertig ausgefüllt ist.

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«Die Leute reisen vor der Befragung weiter»: Staatssekretär für Migration, Mario Gattiker. (Archivbild) (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

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Zwischen Juni und August sind bis zu 60 Prozent der Personen, die in der Schweiz ein Asylgesuch stellten oder stellen wollten, verschwunden. Mario Gattiker, Staatssekretär für Migration, spricht von «einer neuen Entwicklung» seit diesem Sommer.

«Die Leute geben an, ein Asylgesuch stellen zu wollen, reisen dann aber vor der Befragung weiter», sagte Gattiker in Interviews mit mehreren Zeitungen vom Samstag. Von Juni bis August seien bis zu 40 Prozent aller Personen, die dem Grenzwachtkorps erklärt hatten, in der Schweiz Asyl zu beantragen, noch vor der vollständigen Erfassung des Gesuchs verschwunden.

Asylbewerber kommen nicht nach Basel oder Kreuzlingen

Dazu kämen weitere 20 Prozent, die nach dem Asylantrag irregulär abreisen würden. Sie wollten schlicht nicht in der Schweiz bleiben, sondern ihren Weg in Richtung Norden fortsetzen. «Insgesamt verschwinden bis zu 60 Prozent», sagte Gattiker. Dieses Problem lasse sich nicht vollständig beheben, zumal sich Personen im Asylverfahren nicht im Freiheitsentzug befänden.

Die Schweiz wirke der Entwicklung allerdings entgegen. So würden Asylsuchende etwa in grösseren Gruppen mit Bussen statt mit dem öffentlichen Verkehr von Chiasso aus in die Bundeszentren verteilt. Beim Aussteigen aus den Bussen und beim Eintritt in die Zentren werden die Menschen von Sicherheitspersonal überwacht. Auch kämen die Asylsuchenden nach Möglichkeit nicht in Zentren in Basel und Kreuzlingen TG, die direkt an der deutschen Grenze liegen.

Es zeichnet sich keine Entspannung ab

Es gebe mehrere Gründe für die vermehrten irregulären Abreisen. Einer davon sei der Tatsache geschuldet, dass die Schweiz das Dublin-Abkommen konsequent anwende und bereits anderswo registrierte Personen rasch rücküberstelle. Anderseits würden jene Personen, die nach Deutschland weiterreisen wollen, dort eher mit einem positiven Asylentscheid rechnen.

Im August wurden in der Schweiz 2443 Asylgesuche registriert. Für 2016 rechne er mit 30'000 Gesuchen, sagte Gattiker. Für das kommende Jahr gehe man von etwas weniger Gesuchen aus. Wegen der Zerstörung in Syrien, den Schleppern in Libyen und dem Krisenherd Ukraine zeichne sich «für die kommenden Jahre aber keine Entspannung ab».

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kritischer am 10.09.2016 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weshalb bloss.....

    ......wird "untertauchen" immer mit "verlassen" gleichgesetzt? es wäre ja schön wenn dem so wäre, doch in der Realität wirds anders aussehen. Viel wird schön geredet, und die Beamten empfinde ich zudem oft als naiv.....

  • Geissenpeter am 10.09.2016 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich muss nur noch lachen

    ab der Naivität unserer Behörden. Blocher hat schon zu seiner Zeit im BR vor den Flüchtlingsströmen gewarnt, da sie sich untereinander mit SMS und FB austauschen. Geglaubt hat ihm niemand. Jetzt kriegen wir die Quittung für unsere Gutgläubigkeit.

  • Sulejka am 10.09.2016 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    60% verschwundene Flüchtlinge

    Wie viele von diesen 60% Verschwundenen! sind IS Anhänger und kommen nur nach Europa um irgendwo eine Bombe platzen zu lassen? Ich finde es bedenklich dass man diese Menschen nicht besser unter Kontrolle hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Firefighter118 am 20.09.2016 04:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was passiert mit den Asyl Anträgen? 

    Mich würde wunder nehmen was mit den AngefanGenen Asyl Anträgen passiert, welche durch Befragung (nicht möglich da abgehauen) NICHT fertig gestellt und bearbeitet werden können. Hoffe die werden vernichtet, so dass der flüchtling nicht bleiben kann und zurück muss von woher er in die CH kam.

  • Anonymous am 19.09.2016 20:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz

    Unter solchen Artikel findet man häufig haarsträubende Kommentare... Sobald allerdings Bilder von Beamten gezeigt werden die Personalien aufnehmen und nebenan Flüchtlinge auf dem Boden liegen und angeben dass sie einfach Frieden und Arbeit suchen werden die Parolen leise... Vertraut bitte unserem Staat und unserer Politik mehr...wir sind Schweizer wir bewältigen auch diese Krise gemeinsam!

  • Mario Kühni am 10.09.2016 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum muss man denn

    dieser Entwicklung unbedingt entgegenwirken? Sind wir so scharf darauf diese Leute unbedingt zu behalten? Sollen sie doch weiterreisen, dann verursachen sie hier wenigstens keine Kosten... Leute die noch weiterreisen wollen/können sind sowieso keine ihrem Leben bedrohten Flüchtlinge... Wer wirklich in Gefahr ist reist nicht um die halbe Welt sondern ist schon froh im nächsten sicheren Nachbarland Zuflucht zu finden aber offensichtlich haben wir hier ein Wunschkonzert...

  • Rob62 am 10.09.2016 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gattiker

    Wo ist denn das Problem?

  • dado16 am 10.09.2016 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutschland doch besser?

    Das zeigt doch wieder mal, das nicht alle in die Schweiz wollen und anscheinend ist es hier doch nicht so toll wenn sogar die Flüchtlinge abhauen.