Bundesrat Schneider-Ammann

12. September 2018 10:05; Akt: 12.09.2018 14:48 Print

«Als Bundesrat fehlt mir die Zeit zum Einkaufen»

Laut Johann Schneider-Ammann würden die Agrarinitiativen der Landwirtschaft nur zusätzliche Regeln bringen. Die Kosten dafür müssten die Konsumenten tragen.

Bundesrat Schneider-Ammann im Interview zu den Agrarinitiativen.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Bundesrat, wie kaufen Sie selber ein? Nur biologisch?
Ich kaufe sehr selten selber ein. Als Bundesrat in den letzten Jahren eigentlich gar nie. Das ist der Job meiner Frau. Ein guter Teil davon besteht sicherlich aus Bio-Produkten.

Umfrage
Muss die Landwirtschaft in der Schweiz innovativer werden?

Und bei Ihrer Frau kommt auch einmal ein Stück Fleisch aus Argentinien, Uruguay oder Paraguay in den Einkaufskorb? Sie streben ja ein Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Staaten an.
Ja, der Markt Mercosur ist tatsächlich ein Thema, da hätten wir gerne einen Freihandelsvertrag – aus verschiedenen Gründen. Die Landwirtschaft gehört natürlich dazu. Meine Frau kauft das Fleisch aber seit vielen Jahren in der Metzgerei unseres kleinen Städtchens ein. Dort stammt die Fleischware aus der unmittelbaren Umgebung. Wir machen also keine extravaganten Einkaufstourismus-Übungen.

Sie machen Abstimmungskampf auf einem Bauernhof und werben gegen die Agrarinitiativen. Warum?
Es ist wichtig, dass die beiden Initiativen abgelehnt werden. Sie bergen das Risiko, dass man den Staat in die Landwirtschaft eingreifen und sie organisieren lässt. Das bedeutet Bürokratie, und zwar unheimliche Bürokratie. Das wiederum ergibt Kosten. Mit anderen Worten: Wir gehen davon aus, dass, wenn die Initiative angenommen wird, die Kosten für die Betriebe und damit die Preise für die Konsumenten in die Höhe getrieben würden. Sie können bei einer Annahme der Initiativen mit Sicherheit nicht günstiger einkaufen, weder das Normalprodukt noch das Bioprodukt würde günstiger.

«Ich kaufe nie ein – das macht meine Frau»

Wir geben verhältnismässig immer weniger aus für Lebensmittel, nur noch rund 6 Prozent unseres Einkommens. Sollten uns fair und nachhaltig produzierte Lebensmittel nicht mehr wert sein?
Ich bin nicht der Meinung, dass ein Schweizer Haushalt mehr Geld für solche Lebensmittel ausgeben soll. Dieses Geld kann dazu gebraucht werden, die hohe Lebensqualität der Schweizer aufrecht zu erhalten. Es muss eine gute Balance geben zwischen dem Kostenaufwand für lebensnotwendige Dinge und jenen, die einem das Leben verschönern.

Migros sprach von einer Lebensmittelverteuerung um 20 Prozent bei einem Ja zu Fair Food, Economiesuisse sprach gar von 50 Prozent. Ist das bloss Panikmacherei?
Wir wollen nicht spekulieren. Eine Statistik haben wir selber keine. Aber wir können abschätzen, dass landwirtschaftliche Produkte teurer werden als heute – allein aufgrund der Tatsache, dass der Staat zusätzliche Funktionen übernehmen wird. Diese Funktionen stellen Löhne dar, diese müssen bezahlt werden, die Kosten für den Apparat würden also steigen. Diese Kosten muss jemand tragen, sie werden einfach abgewälzt aufs Produkt, das heisst schliesslich auf den Konsumenten.

Fair Food, Trinkwasser, Hornkühe, Pestizide, Massentierhaltung: Zahlreiche Volksinitiativen wollen die Agrarpolitik verändern. Ist die Schweizer Bevölkerung unzufrieden mit Ihrer Agrarpolitik?
Die Initiativen verstehe ich nicht als Pauschalkritik. Die Schweizer Bevölkerung ist mit der Regierung insgesamt zufrieden. Wir liegen bezüglich Wohlstand, Bildung und Innovation auf den Spitzenplätzen und sind im Vergleich zu anderen Staaten sehr privilegiert. Trotzdem haben solche Anliegen wie die oben erwähnten Initiativen keinen Platz, schon allein aus Kostengründen nicht. Es ist aber dennoch wichtig, über jedes einzelne Anliegen zu diskutieren und die Leute darüber aufzuklären, damit sie mit dem nötigen Wissen abstimmen gehen können. Diese Stimme muss bei all den von Ihnen erwähnten Vorlagen letztlich ablehnend sein.

(jk/dk)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luca° am 12.09.2018 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte abtreten Johann

    Mit einem Lohn von mehr als 30'000.-- pro Monat ist es ja kein Problem wenn die Banane 1.20 oder 1.50 kostet... aber für diese die 4000.-- verdienen eben schon..

    einklappen einklappen
  • Simon S. am 12.09.2018 10:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fleisch...

    ...aus Uruguay hat nichts mit Einkaufstourismus zu tun - gibt es bei Coop. Er hat leider wenig Ahnung.

    einklappen einklappen
  • Ruth am 12.09.2018 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Vor lauter Wald sieht er die Bäume nicht

    mehr - genau so wird die Schweiz Schritt für Schritt an die EU verscherbelt / verkauft und die Schweizer-Volk-Stimme ausser Gefecht gesetzt und damit entmachtet. Die Schweizer-Regierung der gesammte BR + Parlament von Links bis Rechts handelt gegenüber dem CH-Volk fahrlässig und ist nicht mehr tragbar. 2019 ist Wahltag und dann wird abgerechnet.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mann am 12.09.2018 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nur eine faule Ausrede.

    Das ist nur eine faule Ausrede. «Als Bundesrat fehlt mir die Zeit zum Einkaufen»

  • Guschti Brösmeli am 12.09.2018 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einkauf mit Heli

    Vielleicht sollte er sich mal eine Coop-Filiale suchen, zu der er sich mit dem Heli fliegen lassen kann...

  • Evita77 am 12.09.2018 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1950

    Männer, dessen Frauen sich wie 1950 allein um den Haushalt kümmern, gestalten die Zukunft dieses Landes. Und dann fragt man sich, wieso es an allen Ecken mit Fortschritt klemmt.

  • mäxu am 12.09.2018 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein...

    Bundesrat hat genügend Zeit. Weniger Auslandreise Bitte ..!!!

  • Ursula am 12.09.2018 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ahnung

    Es geht wohl weniger um die Rollenvereilung das ist ja schliesslich Privatsache als vielmehr um die Tatsache das er als Bundesrat keine Ahnung von Preise der Lebensmittel hat. Mich würde aber interessieren wer die Rechnungen bezahlt und sich jede Monat über die KK Prämien nerven muss.