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10. April 2018 11:09; Akt: 10.04.2018 11:09 Print

«Akne-Mobbing führt zu Isolation»

Erfolgreiche Instagrammer kämpfen gegen Mobbing wegen Akne. Ein Experte erklärt, was das bringt.

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Social-Media-Stars kämpfen gegen Mobbing von Leuten, die unter Akne leiden. Diese werden in sozialen Medien zum Teil übel beschimpft. Die Beleidigungen reichen von «Einhorn» bis «Hautkrebs». Hashtags wie #acnepositivity sollen das ändern. Der Kinder- und Jugendpsychologe Urs Kiener erklärt, welche Folgen das Mobbing hat und was diese Kampagnen bringen.

Herr Kiener, Jugendliche werden in der Schule gemobbt, weil sie Pickel haben. Der deutsche Youtuber Heiko berichtet von Beleidigungen wie «Pickelgesicht» oder «Einhorn». Zuletzt sei er verzweifelt im Bett gelegen und nicht mehr aus dem Haus gegangen. Sind Sie überrascht?
Mobbing ist der Versuch, eine Person so zu schikanieren und fertigzumachen, dass sie sozial von ihrem Umfeld ausgeschlossen wird. Das kann etwa eine Schulklasse sein. Das ist überhaupt kein neues Phänomen und gibt es schon sehr lange. Neu ist das Phänomen des Cybermobbing: Im Internet und auf Plattformen wie Whatsapp werden Opfer rund um die Uhr fertiggemacht. Das findet im Verborgenen statt und es dauert viel länger, bis jemand darauf aufmerksam wird.

Auch auf Instagram gibt es fiese Kommentare zu Pickelopfern, die bis hin zu «Hautkrebs» reichen. Wie erklären Sie sich das?
Dadurch, dass sich Täter und Opfer nicht mehr persönlich begegnen, sondern ein technisches Instrument dazwischensteht, wird die Hemmschwelle stark gesenkt. Man schreckt offensichtlich vor nichts mehr zurück, weil man den Betroffenen und seine Befindlichkeit nicht wahrnimmt. Es kommt keine zwischenmenschliche Empathie zustande.

Wie sollten Betroffene reagieren?
Betroffene im Pickel-Beispiel stehen ja vor zwei Herausforderungen: die Akne, die in der Pubertät das Selbstwertgefühl bereits stark strapazieren kann, und das Mobbing, das extrem verunsichert und Jugendliche oft in die Isolation und Verzweiflung führt. Wenn der Leidensdruck gross ist, sollten Betroffene in beiden Fällen Hilfe suchen, entweder in ihrem Umfeld oder bei einem Beratungsangebot wie etwa der Telefonberatung 147 von Pro Juventute.

Diverse Instagrammer versuchen, Akne positiv zu besetzen, etwa mit dem Hashtag #acnepositivity. Kann das helfen?
Der Effekt kann verglichen werden mit jenem einer Selbsthilfegruppe: Betroffene realisieren, dass sie mit ihren Problemen nicht allein dastehen und dass Akne eine unangenehme Begleiterscheinung der Pubertät ist, die sehr viele Jugendliche ängstigt und von der die Mehrheit der Jugendlichen während einiger Zeit betroffen ist.

Sehen Sie die Chance, dass die Bewegung hin zu mehr Natürlichkeit Erfolg hat? Oder suchen wir auf Instagram immer das Perfekte?
Ich denke, dass diese Bewegung durchaus Jugendliche bestärken und zu einem gesunden Selbstwertgefühl beitragen kann. Allerdings ist der Druck nach perfektem Aussehen und einem fantastischen Lebenslauf, der von den sozialen Medien ausgeht, enorm stark.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc'oh'polo am 10.04.2018 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverliebte Selfiegeneration

    Ich hatte auch viel und habe es überlebt. Heute hab ich einen tollen Job und brauch keinen Kollegen aus der Schulzeit. Wird überbewertet und man muss immer perfekt aussehen. Von wegen.

    einklappen einklappen
  • Shredder X am 10.04.2018 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Frag mich gerade wie viele Menschen

    es bisher gab, die Pickelfrei durchs Leben kamen? Versteh einer die heutige Zeit und die darin lebende Gesellschaft. Wegen Pickel im Gesicht jemanden zu mobben, zeugt von unsäglicher Dummheit und davon, dass man sich auf Kosten anderer Leute selbst aufwerten muss. Und wer das nötig hat, der ist in Tat und Wahrheit ein bedauernswerter Zeitgenosse, dem man wahrscheinlich nicht mehr helfen kann.

  • Pizzagesicht am 10.04.2018 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruhig bleiben, stress zieht sie an ;)

    Ich kenne das, ist eine sehr unangenehme Zeit, hatte auch sehr starke Akne, und es schien Alles nichts zu helfen. Die einen sagen es sei das Essen, die anderen meinen es wäre die falsche Seife, zu viel waschen, zu wenig. Was es auch war, es hat sich stark verbessert, immerhin habe ich jetzt mit Mitte 30 kein sanftweiches Babyface mehr wie teils andere. Tolle Freundinnen hatte ich auch trotz Pickel, also immer mit der Ruhe, stark bleiben und nicht mobben lassen, es hat auch Vorteile, nicht alles im Leben mit gutem Aussehen zu erreichen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Littlebluecat am 11.04.2018 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pickel

    wären mir als Teen lieb gewesen. Ich hatte eine ziemlich starke Form von Akne... nur nicht im Gesicht. mein Rücken, Dekollete und meine Schultern sind vernarbt. Teilweise waren es Poren, die so stark entzündet waren das sie die Grösse eines 2 Fränklers hatten... und die taten weh. Mit 20 wars immer noch so und nur die Pille hat das ganze gemildert. Egal ob du Pickel oder starke Akne hast.. liebe dich selber. irgendwann sind sie weg.

  • Christine Steiner am 10.04.2018 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medi

    Ich hatte sehr schlimme Akne und habe das damals (1985) neue Medikament Roaccutane bekommen. Es ist umstritten, hat starke Nebenwirkungen und sollte nur in schweren Fällen gegeben werden. Ich war die Akne in kurzer Zeit los und das ist bis jetzt mit Ü50 so.

  • Realist am 10.04.2018 20:35 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Irgend etwas ist doch immer. In dem Alter müssen die Jungen ihren Weg und ihre Position finden. Wenn sie andere nicht wegen der Akne "fertig machen" dann eben wegen der Brille, den fehlenden Muskeln, dem Uebergewicht oder weil man nur Muskeln und kein Hirn hat. Irgendwas findet sich bestimmt. Aber da muss man einfach durch. Die meisten schaffen es. Und wenn man jetzt den Spott wegen Akne als Rassismus klassifiziert findet sich halt was anderes womit man Mitschüler provozieren und verletzen kann.

  • leserCH am 10.04.2018 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    die Probleme in unserer Gesellschaft

    In Afrika gibts echte Probleme, u.a. wenn man als Albino/Albina geboren wurde. Auch wie man tagtäglich an Nahrung & saubres Wasser kommt. Oder aus der Armutsspirale rauskommt. Das, ja DAS sollte sich jeder vor Augen führen.

  • Zugriff! am 10.04.2018 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mobbing

    Ich hatte selbst Pickel, erinnere mich aber nicht dran dass ich deswegen gemobbt wurde. Ich erinnere mich eher an das Mobbing wegen der komischen Frisur oder wegen der Brille oder weil man introvertiert ist. Übel wie ihr es nennt ist weder das Wort Einhorn, noch Hautkrebs. Setzt euch ein gegen Mobbing wie das Carsten Stahl tut oder macht eine Meldung über Carsten Stahl und seine Arbeit aber bitte untersucht nicht nur einen klitzekleinen mini teil von Mobbing, nur weil x Internet bekannte mitmachen. Untersucht das grosse ganze vielleicht könnte man dem ein oder anderen die Augen öffnen.