Kampfjet-Debatte

01. Dezember 2011 15:26; Akt: 01.12.2011 16:02 Print

«Alte Messerschmitts wären gut genug»

Der Bundesrat will mit dem Gripen einen Billig-Kampfjet: Dieser Entscheid sorgt in den Leserkommentar-Spalten für harte Wortgefechte und unkonventionelle Ideen.

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Bereits jetzt ist absehbar: Eine Volksabstimmung über den Kampfjet-Kauf wird eine äusserst knappe Angelegenheit. 47 Prozent der Leser von 20 Minuten Online sind gegen, 53 Prozent für die Beschaffung neuer Kampfflieger. Damit ist die Zustimmung im Vergleich zu einer Umfrage im September gestiegen.

Hitzig und überwiegend kritisch sind die Wortgefechte in den Kommentarspalten (siehe unten): «Ich verstehe nicht, wie sich das Volk von den Kampfjet-Lobbyisten an der Nase herumführen lässt. Warum gibt man so viel Geld für Flieger aus, die im Ernstfall hoffnungslos unterlegen sind?», schreibt User Peter. Ganz anderer Meinung ist Philipp Schori: «Eine gute Armee muss einen Gegner abschrecken. Ein Krieg wird heute in der Luft entschieden! Unsere Soldaten brauchen das beste Material, das man bekommen kann. Eine billige Armee ist reiner Selbstmord.»

Mit Messerschmitts in den Kampf

Verteidigungsminister Ueli Maurer führte am Mittwoch aus, dass die Luftwaffe den Gripen vor allem für Luftpolizeidienste benötigt. Dieser Umstand sorgt bei vielen Lesern für Kopfschütteln: «Die Schweiz braucht keine modernen Kampfflugzeuge. Die einzige Bedrohungslage ist, dass ein ziviles Flugzeug irgendwo reindonnert oder runtergeholt werden muss. Dazu reicht der Tiger, ja sogar eine Messerschmitt aus dem 2. Weltkrieg könnte einen Jumbo-Jet abschiessen», schreibt Karl Fischer.

Eine grosse Mehrheit der Leser setzt ein grosses Fragezeichen hinter die Finanzierung der neuen JAS 39 Gripen: «Ich kaufe mir auch nicht einfach etwas Schönes und schaue erst dann, woher ich das Geld kriege. Für den Kampfjet würden dann in der Primarschule Lektionen gestrichen, Arbeitslose schneller ausgesteuert, Buslinien gestrichen und der Mittelstand geschröpft. Im Angesicht der grassierenden Schuldenhölle braucht die Schweiz bestimmt keine neuen Flieger», so Soraya Moana.

Österreich als Vorbild

Einige Leser nennen die Luftwaffe von Österreich als Vorbild, welche seit 2007 mit nur 15 hochmodernen Eurofightern den Luftraum sichert und deutlich weniger Geld für die Armee ausgibt. «Durch die Einführung einer Profi-Armee und den Beitritt zur Nato könnte auch die Schweiz ihr Militär-Budget um die Hälfte reduzieren», ist Hans Pfeiffer überzeugt.

Es dürfte noch viel Wasser die Aare herunterfliessen, bis der definitive Entscheid über die Kampfjet-Beschaffung erfolgt. Einige Kommentarschreiber nehmen die Sache mit Humor: «Wir brauchen dringend neue Kampfjets, weil immer mehr Fluggesellschaften mit dem A380 in Zürich landen. Die wollen schliesslich alle begleitet werden, Happy Landing», spielt Leser Christoph auf die Abfang-Übung eines Superjumbos der Lufthansa durch FA-18-Jets an.

(am)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rodolfo. G. am 03.12.2011 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    aktive Luftpolizei

    Hat die Luftpolizei der Schweiz schon einmal einen Fremd-Flieger runtergeholt bzw. zur Landung gezwungen; zB US- Flugzeuge, die unerlaubt unseren Luftraum durchquerten ????

  • Neutraler Schweizer am 30.11.2011 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Die "heilige Kuh" darf kosten!

    Ich check es einfach nicht, wie das Volk sich von diesen Lobbyisten an der Nase herumführen lässt. Die Schweiz ist viel zu klein, auch Bevölkerungsmässig, um schlagkräftig zu sein. Eine Armee für ein grosses Land verstehe ich ja, aber soviel Geld für einen Militärapparaten auszugeben, welcher im Kriegsfall unterlegen ist, ist einfach nur realitätsferner Stumpfsinn! Es geht doch rein ums Business, um Gegengeschäfte für die Lobbyisten und das Volk lässt sich veralbern.

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  • HairGott am 01.12.2011 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    Weshalb nicht Flugsimulatoren?

    Als Kind habe ich mir gerne Flugzeuge mit Papier gebaut und sie dann fliegen lassen. Als Jugendlicher habe ich dann mit meinem Sackgeld Flugzeug-Bausätze gekauft bis ich mir als Lehrling ein Propeller-Flugzeug mit Fernsteuerung kaufen konnte. Heute bin ich Freund von Flugsimulatoren und ein erfahrener Software-Pilot . Ich erlaube deshalb zu behaupten, dass ich ein erfahrener Kampfpilot von diversen Kampfflugzeugen bin. - Meine Frage ist nicht unberechtigt: Weshalb werden nicht Flugsimulatoren gekauft, wenn jeder weiss, dass die Kriege von heute auf dem Bildschirm geführt werden?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rodolfo. G. am 03.12.2011 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    aktive Luftpolizei

    Hat die Luftpolizei der Schweiz schon einmal einen Fremd-Flieger runtergeholt bzw. zur Landung gezwungen; zB US- Flugzeuge, die unerlaubt unseren Luftraum durchquerten ????

  • Tinu am 02.12.2011 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Gerade gelesen

    Habe gerade gelesen, dass die eine verbesserte Version des Gripen bauen. Grösser Tank, mehr Startgewicht, anderes Radar usw. Wenn die Schweiz diesen Gripen kauft, dann kann der wohl doch gut sein. Hoffe ich zumindest. Die Reichweite ist einfach zu klein! Mit neuem Tank hoffentlich grösser.

  • Chriss Graf am 02.12.2011 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Liechtenstein anno 1868

    Liechtenstein hat die Armee 1868 aus Geldmangel abgeschaft, Wir sollten es ihnen raschmöglichst nachmachen um vielen weiteren Ländern den friedlichen Weg vorzumachen

  • R.W. am 02.12.2011 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Sehen wirs mal so-

    diese anschaffung dieser Flugzeuge würde auch bedeuten, dass das Geld hier in der Schweiz bleiben würde !Und die Arbeitsplätze gesichert wären.Und nicht wieder für unsinniges wie Spenden oder Leute, die den Schweizer Steuerzahler nur Probleme bringen, abfliessen würde.

  • Hug Tiz am 02.12.2011 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Würde das Geld in Bildung investiert, statt Kampfjets, wären die SchweizerInnen vielleicht irgendwann mal so gescheit, und würden keine Kampfjets mehr wollen ;) Man kann soviele möchtegern-wirtschaftlich-militärische Argumente anbringen wie man will, Tatsache bleibt: Jemand muss den ersten Schritt tun, damits endlich heisst für und nicht gegeneinander!