CVP-Wohnungspolitik

31. Juli 2014 10:31; Akt: 31.07.2014 10:31 Print

«Alte sollten ihre Häuser den Jungen abgeben»

von J. Büchi - Mit einem 18-Punkte-Plan will die CVP die Lage auf dem Wohnungsmarkt entschärfen. Nationalrat Martin Candinas erklärt, wie Familien einfacher zu bezahlbarem Wohnraum kommen sollen.

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CVP-Nationalrat Martin Candinas präsentierte am Donnerstag in Bern das Positionspapier seiner Partei zur Wohnpolitik. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Herr Candinas, alle jammern über Wohnungsmangel und steigende Mieten. Löst die CVP mit ihrem Positionspapier (siehe Box) nun all unsere Wohnungsprobleme?
Martin Candinas: Es wäre vermessen, dies zu behaupten. Aber wir nehmen die Probleme ernst und wollen Lösungen aufzeigen, mit denen wir die Situation entschärfen können. Vor allem in den Städten und Agglomerationen ist die Lage prekär: Es wird immer schwieriger, bezahlbare Wohnungen und Häuser zu finden.

Ist das Positionspapier eine Reaktion auf die Dichtestress-Debatte, die im Zuge der Zuwanderungsinitiative geführt wurde?
Nein, die Abstimmung vom 9. Februar hat zwar gezeigt, dass das Thema bewegt. Allerdings löst die Zuwanderungsinitiative das Problem nicht. Auch die Forderungen der Linken nach staatlichen Massnahmen greifen aus unserer Sicht zu kurz. Es muss möglich sein, Wohnungen zu tragbaren Bedingungen zu finden, ohne dass der Staat den ganzen Wohnungsmarkt reguliert. Die CVP als Familienpartei hat die Rezepte dafür.

Sie wollen unter anderem Sparmöglichkeiten für Junge schaffen, damit sich diese ein Eigenheim kaufen können. Wollen das die Jungen heute überhaupt noch?
Ich denke schon. Vor allem, wenn es Richtung Familiengründung geht, wollen Junge etwas Eigenes kaufen. Der Anteil junger Familien, die ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung haben, hat in den letzten Jahren aber abgenommen.

Warum? Wirtschaftlich steht die heutige Generation kaum schlechter da als die ihrer Eltern oder Grosseltern.
Die Preise für Wohneigentum haben massiv zugenommen. Dazu kommt, dass Junge immer längere Ausbildungen absolvieren und deshalb später mit Sparen beginnen können. Deshalb fordert die CVP, dass die Jungen nach Eintritt ins Berufsleben mehr in die 3. Säule einzahlen können, wenn sie dies wollen.

Macht es denn Sinn, wenn jeder ein eigenes Haus kauft?
Nein. Es braucht für jede Lebensphase den richtigen Wohnraum. Ältere Leute bleiben oft in ihren Häusern, obwohl diese eigentlich zu gross sind. Sie wären allenfalls besser bedient, wenn sie ihre Häuser den Jungen abgäben und dafür in eine altersgerechte Liegenschaft zögen, die Unterstützung im Alltag anbietet und somit die Lebensqualität erhöht. Natürlich müssen auch für Familien, die lieber eine Wohnung mieten wollen, bezahlbare Angebote bereitgestellt werden. Die Förderung von Wohnbaugenossenschaften ist eine mögliche Lösung dafür.

Laut Positionspapier sollen künftig mehr Familienwohnungen auf Geländen von SBB oder Post, auf Industriebrachen oder ehemaligen Militärgeländen entstehen. Warum schöpft man dieses Potenzial heute noch nicht aus?
Das Problem ist, dass der Bund den staatsnahen Betrieben finanzielle Ziele vorgibt. Und die Betriebe wissen, dass man mit Immobilien Geld verdienen kann. Anstatt dass staatsnahe Betriebe wie die SBB mit ihren Immobilien Spekulationsgewinne machen, sollten die Flächen für den gemeinnützigen Wohnungsbau genutzt werden. Dafür wären die Grundstücke ideal – und gemeinnützige Wohnungen werden bis zu 20 Prozent günstiger angeboten als herkömmliche.

Das tönt nun wieder nach einer urlinken Idee.
Die Genossenschaftsidee ist nicht links. Diese passt bestens zur CVP. Auch sehr erfolgreiche Unternehmen wie die Migros und die Raiffeisenbank basieren auf diesem Prinzip.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Felix Wehrli am 31.07.2014 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wohnrecht

    Auch älter Menschen haben das Recht zu wohnen wo es Ihnen wohl ist. Abschieben geht gar nicht! Die CVP gibt mir langsam wirklich zu denken.

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  • rofl mündig am 31.07.2014 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    natürlich......

    Völliger Quatsch, das einzige was endlich eingedämmt werden muss, ist die Zuwanderung. Wir haben schon in der ersten Stunde VWL gelernt, dass eine hohe Nachfrage, solange das Angebot nicht da ist, zu höheren Preisen führt. Sozialwohnungen, oder Abtretung von alt an jung sind lediglich Versuche, das wahre Problem zu kaschieren....

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  • Antonio am 31.07.2014 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Verdichtetes Wohnen und Bauen?

    Nein Danke. Da wüsste ich eine bessere Idee wie man dem Problem der Knappheit entgegenwirkt: MEI UMSETZEN!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dieter Kaiser am 31.07.2014 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ich staune

    Will sich die CVP etwa selbst abschaffen?

  • Manu R. am 31.07.2014 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    @Gefangener

    Sie besitzen ein 7-Zimmer EFH, das Sie für nicht mehr als 750 kCHF verkaufen könnten, während eine neu gebaute 5-Zimmerwohnung eine Million kosten würde? Da kann irgend etwas nicht stimmen, selbst wenn Ihr Haus ein wenig in die Jahre gekommen ist. An meinem Wohnort Steffisburg kostet eine neugebaute 5-Zimmerwohnung auch gegen eine Million Franken, aber hier werden baufällige Minihäuschen Bj. 1930 für fast eine halbe Kiste verkauft. So gesehen dürften Sie für Ihr EFH wohl deutlich mehr als 750 kCHF erzielen.

  • Erik Schiegg am 31.07.2014 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wer von den Kindern bekommt das Haus?

    Grüsst ihr euch noch oder habt ihr schon geerbt?

  • DenktWeiter am 31.07.2014 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    Politik versagt

    Man braucht nicht alt zu sein um zu wissen dass solche "Hirngespenster" nicht tragbar sind. Was soll dass? Fleissig werden Wohnungen gebaut die sich bald keiner leisten kann und Büros die dann leer stehen. Dies sind Fakten die allen bekannt sind. Wir sind Menschen und nicht Milchkühe oder Schrott den man beliebig wegwirft wenn er ausgedient hat! Wann wird die "Class Politique" endlich FüR das Volk und nicht zu deren leid arbeiten? 2015 - Chance des Volkes - Wenn es dann noch jemanden gibt den man mit guten Gewissens wählen kann der uns nicht zum dank in den hintern tritt! .... "seuftz"

  • tamalito am 31.07.2014 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    So falsch ist das nicht

    Meine Erfahrung - sobald die Kräfte schwinden, wird ein grosses Haus immer mehr zur Belastung. Man hat einen Garten, muss viel Putzen etc. ausserdem ist die Raumaufteilung für das fortgeschrittene Alter oftmals suboptimal! Seid ehrlich - das lässt sich nicht leugnen. Der Schritt weg vom Eigenheim zu einer kleineren Wohnung (womöglich in eine Alterssiedlung) kostet aber enorme Überwindung (was auch verständlich ist). Einigen Leuten hier scheint ihr Geld wichtiger zu sein als Lebensqualität! Ein 80 Jähriger Hauseigentümer wird keine Geldprobleme haben - auch wenn er in eine Mietwohnung wechselt