Reaktion auf Sparplan

28. November 2015 16:29; Akt: 28.11.2015 16:29 Print

«Am teuersten ist keine Bildung»

von J. Büchi - An den Schulen zu sparen, sei «himmeltraurig», sagt Bildungsexpertin Nathalie Glauser. Insbesondere die Integration von Flüchtlingskindern leide.

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Bund und Kantone wollen auch den Unterricht nicht vor Sparmassnahmen verschonen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Frau Glauser, Bund und Kantone wollen in den nächsten Jahren im Bildungsbereich bis zu eine Milliarde Franken sparen. Was bedeutet das für die Kinder, die in den kommenden Jahren eingeschult werden?
John F. Kennedy hat einmal gesagt: Es gibt nur eines, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung. Oder anders ausgedrückt: Das Geld, das man in den frühen Jahren nicht in die Bildung eines Menschen investiert, muss man später beispielsweise für Sozialhilfe ausgeben. Es ist ein himmeltrauriges Zeichen, dass man heute in der Schweiz überhaupt noch über den Wert von Bildung diskutieren muss.

Wurde früher vor allem bei den Lehrerlöhnen gespart, sollen die Massnahmen nun auch den Unterricht treffen. Mit welchen Konsequenzen rechnen Sie?

Als man «nur» bei den Löhnen gespart hat, tat das zwar weh. Aus Erfahrung weiss ich aber, dass die meisten Lehrer versuchten, die Kürzungen auszubügeln, ohne dass die Kinder etwas merkten. Die jetzigen Sparmassnahmen werden hingegen knallhart im Unterricht zu spüren sein. Bei Angeboten wie Musik oder Gestalten, aber auch bei Fördermassnahmen für besonders schwache oder besonders starke Schüler. Es ist ein Mass erreicht, bei dem die Lehrperson beim besten Willen nicht mehr alle Einbussen wettmachen kann. Das Bildungsangebot wird schlechter.

... und die Gesellschaft von morgen in der Folge dümmer?
Gemessen am heutigen Bildungsstand wird es Abstriche geben. Gemessen an den komplexer werdenden Aufgaben, die wir als Individuen aber auch als Gesellschaft zu bewältigen haben, stellt sich die Frage, ob wir denen überhaupt noch gewachsen sein werden. Besonders problematisch ist die Entwicklung, weil im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise viele Migrantenkinder in das Schweizer Schulsystem integriert werden müssen, die während des Bürgerkriegs teilweise schon jahrelang nicht mehr in den Genuss von Bildung kamen. Diese Kinder sind hungrig auf Bildung.

Sie gehen also davon aus, dass die Einsparungen bei der Bildung die Bewältigung der Asylkrise erschweren?
Ganz eindeutig. Natürlich brauchen diese Kinder Deutschunterricht, damit sie beim restlichen Stoff mithalten können. Zudem sind insbesondere traumatisierte Menschen auf sichere Orte angewiesen. Nicht nur im Sinn von polizeilicher Sicherheit, sondern auch insofern, als dass sie sichere Bindungen eingehen können. Bindungen heisst: Behörden und Zivilgesellschaft stellen ein Angebot zur Verfügung, verlangen im Gegenzug aber auch gewisse Anstrengungen, beispielsweise punkto Integration – zum Wohle aller.

Im Kanton Thurgau sollen die Eltern fremdsprachiger Kinder die Deutschnachhilfe künftig teilweise selber zahlen. Ein No-Go für Sie?
Ich kenne die Hintergründe dieser Entscheidung nicht genau. Klar ist, dass alle Kinder in der Schweiz ein Recht auf Bildung haben. Ich finde es zwar richtig, dass mit diesem Recht auch Pflichten einhergehen: Beispielsweise, dass sich Eltern ausländischer Kinder dafür engagieren müssen, dass diese Deutsch lernen. Diese Pflicht darf aber nicht finanzieller Natur sein. Sonst ist die Gefahr zu gross, dass gewisse Familien drauf verzichten müssen.

Es gibt Stimmen, die monieren, die Bildungsausgaben seien in den letzten 20 Jahren sehr stark gewachsen. Eine Korrektur sei deshalb nur richtig. Sehen Sie selber gar kein Sparpotenzial?
Nicht, wenn es um das Unterrichtsangebot geht. Allerdings könnte man überlegen, ob die bestehende Infrastruktur besser genutzt werden könnte. Der Kindergarten, in dem ich arbeite, stand bis vor kurzem fast jeden Nachmittag leer. Dieser Schulraum kann für andere Angebote genutzt werden. Seit zwei Wochen unterrichten Freiwillige dort syrische Kinder in heimatkundlicher Sprache und Kultur.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • El Mac am 28.11.2015 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparen

    Bei Bildung zu sparen ist schlecht! Das Einzige, was überflüssig ist, sind diese Touchscreen Tafeln und die Schulen, im denen jedes Kind einen iPad erhält. Aber sonst nichts!

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  • Mati am 28.11.2015 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    warum ist immer an erster Stelle von den Flüchtlingen die Rede und nicht von all den Schweizerkindern die ebenfalls spezielle Unterstützung nötig hätten?

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  • secondo am 28.11.2015 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wir müssen für Flüchtlinge

    Schulen, Ausbildungsplätze, Arbeitsplätze, Wohnungen, usw. Dass es einheimische Kinder gibt, die in der Schule grosse Schwierigkeiten haben und keine Ausbildung finden, dass es Leute gibt, die Jahrelang Steuern einbezahlt haben und keine Arbeit finden, und dass es fast keine bezahlbare Wohnungen für irgendjemanden gibt, stört niemanden, so lange er nicht auch gleich die Flüchtlingskarte ausspielen kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • JFK am 29.11.2015 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der jenige

    Hört mal endlich auf immer auf den Flüchtlingen rumzuhacken. Wenn ein Schweizer am sozialamt hängt, ist das schlimm ja. Aber der muss ja nicht seine Heimat verlassen darum.... Und er wird noch ein bisschen unterstützt

    • Samuel Müller am 29.11.2015 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Geht's noch

      Jeder entscheidet selbst. Wirtschaftsflüchtlinge haben hier nichts verloren. Es gibt viele die es nötig hätten, Wetten, diese haben Zuwenig um bis zu Uns zu kommen. Macht endlich die Augen auf. Hier geht es um die Bildung unserer Kinder!

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  • Gero Baldegger am 29.11.2015 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    So ein blanker Unsinn!

    Erstens steht die Schweiz bezüglich Bildungsausgaben an zweiter Stelle (OECD) in Europa und zweitens wird gar nicht gespart. Einzig der Anstieg der Bildungsausgaben wird begrenzt. Ist das 'kaputtsparen'?

    • Jil am 29.11.2015 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gero Baldegger

      Deshalb werden überall Schulen geschlossen, weil nicht gespart wird.. Schon klar...

    • Martin am 29.11.2015 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jil

      Wo werden Schulen geschlossen? Ich kenne keine.

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  • Bauer am 29.11.2015 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Das teuerste ist, wenn wir

    weiterhin am Tausch (also auch am Geld) festhalten. Googelt man den freeworldcharter, und guckt euch das Video an. Und lest die Rubrik FAQ's und "Was ist das". Ich hab da vor langer Zeit aus voller Überzeugung unterzeichnet. Es sind noch viel zu wenige, die sich über die Folgen des Geldes im klaren sind. Bitte informiert euch.

  • Debby am 29.11.2015 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Hört endlich mal auf, überall und immer an erster Stelle Flüchtlinge zu bemitleiden. Es gibt auch Schweizer Kinder, welche mehr Unterstützung nötig hätten!!

    • smile69 am 29.11.2015 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Debby

      Bravo !!! Bin genau dieser Meinung... Wir zählen nicht mehr

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  • Schweizerin am 29.11.2015 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    was soll das Gequatsche?

    Ich weiss nicht was dieses Integrationsgequatsche eigentlich soll. Die Leute gehören nicht nach Europa sondern in deren Heimatländer. Wieso kapiert ihr das nicht? In Europa wird nur rum diskutiert wie die Leute hier untergebracht und durchgefüttert werden sollen - Jahrzehntelang! Aber keiner hält es für nötig mal eine andere Gangart einzuschlagen und die Leute abzuweisen bzw. wieder zurück zuschicken. Damit suggeriert ihr der ganzen Welt, dass jeder im Sozialamt Europa willkommen ist. Es kann doch nicht angehen dass ganz Europa zum Sozialamt von ganz Afrika und dem nahen Osten wird.

    • marcel am 29.11.2015 19:08 Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      Danke bin voll deiner Meinung. Zuerst wir Schweizer und das auch bei der Bildung. Man hätte gneügend Geld wenn es richtig eingesetzt würde.

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