Klimastreik

04. Februar 2019 05:42; Akt: 04.02.2019 10:28 Print

Klimaschüler fordern schul- und arbeitsfrei

Die Klimastreik-Bewegung peilt die grösste Demonstration seit 1991 an. Dafür fordern die Aktivisten schul- und arbeitsfrei.

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«Make the earth cool again», «revolutionierä statt konsumierä», «Es ist fünf vor zwölf»: Mit solchen Parolen auf den Protestschildern demonstrierten am Samstag je nach Quelle zwischen 38'000 und 65’000 Menschen für mehr Klimaschutz. Dabei mobilisierte die Bewegung, die von Schülerinnen und Schülern getragen wird, dieses Mal auch Lernende, Eltern und Grosseltern. Zum internationalen Klimastreiktag am Freitag 15. März wollen die Schüler weiter Druck aufsetzen und rufen erneut zum schweizweiten Protest auf.

Das Ziel der hiesigen Klimakämpfer ist klar: «An der nächsten Demo gehen 100’000 Menschen auf die Strasse», so Marie-Claire Graf von der Klimabewegung Zürich. Dies würde bisherige Grossdemonstrationen – ausser den Frauenstreik 1991 – in den Schatten stellen (siehe Bildstrecke).

«Unsere Macht sind die Menschen»

Zwar verfügten die Aktivisten nicht über finanzielle Mittel, so Graf, aber: «Unsere Macht sind die Menschen.» Die ETH-Studentin beobachtet, dass der Funke von den Schülern bereits auf die Erwachsenen übergesprungen sei. «Wir haben als Jugendbewegung begonnen, aber wir wollen, dass der Klimawandel alle erreicht», sagt Graf. Mittels Social Media, Mund-zu-Mund-Propaganda sowie Plakaten und Bannern versuche man, die Menschen zu mobilisieren.

Dass der internationale Klimastreiktag an einem Freitag stattfinden wird, soll die Leute nicht daran hindern, an der Demo teilzunehmen, hofft Graf. Man sei in Kontakt mit den Schulleitungen und mit der Eidgenössischen Bildungskommission. «Es wäre super, wenn die Schüler frei bekämen oder an diesem Tag zumindest keine Prüfungen stattfinden würden», sagt Graf. Stattdessen könnten die Schüler etwa zu einem späteren Zeitpunkt einen Vortrag über den Klimawandel halten. Graf fordert auch Unternehmen dazu auf, ihren Angestellten am Freitag frei zu geben. Damit könnten diese signalisieren, wie wichtig auch ihnen das Anliegen sei.

Jonas Kampus von Klimastreik Schweiz betont, man habe sich kein Teilnehmer-Ziel gesetzt. Es gehe vorwiegend darum, international möglichst viele Menschen zu mobilisieren.

Arbeitgeber halten sich zurück

Die Arbeitgeber wiegeln angesichts dieser Forderungen ab. «Grundsätzlich begrüssen wir, dass sich Bürgerinnen und Bürger an der demokratischen Entscheidfindung beteiligen. Dazu gehören auch Demonstrationen», heisst es beim Schweizerischen Gewerbeverband. Es sei allerdings Sache der Unternehmungen, sich mit den Lernenden und Angestellten betreffend Absenzen zu einigen. «Mögliche betriebsindividuelle Lösungen sind Ferientag, Kompensation der Absenz, zeitliche Kurzabsenz. Der Verband gibt dazu keine Empfehlungen ab.»

Ist das Ziel von einer Demo mit 100’000 Menschen an einem Freitag zu hoch gegriffen? Christian Koller, Leiter des Schweizerischen Sozialarchivs und Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich, hält das Ziel der Klimastreikenden für realistisch. «Mit Trump als US-Präsident oder dem Absturz des CO2-Gesetzes im Schweizer Parlament ist bei vielen die Einsicht gereift, dass ohne Druck nichts passiert.» Für Koller sind die aktuellen Schweizer Klimastreiks die grösste Jugendbewegung der letzten Jahrzehnte. «Vergleichbar sind sie am ehesten noch mit den Anti-Irakkrieg-Demonstrationen, die ebenfalls international vernetzt waren.» Am 22. März 2004 protestierten rund 40’000 Menschen in Bern gegen einen Krieg im Irak.

Koller glaubt, dass der anhaltende Protest in der Politik Gehör finden wird. «Natürlich lassen sich SVP-Exponenten, die den Klimaschutz gänzlich ablehnen, nicht überzeugen.» Mit dem Druck der Strasse sei es aber künftig für bürgerliche Mittepolitiker kaum mehr möglich, Klimaziele im Inland ersatzlos zu streichen. «Der Aufschrei in der Bevölkerung wäre nach den aktuellen Klimademonstrationen riesig.»

SVP übt Kritik an den Forderungen der Klimaschüler

SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann dagegen gibt zu bedenken: «Selbst wenn 60'000 auf die Strasse gingen, sind immer noch 8,4 Millionen Menschen zu Hause geblieben.»
Zudem habe bei den Klimademonstrationen am Samstag
ohnehin nur das links-grüne Lager protestiert.

«Zu behaupten, die Politik unternehme nichts, trifft nicht zu. Sie befasst sich seit Jahren mit Umweltanliegen.» Es gebe keinen Bürgerlichen, dem das Thema egal sei, so Steinemann. «Die meisten Bürgerlichen setzen nicht einfach auf die Erhöhung des Benzin- und Heizölpreises, sondern auf technologischen Fortschritt.»

(pam/dp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mimi am 04.02.2019 06:38 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich konsequent

    Die Umwelt ist gerettet. Denn alle diese Demonstranten werden sicherlich in Zukunft auf Flugreisen, Autofahrten, billige Kleider, Palmölprodukte und das neuste Handy verzichten. Alles andere wäre ja unglaubwürdig, oder?

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  • Mannnnn am 04.02.2019 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar die wollen alle frei

    Klimastreik!? Und im öv alles liegen lassen! Fangt mal vor dereigenen haustüre an

  • Markus Hubel am 04.02.2019 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wiso nicht Samstags?

    ich finde es grossartig das sich auch Kinder und Jugendliche so einsetzen. Jedoch verstehe ich nicht, warum sie das nicht während ihrer Freizeit tun können. Ich persönlich währe an jeder Demo anwesend gewesen, wenn es schulfrei gegeben hätte. Nicht der wegen der Sache. Sondern sich von der Schule drücken. ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zyniker am 04.02.2019 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Gebt auf...

    Finde auch die Jugend sollte endlich resignieren, keiner hört auf sie und etwas ändern wird sich auch nicht...also liebe Kinder, hört auf zu Träumen und beginnt zu arbeiten! Wir wollten keine denken, sondern Leute die folgen...

  • Ciccio 13 am 04.02.2019 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demo - gegen was eigentlich?

    Ich frage mich, wie vielen Demonstranten es wirklich ums Klima geht und wie viele einfach die Schule schwänzen und dabei noch ein bisschen "action" haben wollen. Ich kann mir auch schwer vorstellen, dass die, die sich mit dem Auto zur Demo karren lassen (obwohl ÖV zur Verfügung stünde) sich um das Klima kümmern, wenn sie überhaupt wissen um was es dabei geht.

  • Pedro am 04.02.2019 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was sind schon 65000?

    65000 waren an den Demos. Mit anderen Worten von den 8.4 Mio Einwohner waren 8,3 Mio nicht an der Demo!

  • Karl Käfer am 04.02.2019 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Klimastreik

    Toll,haben alle ihr Handy dabei zum Streiken ? benutzen Sie Zuhause Computer ? In der Schule wird am Computer gelernt ? tolle Umweltaktivisten !!! voll Ökologisch

  • Neptun am 04.02.2019 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Mir reichts langsam aber sicher

    Gehts noch? Wer steckt eigentlich dahinter? Wieder mal Sorros? Solche Streiks stampfen sich nicht von selbst in div. Ländern alleine aus dem Boden. Abgesehen davon, dass Streiks eigentlich für Arbeitnehmer gedacht sind um konkrete Forderungen durchzubringen. Was wollt ihr denn vom Klima? Das kann keine Forderungen erfüllen.