Schweizer Soldaten mit Doppeladler

08. April 2015 09:01; Akt: 10.04.2015 15:06 Print

«Andere Flaggen haben da nichts zu suchen»

Mehrere junge Soldaten haben im Zug mit dem albanischen Doppeladler posiert und ein Foto davon online gestellt. Jetzt ermittelt die Militärpolizei.

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Das Bild, auf dem sieben Schweizer Soldaten mit dem albanischen Doppeladler posieren, landete auf Facebook und auch bei der Zeitung «Blick». (Bild: Ausriss Blick)

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Das Gewehr in die Luft streckend posieren sieben Schweizer Armeeangehörige für ein Bild in einem Zugabteil mit einer Flagge, auf der der albanische Doppeladler zu sehen ist. Das Foto stellen sie Anfang April auf Facebook. Ein Offizier, der das Bild entdeckt hat, ist empört. «Das grenzt an Landesverrat», sagt er zum «Blick».

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Dass Schweizer mit Migrationshintergrund zu ihren Wurzeln stünden, dafür habe er Verständnis. Allerdings nicht, wenn es um die Armee geht. «Diese Männer tragen Uniform, sie sind offensichtlich noch im Dienst.» In diesem Fall müssten sie zu 100 Prozent hinter der Armee des Landes stehen, dem sie dienen. Und das in allen Situationen. Rekruten im Dienst sollten sich folglich auch in einer der Landessprachen unterhalten, nicht in ihrer Muttersprache. «Das ist eine Frage von Anstand und Respekt», so der Offizier.

Soldaten droht saftige Strafe

Armeesprecher Christoph Brunner ist der gleichen Meinung: «Wenn jemand Schweizer Uniform trägt, ist unsere Fahne die einzige, die wir sehen wollen. Alle anderen Flaggen haben da nichts zu suchen.»

Brunner weist zudem darauf hin, dass während des Dienstes aufgenommene Fotos nur mit der Einwilligung des Vorgesetzten ins Netz gestellt werden dürfen. «Diese Aufnahme ist eine Nichtbefolgung von Dienstvorschriften», so Brunner im «Blick». Die Militärpolizei werde den Fall jetzt untersuchen. Sollten die Soldaten auf dem Bild ausfindig gemacht werden, droht ihnen ein Verweis, eine Ausgangssperre, eine Geldstrafe oder Arrest.

Secondos sind motiviertere Soldaten

In der Schweizer Armee hat rund jeder dritte Rekrut einen Migrationshintergrund. Die Gruppe sei deshalb unabdingbar geworden, sagt Tibor Szvircsev Tresch von der Militärakademie der ETH Zürich zum «Blick». «Ohne Secondos funktioniert die Armee nicht. Viele Aufgaben könnte sie kaum mehr wahrnehmen.» Dennoch wird die Gruppe immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert. 13 Prozent der Schweizer Bevölkerung glauben, dass es «für unsere Sicherheit besser» wäre, wenn Secondos nicht in der Armee dienen würden.

Doch: Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung sind Soldaten mit Migrationshintergrund motivierter als jene ohne. Eine Umfrage habe gezeigt, dass 60 Prozent von ihnen ihre Leistungsbereitschaft für die Armee als «gross» bezeichnen. Bei Schweizern ohne Migrationshintergrund lag der Wert zwei Prozentpunkte tiefer.

(vro)