Jetzt spricht Beskos Produzent

28. Februar 2019 12:13; Akt: 28.02.2019 15:53 Print

«Sie stürmten das Studio, ich war voll geschockt»

Rapper Besko wurde verhaftet, weil er eine Post bewaffnet überfallen hatte. Sein Produzent und Freund weiss, wie es dazu kam – und was Besko in den letzten Jahren getrieben hat.

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Der vorbestrafte Rapper Besko hat am 19. Februar in Dübendorf in einer Poststelle zwei Angestellte bedroht und mehrere Hundert Franken erbeutet. Dann verschwand er auf einem Scooter. Diesen parkierte Besko vor einem Studio, in dem er sich seit Jahren immer wieder aufhält. «Als ich hineinkam, sah ich das Geld, das ich Besko geliehen hatte», erklärt der Produzent des Studios (34). Doch plötzlich hätten schwer bewaffnete Polizisten sein Studio gestürmt und eine Razzia durchgeführt. «Ich war voll geschockt», erklärt der Produzent. Er wurde für 24 Stunden in Gewahrsam genommen. «Erst am Schluss habe ich erfahren, dass es um Besko und einen Überfall ging.» Besko wurde kurz darauf vor dem Studio verhaftet.

Er und der Rapper seien seit Jahren Freunde, sagt der Produzent: «Ich kenne Besko seit seinem Gefängnisaufenthalt. Zu dieser Zeit hatte er immer wieder Hafturlaub. Ein Kollege, der Besko ab und zu besuchte, machte mich auf ihn aufmerksam. Er hatte da gerade zu rappen begonnen. Ich erkannte gleich, dass er Talent hat, und wollte ihn unbedingt kennen lernen.»

«Besko hat Herz»

Dann kam Besko raus. «An meinem Polterabend traf ich ihn zufällig in der Stadt, und er kaufte gleich eine Flasche Jack Daniels und schenkte sie mir», erinnert sich der Produzent. Weil er Besko als «sympathischen jungen Mann» wahrgenommen habe, habe er ihn in sein Studio eingeladen. «Wir fingen an, Songs aufzunehmen. Als Rapper kam er gut an. Seine Songs hatten eine gewisse Tiefe, er ist gefühlvoll», erklärt der Mann weiter. «Besko hat Herz. Deshalb bin ich ja auch so verwirrt, dass er einen bewaffneten Überfall machen konnte. Irgendetwas in mir sagt mir, dass er das aus purer Verzweiflung getan hat.»

Laut dem Produzenten war Besko kurz vor der Ausschaffung karrieretechnisch auf dem Höhepunkt: «Natürlich wollten wir beide weitermachen. Deshalb habe ich ihn ja für den Videodreh zum Song ‹Spitte i dis Gsicht› im Kosovo besucht.» Zu diesem Zeitpunkt sei es Besko gut gegangen: «Er hatte eine eigene grosse Wohnung mit mehreren Zimmern, sie war schön eingerichtet. Er arbeitete im Callcenter, wollte aber trotzdem weiterhin Rapper sein.» Das Video zum Song habe der Produzent dann aber auf Verlangen von Besko entfernt: «Er disst da einen Rapper. Und weil dieser auch einen Sohn hat, wollte Besko nicht, dass der Sohn irgendwann mal schlechte Dinge über seinen Vater erfährt.»

«Wir gingen zusammen Enten füttern»

Besko habe ihn vor einem Jahr in der Schweiz besucht. «Auch da war alles super. Natürlich hatten wir immer wieder Gespräche, in denen er sich mir öffnete. Die Sache mit seinem Sohn nagt sehr an ihm, auch den Tod seiner Mutter hat er noch nicht richtig verarbeitet.» Sie seien sich wirklich nahegestanden: «Zwar habe ich seine Ex-Frau nie kennen gelernt, aber unsere Jungs kennen sich auch. Wenige Tage vor dem Überfall waren wir zwei Papas mit unseren Söhnen im Trampolino in Dietikon. Wir gingen auch Schiff fahren oder fütterten Enten am See.» Zu keinem Zeitpunkt habe Besko da den Anschein gemacht, einen bewaffneten Überfall zu planen. «Hätte er mir doch nur gesagt, dass er in Schwierigkeiten steckt – ich hätte das Geld vermutlich mit meinen Kollegen zusammenbekommen. Aber er hat nie um Hilfe gebeten.»

Wie es weitergeht, sei noch ungewiss: «Für mich steht aber fest, dass ich unser gemeinsames Album fertigstellen will. Es soll im Mai erscheinen», sagt der Produzent. «Wenn Besko seine Strafe abgesessen hat, schauen wir weiter. Mit der Musik könnte er viel erreichen. Doch während andere Rapper über solche Dinge nur rappen, tut Besko sie wirklich.»

(qll)