Türsteher packt aus

05. September 2018 20:41; Akt: 05.09.2018 20:47 Print

«Angriffe im Ausgang werden immer brutaler»

Laut einer Statistik hat Gewalt gegen Frauen zugenommen. Türsteher Bruno Winzeler sagt, auf Opfer werde eingetreten und K.-o.-Tropfen seien ein Problem.

Interview mit Türsteher Bruno Winzeler über Gewalt im Ausgang. (Video: 20 Minuten)
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Laut Zahlen der Unfallstatistik werden 2008 und 2016 mehr Frauen im Ausgang verletzt als noch 1995. Wie erleben sie die Gewalt in Ihrem Job als Türsteher?
Als selbständiger Türsteher und Security-Mann sehe ich Gewalt jeden Tag. Gewalt allgemein und gegen Frauen nimmt zu. Ich rede nicht nur von physischer Gewalt, etwa Männern, die aufdringlich werden, sondern auch von psychischer Gewalt. Frauen werden immer mehr unter Druck gesetzt, Dinge zu tun, die sie nicht wollen. Das sehe ich oft, wenn der Freund etwa nicht nach Hause gehen will. So können hitzige Situationen entstehen. Dabei kommt es nicht auf den Veranstaltungsort oder die Gesellschaftsschicht an – Gewalt wird vom Anzugträger an der Gala genauso ausgeübt wie von einem Drogen-Junkie an der Langstrasse.

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Wie reagieren Sie, wenn Sie Zeuge von Gewalt werden?

Welcher Vorfall war besonders schlimm?
Ich stelle fest, dass die Brutalität zugenommen hat – nicht nur gegenüber Frauen. Während sich zwei Betrunkene früher einfach die Köpfe einschlugen und gut war, häufen sich heute unausgeglichene Situationen: Ich habe selbst erlebt, wie fünf, sechs Personen auf eine Person einschlugen, die schon blutend am Boden lag. Dabei wollten alle das Alphatier in der Gruppe sein und die Schlägerei anführen. Das war schon sehr erschreckend.

Haben Sie eine Erklärung für die zunehmende Brutalität?
Ich spüre eine Zunahme an Gruppierungen. Was als Streit zwischen zwei Menschen beginnt, endet oft in einer Gruppendynamik, bei der sich Menschen mit dem Täter solidarisieren und in die Schlägerei verwickelt werden. Die Allgemeinheit schützt in der Regel oft eher den Täter als das Opfer. Als Security-Mann ist man dann der «Buhmann».

Welche Rolle spielen Alkohol und Drogen?
Alkohol und Drogen spielen eine sehr grosse Rolle. Sie waren schon immer da, heute passiert der Konsum aber öffentlicher als früher. Eine Pille wird nicht versteckt eingenommen. Bei Frauen gibt es leider auch immer mehr Fälle mit der Vergewaltigungsdroge GHB. Frauen werden dadurch offener und williger, merken aber selbst nicht, dass sie unter Drogeneinfluss stehen. Erst kürzlich hatte ich einen solchen Fall: Eine Frau kam zu mir, weil sie befürchtete, dass ein Unbekannter ihr Drogen in den Drink gemischt hatte. Als ich den Verdächtigen stellte, wollte er mir die Tasche nicht zeigen. Die Polizei fand anschliessend eine so grosse Menge an GHB, wie ich sie zuvor noch nie gesehen hatte. Ich erlebte allein dieses Jahr schon sieben solcher Fälle.

Was kann ich als Partygänger tun, wenn ich so etwas beobachte?
Bei Gewalt rate ich davon ab, sich einzumischen. Vielmehr würde ich jeden Verdacht sofort der Security melden. Der Türsteher ist oft matchentscheidend. Um in einer hitzigen Situation entsprechend zu reagieren, braucht es Erfahrung und Menschenkenntnis. Normale Partygänger bringen das nicht mit. Denn während ich schon unzählige Situationen entschärft habe, ist eine solche Situation für alle anderen oft die erste. Wir arbeiten Hand in Hand mit der Polizei zusammen und wissen genau, wie in einer entsprechenden Situation reagiert werden muss.

«Angriffe im Ausgang werden immer brutaler»

(anp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Don Miguel am 05.09.2018 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon lange so!

    Ich bin seit über 20 Jahren regelmässiger Partygänger und war über 10 Jahre bei der Polizei und meine Wahrnehmung ist, dass die Gewalt Ende 90er markant zugenommen hat und die Abnahme welche die Statistiken ausweisen gar nie statt gefunden hat! Tatsächlich handelt es sich meistens um Antragsdelikte, will heissen das Opfer muss die Polizei rufen und Strafantrag stellen. Da den Tätern aber aufgrund unseres Strafrechts null und nichts passiert und dies inzwischen den meisten auch bewusst ist, melden sich viele Opfer gar nie bei der Polizei!

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  • Q.A am 05.09.2018 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daheim ists am schönsten

    Äh jo darum bleibe ich zu Hause und feiere mit Freunden im heimischen Garten, dass spart Geld und man muss den Heimweg nicht suchen

  • Marc am 05.09.2018 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nutzlise Justiz

    Tja, Politik und vorallem Justiz schauen zu. Schlimmer mit den Pseudostrafen encouragieren sie die Straftter

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ex Witikon Mitarbeiter am 06.09.2018 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Juhu

    Hey Bruno! Ich hoffe du hast deine Lehre als Pflegefachmann dieses Jahr bestanden! Alles gute.!

  • tinu am 06.09.2018 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt da eine Gleichung

    ...und die lautet folgendermaßen: je mehr Fremde = desto mehr brutale Gewalt. Kann man in der Schweiz ab 1990 beobachten, vorausgesetzt man will sich der Realität zuwenden..

  • Antifem am 06.09.2018 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Gewalt gegen Männer?

    Frage: Nimmt nur Gewalt gegen Frauen zu oder Gewalt gegen Frauen und auch Männer insgesamt? Falls Zweiteres zutrifft: Warum wird es nicht erwähnt?

  • Rudi Rüssel am 06.09.2018 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Kokain

    Meiner Meinung und Erfahrung nach hat das Hauptproblem ein Name: Kokain

  • Peter Vogel am 06.09.2018 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ein schlechter

    Die CH Justiz ist einfach ein Witz.