Gefaktes Stalking

19. Dezember 2018 11:08; Akt: 20.12.2018 10:40 Print

«Antonella zahlt dafür mit ihrer Glaubwürdigkeit»

Influencerin Sylwina ist sauer: Dass eine Influencerin Stalking vortäusche, gehe zu weit. Antonella Patitucci selber will sich nicht äussern.

Mit ihrem Video versetzte Influencerin Antonella Patitucci die Social-Media-Community in Aufruhr. (Video: 20 Minuten)
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Influencerin Antonella Patitucci schockierte ihre Follower mit vermeintlichen Beweisen für einen Stalker, der sie auf Schritt und Tritt verfolgte. Sie habe Angst, werde deswegen offline gehen und rechtliche Schritte prüfen, kündigte die Schweizerin am Sonntag an. Kurze Zeit später stellte sich die ganze Geschichte jedoch als Fake heraus. Patitucci verriet, von der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK für die Kampagne Netzschatten engagiert worden zu sein. Diese fordert einen Straftatbestand für Cyber-Stalking.

Influencerin Sylwina, die vor dem Auffliegen der Fake-Story noch ihre Solidarität mit Patitucci bekundet hatte, ist sauer. Sie habe nicht gewusst, dass die Geschichte ein Fake sei, und habe Angst gehabt, sagt Sylwina aufgewühlt. «Ich ging von einem kranken Stalker aus, der mich und meine Freunde auch auf dem Radar hat.» Zahlreiche Freunde hätten sich bei ihr gemeldet, weil ihnen auf Instagram plötzlich ein Account namens antonella_patitucci_live gefolgt sei. Der Account zeigt Fotos, die der vermeintliche Stalker von Patitucci gemacht haben soll.

Schweizer Influencerin inszeniert Stalking-Vorfall

«Die ZHdK hat Grenzen überschritten

Auf ihre Influencer-Kollegin sei sie nicht wütend, so Sylwina. «Ich vermute, dass Antonella das Angebot annahm, weil sie ihre Reichweite für einen guten Zweck nutzen wollte.» Leider habe sie stattdessen aber ihren Ruf aufs Spiel gesetzt. «Sie zahlt dafür jetzt den höchsten Preis – mit ihrer Glaubwürdigkeit.» Zudem befürchtet Sylwina, dass echte Stalking-Opfer nun noch mehr um Glaubwürdigkeit kämpfen müssten. «Ich ziehe die ZHdK zur Verantwortung.» Die Studentengruppe der Kampagne habe die Grenzen des guten Geschmacks überschritten. «Es wäre auch völlig unangebracht, wenn ich behaupten würde, HIV-positiv zu sein, um vor HIV zu warnen.»

Auch Influencerin Sarah Leutenegger hatte Patitucci nach dem Vorfall viel Kraft gewünscht. Auf Anfrage von 20 Minuten schreibt die Frau des Ex-Bachelors Lorenzo, von ihr aufgeklärt worden zu sein, als es sehr kritisch gewesen sei. «Ich finde es sehr mutig von ihr, sich für ein so wichtiges Thema einzusetzen.» Auch wenn Patitucci gewusst habe, dass es Menschen gebe, die es nicht verstehen würden, habe sie sich für einen guten Zweck eingesetzt. «Und ich weiss aber auch, dass sie selbst erschrocken über das Ausmass war.» Sie sei froh und erleichtert, dass es ihr nun gut gehe, und werde sie und das Thema unterstützen, so Leutenegger.

«Ich würde es niemals so machen»

Auch Bachelorette Adela Smajc berichtet, vorzeitig vom Fake-Stalking erfahren zu haben. Sie habe Antonella gesagt, sie wisse selber, was man mache und was nicht. «Ich jedoch würde niemals auf diese Art auf sowas aufmerksam machen.» Man könne auf ein Thema auch aufmerksam machen, ohne andere derart zu beunruhigen.

Nachdem Antonella Patitucci gegenüber 20 Minuten Stellung genommen hatte, zog sie alle ihre Aussagen zurück. Sie äussere sich dazu ausschliesslich in ihren Kanälen auf Social Media, begründete sie den Rückzug.

Bist du Opfer von Stalking? Dann melde dich bei der Polizei. Hier findest du Infos zum Tatbestand des Stalkings von der Schweizerischen Kriminalprävention. Und auch hier findest du Hilfe.

(bz/shy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Meier am 19.12.2018 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ironie

    Irgendwie seltsam: Ihre Follower regen sich darüber auf, dass sie hinters Licht geführt werden und ihnen etwas vorgemacht wird, als ob alles andere, das auf diesen Kanälen geteilt wird, authentisch ist. Zum Schiessen.

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  • Peter Zweifel am 19.12.2018 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das

    Wenn Cyberstalking ein derart grosses Problem sein soll, wären echte Fälle sicherlich zuhauf vorhanden und man hätte auf diese "naive" Fake-Kampagne verzichten können. Das Ziel, in die Medien zu kommen und eine Diskussion anzustossen, mag ja erreicht worden sein. Ich glaube aber nicht, dass es nachhaltig sein wird. Das Thema "FAKE" dominiert zu sehr. Nehmt den normalen politischen Weg, statt die Masse mittels "Influencern" manipulieren zu wollen. Dass sowas von der ZHdK kommt, überrascht nicht wirklich. Keine ernsthafte Hochschule hätte so etwas zugelassen.

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  • Influenza am 19.12.2018 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Schaden für...

    Ziel erreicht, jetzt kennt man sie aber es macht sie nicht spannender. Schlechtes Entschuldigunsvideo und völlig unglaubwürdig. Solche Frauen schaden der Influencer-Szene gewaltig. Man sollte solchen Personen auf keinen Fall folgen und sich neue Vorbilder suchen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc am 19.12.2018 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry

    Aber gerade weil Frauen - mal wieder - ein Gesetz derart missbrauchen könnten, braucht es den Schwachsinn eben genau nicht. Gut demonstriert.

  • mugiwara am 19.12.2018 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    influenca

    alles was im internet steht stimmt.

  • Enttäuschung am 19.12.2018 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Fake bis zum geht nicht mehr

    Ok ,finde ich richtig peinlich.Ich meine dass kann man ja so nicht raushauen und dann später sagen "Fake" ey bitte !! Schade dass Leute beschäftigt sind mit solchen Leuten statt mit Leuten die ECHTE Probleme haben !

  • Bonifatz am 19.12.2018 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uhm...

    Gut gemacht Angela!! Jetzt wird die Thematik noch weniger ernst genommen wegen so einer unüberlegten Aktion. Das war wohl nicht so klug. Immerhin war die Absicht dahinter gutwillig, aber das ganze war trotzdem ein Fehler und hätte besser durchdacht sein müssen. Das war wohl mehr Influenza als Influencen...

  • popi am 19.12.2018 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    #FakeMeToo

    Traurig, das schadet nur den echten Opfern.