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20. Februar 2019 22:04; Akt: 20.02.2019 22:04 Print

«Der Zivildienst ist noch immer viel zu attraktiv»

Der Zivildienst soll unattraktiver werden. Bürgerliche Kreise begrüssen die Massnahmen des Bundesrats, die Grünen drohen mit einem Referendum.

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Der Bundesrat will, dass weniger Personen Zivildienst und stattdessen wieder mehr Militärdienst leisten. Mit den folgenden acht Massnahmen soll der Zivildienst deshalb unattraktiver gemacht und der Wechsel von der Armee her erschwert werden:

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Soll der Zivildienst abgeschafft werden?

• Zivildiensteinsätze können nicht mehr im Ausland absolviert werden.
• Im Rahmen des Zivildienstes sind Einsätze, die ein Human-, Zahn-, oder Veterinärmedizinstudium erfordern, verboten.
• Zivis müssen mindestens 150 Diensttage leisten.
• Für die Unteroffiziere und Offiziere erhöht sich die Zahl der Zivildiensttage um den Faktor 1.5 (vorher: 1.1).
• Zivildienstleistende müssen jedes Jahr einen Einsatz leisten.
Armeeangehörige, welche alle Diensttage absolviert haben, werden nicht zum Zivildienst zugelassen.
• Für Soldaten, die die RS abgeschlossen haben, gilt eine Wartefrist von einem Jahr von der Einreichung des Gesuchs bis zur Zulassung zum Zivildienst.
• Ein Gesuchsteller aus der RS, der bei der Zulassung zum Zivildienst die RS noch nicht beendet hat, muss den langen Zivildiensteinsatz von 180 Tagen spätestens im Jahr nach der Zulassung abschliessen.

Linke schliessen Referendum nicht aus

Die SP und die Grünen verurteilen die Massnahmen des Bundesrates. So meint Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli: «Wenn das Parlament keine abschwächenden Korrekturen vornehmen wird, sehen sich die Grünen gezwungen, ein entsprechendes Referendum des Zivildienstverbandes CIVIVA zu unterstützen.» So findet Glättli weiter: «Solche Massnahmen beweisen, dass die Armee offensichtlich Mühe hat, ihre Notwendigkeit klar aufzuzeigen. Nun versucht sie das auf Kosten des Zivildienstes.»

Auch Schweizer Hilfswerke sprechen sich gegen die Abschaffung aus: Rund siebzig Einsätze hätten Zivildienstleistende im vergangenen Jahr für Schweizer Hilfswerke im Ausland geleistet. Besonders störend sei der Entscheid vor dem Hintergrund, «dass damit die Solidarität der Schweiz untergraben wird», sagte Helvetas-Sprecher Matthias Herfeldt.

Wiedereinführung der Gewissensprüfung

Ganz anderer Meinung ist SVP-Nationalrat Werner Salzmann, der sich die Gewissensprüfung zurückwünscht: «Die von Bundesrat Parmelin präsentierten Massnahmen gehen zwar in die richtige Richtung, aber noch zu wenig weit.» Laut Salzmann sei der Zivildienst «nach wie vor viel zu attraktiv»: «Militärs können auch nicht entscheiden, wann und wo sie Dienst leisten wollen. Im Gegensatz zu den Zivis dürfen sie auch nicht jeden Abend nach Hause.»

(mm/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • cnerz am 20.02.2019 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz

    Wenn zu wenige ins Militär wollen, dann sollte man wohl eher das Militär attraktiver / sinnvoller gestalten. Den Zivildienst wo tatsächlich etwas schlaues gemacht wird unattraktiv machen wird dem Militär auch nichts nützen.

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  • Walter Blum am 20.02.2019 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zivildienst

    Ich als Soldat habe 260 Diensttage geleistet. 260 Tage nichts tun. Heute würde ich Zivildienst leisten, lieber z.B. in einem Pflegeheim die Bewohner unterstützen. PS: das was ich in diesen 260 Diensttagen gelernt habe, hätte man auch in 26 Diensttagen lernen können :)

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  • Jamaika Jamal am 20.02.2019 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frag mich echt....

    Muss ein Zivildienstler im Zug wohl auch seinen Platz frei machen...? ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • tobalo am 21.02.2019 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Ansatz

    Ich verstehe unsere Politiker nicht. Wieso macht man das Militär nicht attraktiver statt den Zivildienst unattkrativer zu machen ? Der richtige Ansatz fehlt.

  • Spanisch Brötli Bahn am 21.02.2019 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer diese Diskussionen

    Ich habe mich nach Rs & 2 WK's für Zivildienst entschieden, da es mir einfach abgelöscht hat in diesem Verein. Ja der Zivildienst ist sehr attraktiv. Ich ging jedoch ohne eine negative Einstellung zum Militär. Leider muss ich einfach sagen, dass man(n) regelrecht zum Zivildienst gedrängt wird, bei den Leuten die dort das Sagen haben. Mit Stolz und Treue zum Vaterland hat das ganze nichts zu tun, denn es geht lediglich darum unterwürfig und gehorsam zu sein. Das grösste Problem ist jedoch das Rumgenörgele resp. diejenigen die sich benachteiligt fühlen. Darum nicht motzen sondern machen.

  • Leutnant am 21.02.2019 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Schlupfloch

    Ob man den Militärdienst nun für nötig hält oder nicht - in der Schweiz gibt es eine DienstPFLICHT. Ich kann es nachvollziehen, dass sich Bürger, welche ein grundsätzliches Problem damit haben, eine Waffe zu tragen, für die Alternative Zivildienst entscheiden. Bei all denjenigen, die sich aber in den Zivildienst "einschleusen" um dem zeitweise unangenehmen Militäralltag zu entflilehen, müsste man aber an das Pflichtbewusstsein appellieren. Das Problem ist nicht der Zivildienst an sich, sondern, dass der Zivildienst als Schlupfloch missbraucht wird, um keinen Militärdienst leisten zu müssen.

  • E.M. am 21.02.2019 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bessere Bezahlung von Soldaten

    Wie wäre es, wenn man die Soldaten und Unteroffiziere besser bezahlen würde als im Zivildienst? Anstatt 62.- plus 5.- Sold, 75.- plus 5.- Sold. Das würde auch einige Personen für den Militärdienst motivieren.

  • Ernst Moser am 21.02.2019 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen

    Junge Männer haben die Wahl wischen Militärdienst und Zivildienst. Eines von beidem müssen sie aber machen. Alle Welt schreit nach Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Warum können Frauen nicht auch wenigstens zum Zivildienst (Alters-/Pflegeheime etc.) verpflichtet werden?