Arm trotz Job

15. Juli 2014 20:28; Akt: 16.07.2014 09:04 Print

«Armut ist eine Form von sozialer Gewalt»

von Romana Kayser - Noch immer leben in der Schweiz viele Personen in Armut, obwohl sie einen Job haben. Linke Politiker wollen die Arbeitgeber zur Verantwortung ziehen, Bürgerliche appellieren an die Eigenverantwortung.

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Trotz Arbeit leben 130'000 Menschen in der Schweiz unter der Armutsgrenze. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Gemäss den jüngsten Berechnungen des Bundesamtes für Statistik (BFS) waren im Jahr 2012 in der Schweiz 590'000 Personen arm – das entspricht einer Armutsquote von 7,7 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist sie damit etwas gestiegen, seit 2007 hat sie hingegen um 1,6 Prozent abgenommen.

In der Schweiz gilt als arm, wer nicht genügend Geld hat, den allgemeinen Lebensunterhalt, die Wohnkosten sowie die Versicherungen zu bezahlen. 2012 betrug die Armutsgrenze für Einzelpersonen rund 2200 Franken und für zwei Erwachsene mit zwei Kindern rund 4050 Franken. Rund 130'000 Personen erreichten diese Grenze nicht, obwohl sie einer Arbeit nachgingen.

Gesamtarbeitsverträge gefordert

Für SP-Nationalrat und Gewerkschafter Corrado Pardini ist dies eine beschämende Tatsache: «Es ist unwürdig, wenn man in der Schweiz arbeitet und trotzdem arm ist.» Generell sei die Armut in der reichen Schweiz «ein unnötiger Schandfleck, den man ausmerzen muss». Die Mindestlohn-Initiative wäre laut Pardini ein Instrument gewesen, um Armut von Erwerbstätigen zu bekämpfen. Nachdem die Initiative im Mai jedoch an der Urne kläglich gescheitert ist, sieht Pardini nun die Arbeitgeber in der Pflicht. Er erinnert sie an die im Abstimmungskampf gemachten Versprechen, Gesamtarbeitsverträge mit Mindestlöhnen abzuschliessen.

Kein Gehör für Pardinis Kritik hat hingegen FDP-Nationalrat Ruedi Noser. «So wie das Bundesamt für Statistik Armut definiert, kann man sie gar nicht zum Verschwinden bringen.» Es sei positiv, dass die Armutsquote rückläufig sei. «Die Schweiz macht einen hervorragenden Job.» Darüber hinaus seien keine Massnahmen nötig: «Der Staat hat nicht die Aufgabe, die Leute vor Armut zu schützen.» Er gewährleiste den Menschen eine minimale Existenzsicherung und ermögliche den Bürgern Bildung. Eine gute Bildung schütze am effektivsten gegen Armut, ist Noser überzeugt. «Der Rest liegt in der Eigenverantwortung jedes Einzelnen.»

Alleinerziehende unterstützen

Konkrete Lösungsansätze zur Armutsbekämpfung sieht hingegen SP-Ständerat und SGB-Präsident Paul Rechsteiner. Er ortet vor allem bei den sensiblen Gruppen von Alleinerziehenden und alleinstehenden Rentnern Handlungsbedarf: «Die Kinderzulagen sind in vielen Kantonen noch immer viel zu tief. Hier könnte man arme alleinstehende Eltern wirkungsvoll unterstützen.»

Umgekehrt warnt er vor den Folgen geplanter Kürzungen im Rahmen der Rentenreform. «Diese gehen in eine völlig falsche Richtung und verstärken die Altersarmut.» Aus Rechsteiners Sicht ist die Schweiz angesichts der Armutszahlen nun stark gefordert. «Armut ist eine Form von sozialer Gewalt, die die Lebensperspektiven stark einschränkt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beat am 16.07.2014 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    SP = Soziale Gewalt!

    «Armut ist eine Form von sozialer Gewalt» aber "Steuern, Gebüren, Abgaben, Eigenmietwert, überteuerte Krankenkassen, immer Steigende Lohnabgaben, Lohnabhängige Bussen und Gebühren, ignorieren von Volksentscheiden usw. ist auch SOZIALE GEWALT!!!!!" Die Sozialisten beuten und pressen normal verdienende Arbeitnehmer langsam so fest aus, und unterdrücken sie mit immer neuen Gesetzen und Zwängen, das ist für mich SOZIALE AUSBEUTUNG ODER SOZIALE GEWALT!!!!!

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  • Bravissimo am 16.07.2014 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Reich und Schön

    "In der Schweiz gilt als arm, wer nicht genügend Geld hat, den allgemeinen Lebensunterhalt, die Wohnkosten sowie die Versicherungen zu bezahlen.". Okay. Das heisst man kann den Betrag schön ausrechnen. Weil alles teurer wird, steigt auch der Betrag jährlich. Und somit gehen dem Sozialstaat die Armen niemals aus. Da schliesst sich der Kreis! :-)

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  • jojojo am 16.07.2014 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armut!?

    jjaa logo! Schaut euch mal an was wir alles bezahlen müssen und wie viel. Wie z.B BILLAG, für was??!! jaja für TV und Radio. Nur abzocken bis nicht mehr geht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • CorBur am 16.07.2014 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Verhütung und Armut

    Abpropro Verhütung und Armut.... Ich wollte erst ein Kind nach der Ausbildung etc. Also frühstens mit 23 Jahren aller feühstens. Doch wenn man seit dem 11 lebensjahr die Pille nimmt und sich bei Medis absichert wegen Aufhebeung etc. Nach mehr als 3 Jahren beziehung legt man den Pariser ab wenn man vertraut. Und ich damals 18Jahre alt wusste da nicht das Clomifen die Pille aufhebt obwohle mein Frauenarzt sagte die 2 harmonieren gut miteinander. Und bis ich merkte ich war schwanger war eine Abtreibung nicht mehr möglich. Also nicht jeder wollte vl.bewusst Kinder trotz kaum Finanzen.

  • DenktWeiter am 16.07.2014 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Mittelklasse Verarmt

    Die Schweizer in der Schweiz / Dass Verratene Volk : Wir viele Menschen in der Schweiz drehen jeden batzen jetzt schon drei mal um? Wie viele können sich eine Familie nicht mehr leisten? Wie viele Rentner haben nichts zum leben? Wie viele Ausgesteuerte hat es? Wie viele werden endgültig ins nichts stürzen in den kommenden Jahren? Wie viele Schweizer werden aus Verzweiflung sich dass Leben nehmen?

  • Susanne am 16.07.2014 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was noch?

    In der Schweiz ist NIEMAND am Verhungern und Wohnung, Krankenkasse.. wird wenn nötig auch noch finanziert! Was eigentlich noch? Die Mittelschicht zahlt sich jetzt schon dumm und dämlich an den hohen Sozialkosten. Dass EIN Einkommen nach einer Scheidung nicht für ZWEI Haushalte reicht, ist doch logisch. Und dass man mehrere Kinder auf die Welt stellt, obwohl man sie nicht finanzieren kann, ist auch Eigenverschulden! Das ist nur der Umverteilungswahn der Linken a la Rechsteiner und Co.!

  • Simi am 16.07.2014 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel Gejammer

    Sehr viele Leute fühlen und bezeichnen sich als "arm", nur weil sie sich nicht alles leisten können! Ich arbeite aus voller Überzeugung Teilzeit (ca 60%/Detailhandel) und komme damit über die Runden. Mehr Freizeit zu haben bedeutet mir viel mehr als Geld. Dafür lebe ich aber bescheiden, bin eben KEINE Materialistin, kalkuliere streng und teile mir mein kleines Einkommen sehr gut ein! Für Ferien oder "Extras" spare ich und freue mich dann umso mehr darauf! Mir geht es gut damit, ich fühle mich frei und bin zufrieden!!! Zudem fehlt es mir in keinster Weise an gesellschaflicher Akzeptanz!!!

  • bitte am 16.07.2014 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ironie

    ja los wens an geld fehlt geht zu den banken, die schulden uns ja noch 67 milliarden sfr. von denen wir nie mehr was sehen werden, danke:-)

    • Walter Spahni am 16.07.2014 16:11 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch, gaaaanz falsch!

      Die 67 Milliarden sind schon längst zurückgezahlt und das mit Gewinn! Besser informieren und dann kommentieren!

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