Kritik am Numerus clausus

21. Februar 2018 18:28; Akt: 21.02.2018 18:31 Print

«Arzt wird nur, wer gut für eine Prüfung lernt»

Schweizer Studenten zieht es wegen des Numerus clausus nach Osteuropa. Politiker wollen die Eintrittsprüfung nun abschaffen.

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In der Schweiz kommen auf 2224 Studienplätze in Medizin 6407 Bewerber. Ob man einen Studienplatz erhält, wird meist durch einen Numerus-clausus-Test bestimmt. Nur wer an der Prüfung zu den Besten gehört, darf das Studium überhaupt antreten.

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Um die Chancen auf ein Medizin-Studium zu maximieren, bewerben sich viele Studenten auch im Ausland. Ein beliebtes Ziel ist dabei Osteuropa. Die Universität Iuliu Hatieganu in der rumänischen Stadt Cluj-Napoca verzeichnet einen starken Anstieg der Zahl der Studenten aus der Schweiz.

«Tschechien ist eine echte Alternative»

Auch bei Deutschen ist das Studium in Osteuropa beliebt, weil der Numerus clausus meist aus einem hohen Notenschnitt im Abschlusszeugnis besteht. So sind laut «Spiegel online» 66,4 Prozent aller deutschen Studenten in Ungarn angehende Humanmediziner. Dort gebe es keinen Numerus clausus, die Konkurrenz im Bewerbungsverfahren an der Budapester Semmelweis-Universität sei jedoch gross, schreibt die Plattform Studis-online.de.

Und weiter: «Falls euer Englisch gut und euer Geldbeutel tief genug ist, ist Tschechien eine echte Alternative.» Es gebe beispielsweise an der Karls-Universität in Prag nur einen Aufnahmetest. Auch ein Studium in der Slowakei wird im Internet angepriesen. «Wir vermitteln jedes Jahr auch einige Studenten aus der Schweiz», sagt Andrea Pavlovcinova von der Plattform MEDsk zu 20 Minuten.

Politiker hat Verständnis für Studenten

Für den SP-Nationalrat Angelo Barrile ist das Studium im Osten eine «legale Art, etwas auszubaden, das die Schweiz ihnen eingebrockt hat». Die Begrenzung der Studienplätze in der Schweiz müsse man überdenken.

«Es hat nicht dazu geführt, dass die geeignetsten Personen Medizin studieren dürfen, sondern diejenigen, die sich am besten auf die Numerus-clausus-Prüfung vorbereiten. Daran schuld ist die egoistische Haltung der Schweiz, weniger Ausbildungsplätze anzubieten, als wir wirklich brauchen.»

Darum findet es Barrile verständlich, wenn in der Schweiz abgewiesene Medizinstudenten in Osteuropa eine Ausbildung machen. Die Arztdiplome aus den EU-Ländern seien unseren ebenbürtig. «Und momentan sind so viele Stellen in Spitälern ausgeschrieben, dass wir froh sein müssen, wenn überhaupt jemand diese besetzt – egal, wo er studiert hat», sagt Barrile.

«Numerus clausus ist ein Fehlkonstrukt»

Kritischer sieht das Kathy Riklin (CVP). Es stehe zwar jedem frei, dort zu studieren, wo er wolle. «Allerdings sollten wir die automatische Anerkennung der EU-Ärztediplome nochmals eingehend überprüfen.»

Auch sie sieht keinen Sinn im Schweizer Numerus clausus: «Das ist ein Fehlkonstrukt, das am Ärztemangel in der Schweiz schuld ist und unseren Jungen die Chancen verbaut.» Die vom Bund beschlossene Erhöhung der Studienplätze sei ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

(the/dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. Bakker am 21.02.2018 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde den Fehler

    Es hat jeweils 6000 Studiumsinteressierte, aber nur 2200 werden genommen. In der Schweiz gibt es jedoch einen Ärztemangel und 1/3 sind ausländische Ärzte. Sieht mir nach einem hausgemachten Problem aus.

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  • Sandro77 am 21.02.2018 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    Dann sollte man das Numerus Clausus erhöhen und übrigens schon jetzt sind unsere Spitäler voll von ausländischen Arbeitskräfte. Die KK wird trotzdem nicht günstiger

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  • Kappa77 am 21.02.2018 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dafür wieder einheimische Ärzte

    Ich bin geschäftlich viel in Tschechien und in Brno habe ich eine Gruppe Israelis getroffen die in Brno Medizin und Vet-Med studieren, weil man in Israel ewig auf einen Studienplatz wartet.. Da es bei den Ärzten eine Ost-West Verschiebung gibt, dh Deutsche Ärzte in die CH, Polnische nach D und Ukrainische Ärzte nach Polen, so kommen unsere jungen mit dieser Welle wieder zurück.. Sicher taugt nicht jeder Hoschschul Abschluss auf der Erde gleich viel, aber unterschätzt die Unis im Ost-Europa nicht..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • debs am 21.02.2018 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NC-Flüchtling

    Ich bin selbst NC-Flüchtling und studiere im 6. Semester Veterinärmedizin in Budapest. Das Studium steht dem in der Schweiz in nichts nach. Die meisten Prüfungen sind mündlich und überprüfen das vorhandene Wissen besser als Single-Choice Prüfungen. Ich bin für eine Begrenzung der Studienplätze, da ansonsten die praktische Ausbildung darunter leiden würde. Für mich war es die beste Entscheidung im Ausland zu studieren. Im Ausland auf eigenen Beinen zu stehen ist doch nochmal eine andere Lebensschule als wenn man in der Schweiz studiert und ein internationaler Abschluss schadet nicht.

  • Hussein am 21.02.2018 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    Wir haben viele Unis und zu wenig hoch qualifizierte Personal. Lieber Politiker lassen Sie bitte die guten Schüler Zuhause studieren.

  • Aschi Bern am 21.02.2018 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten im Gesindheitswesen

    Mitte 80er Jahre hat die Schweiz beschlossen, die Anzahl Medizinstudenten zu beschränken, um die Kosten im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen. Studien der Hochschule St. Gallen zeigten damals, dass diese Kosten mit der Anzahl Aerzte korreliert. Leider ging diese Strategie voll daneben. Kosten stiegen trotzdem, und wir haben zu wenig Mediziner.

  • Prof.Dr. Teminus am 21.02.2018 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gleich nicht für Gleiche

    Was ist mit den vielen Deutschen Ärzten in der Schweiz .wurden die getestet ,es gibt ja sogar Scheinärzte die in der Schweiz herumfummeln

  • Blixen am 21.02.2018 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Unterschätzt Rumänien nicht

    Rumänien hat ein sehr gutes Rechtssystem. Die Richter in Bukarest sind 100mal besser ausgebildet als unsere hier. Da kommt nicht jeder Dödel hin sondern muss jahrelang dafür studieren (eigener Studiengang). Da sind intelligente, innovative Menschen daran, ihren Staat aufzubauen. Und so ist es mit den Medizinern. Die betreiben keine Wischi-Waschi-Studiengänge sondern werden auf hohem Niveau ausgebildet. Wenn ich denke, dass unsere Ärzte hier nie (auch schulmedzinische) Alternativen anschauen und aus Gvätterlidenken nix selber hinterfragen, setze ich grosse Hoffnungen in Rumänien.