Gewalt in Bundeszentren

29. August 2016 05:48; Akt: 29.08.2016 05:48 Print

«Asylbetreuer können ein Ausgehverbot verhängen»

Für die SVP haben randalierende Asylsuchende ihr Gastrecht verspielt. Der Bund setzt auf schnelle Verfahren.

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In einer Asylunterkunft in Aarau kam es am 20. August 2016 zu einem tödlichen Streit zwischen zwei Iranern. (Bild: Foto Tele M1)

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In den Asylzentren des Bundes häufen sich die Auseinandersetzungen: Gegenüber den Vorquartalen hat sich die Zahl der Vorfälle im ersten Quartal 2016 verdoppelt. Insgesamt musste das Sicherheitspersonal in den Asylzentren des Bundes 240 Mal intervenieren, obwohl weniger Asylsuchende eingereist sind. In 77 Fällen musste gar die Polizei anrücken.

Grund für die zunehmenden Konflikte ist laut dem Staatssekretariat für Migration (SEM) eine veränderte Zusammensetzung der Migranten. «Die Erfahrung zeigt, dass eine gute Durchmischung und insbesondere die Anwesenheit von Frauen und Kindern das Zusammenleben in den Zentren verbessert» sagt Sprecher Martin Reichlin.

Laut einem internen Bericht des SEM, aus dem die «SonntagsZeitung» zitiert, sorgen insbesondere Asylsuchende aus dem nordafrikanischen Raum für Ärger. Sie haben in der Schweiz kaum Chancen auf Asyl. «Diese Klientel ist dem Alkoholkonsum nicht abgeneigt, gibt sich schon ohne Alkohol unkooperativ und problematisch und wird unter Alkoholeinfluss oft sehr renitent», heisst es im Bericht.

Alkoholverbot in Bundeszentren

Thomas Kunz, Direktor der Asylorganisation AOZ, die auch in Bundeszentren betreut, bestätigt: «Bei Asylsuchenden aus Nordafrika ist Alkohol häufiger ein Thema.» Während des Arabischen Frühlings, als viele junge Männer aus Nordafrika in der Schweiz Asyl ersuchten, sei das Gewaltproblem aber grösser gewesen als im Moment.

Laut Kunz ist Alkohol in den Bundeszentren generell verboten. «Kommen Asylsuchende alkoholisiert ins Zentrum, kommen sie nicht in ein 10er-Zimmer, sondern werden separat ausgenüchtert.» Die Asylbetreuer könnten auch Sanktionen wie ein Ausgehverbot erlassen.

Weiter will SVP-Asylpolitiker Andreas Glarner gehen. Er fordert er eine «Politik der Nulltoleranz»: «Nach einem feucht-fröhlichen Fest kann man mal etwas angetrunken sein. Wer aber randaliert und Gewalt anwendet, hat keinen Anspruch auf Asyl – sei es innerhalb oder ausserhalb des Zentrums.»

Leute, die echt verfolgt sind, seien dankbar, in der Schweiz aufgenommen zu werden und würden sich anständig verhalten. Die Vorfälle zeigten, dass die Schweiz noch immer die falschen Leute anziehe.

Mit Beschäftigung gegen den Streit

Laut SEM-Sprecher Martin Reichlin haben disziplinarische Auffälligkeiten allerdings Einfluss auf den Asylentscheid. «Geprüft wird, ob eine Person von einer Verfolgung bedroht ist.» Die Gesuche renitenter Asylbewerber würden aber schneller behandelt, damit die Ausreise einer Person bei einem abschlägigen Entscheid möglichst schnell in die Wege geleitet werden kann.

Auch AOZ-Direktor Kunz sieht in schnellen Verfahren, wie sie die Asylreform bringen soll, ein wirksames Mittel gegen Konflikte in Asylzentren. Wirksam sei auch die Beschäftigung von Asylbewerbern: «Wer nicht wochenlang herumlungert, hat auch weniger Zeit, Alkohol zu trinken.» Beschäftigungsprogramme seien aber nicht überall gleich gut möglich, da dies von den lokalen Gegebenheiten abhängig sei.

(daw)