Studierte Politiker

07. Juli 2014 05:56; Akt: 07.07.2014 10:12 Print

«Auch Akademiker können volksnah sein»

von Romana Kayser - Generationenkonflikt in der SVP: Während SVP-Urgesteine den Trend zu mehr Akademisierung in ihren Reihen beklagen, geht die Jungpartei an Universitäten auf Mitgliederfang.

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Juristen und Ökonomen anstelle von Bauern und Gewerblern. Der Strukturwandel seiner Partei ist SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi ein Dorn im Auge. Jüngst polterte der ehemalige Schreinermeister gegen studierte Politiker – insbesondere gegen weibliche Akademikerinnen. Es sässen zu viele Juristen und viel zu wenig Unternehmer und Handwerker für die SVP im Parlament.

Auch alt Bundesrat Adolf Ogi beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. Gegenüber Radio SRF kritisiert Ogi, der selbst auch keinen Uni-Abschluss hat, dass die SVP sich zu sehr auf Akademiker ausrichte und dafür das Gewerbe, die Landwirtschaft und das Bürgertum vernachlässige. Er fordert seine Partei auf, mehr Nachwuchsförderung im Gewerbe zu betreiben.

Auf Mitgliederfang bei den Studenten

Gerade dort geht der Trend aber in die andere Richtung. Seit Anfang Jahr versucht die Junge SVP, an Schweizer Hochschulen eigene Sektionen zu gründen, um sich in der akademischen Welt besser zu verankern. «Wenn wir mehr Studenten haben, können wir unsere intellektuelle Basis ausbauen und in universitären Kreisen der linken Vorherrschaft Gegensteuer geben», sagt Anian Liebrand, Präsident der Jungen SVP.

Im Gegensatz zu seinen älteren Parteikollegen wertet Liebrand die zunehmende Akademisierung innerhalb seiner Partei als positiv: «Ich sehe das überhaupt nicht als Nachteil. Wir brauchen die besten Leute und müssen in allen Fachbereichen stark vertreten sein.» Zudem ist er überzeugt, dass Studierende voll ins Konzept der Volkspartei passen. «Auch Akademiker können sehr volksnah und praxisorientiert denken.»

Bauern sollen in der Mehrheit bleiben

Der Generationenkonflikt manifestiert sich insbesondere bei der Zürcher SVP. Wo einst Schreiner Toni Bortoluzzi oder Bauer Max Binder im Zentrum standen, prägen heute studierte Politiker wie Jurist Gregor Rutz das Parteibild. Werden in der SVP die Büezer bald vollständig von den Studierten verdrängt? Liebrand winkt ab: «Wir wollen zwar mehr Studenten in der SVP, aber mit dem richtigen Mass. Die Akademiker dürfen nicht überhandnehmen. Das wäre für eine Partei mit unserer Tradition nachteilhaft. Das Gleichgewicht muss stimmen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • t85sg am 07.07.2014 07:27 Report Diesen Beitrag melden

    Spannend...

    Beim Wort "Dauerstudent" fallen immer nur die Namen Wermuth und co. Dass aber Lukas Reimann seit nun 13 Jahren seinem Ius-Abschluss hinterherhinkt, wird gerne ausgelassen...als würde man ihm die Zeit als "Vollblutpolitiker" bei der SVP als Berufsausbildung anrechnen...

  • Malato am 07.07.2014 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Volksnah = Kontake

    Volksnah meint, dass man das Volk zuhört. Nicht alle Personnen können das. Egal ob Akademiker oder nicht akademiker. Das Politiker können meistens gut reden aber nicht zuhören. Das ist das Problem. Sonst könnte man sich auch fragen: kann jemand sehr reich (z.B. Blocher) volksnah sein?

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  • Lena am 07.07.2014 06:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Austrittsgrund

    Ich war auch mal politisch aktiv. Zwar nicht in der SVP, aber das Problem mit dem Hochschulwahn scheint mir Parteiübergreifend. Es ging immer nur um die Studis. Bei jeder einzelnen Diskussion standen sie im Mittelpunkt. Beim Problem "bezahlbarer Wohnraum" waren es sie, die unterstützt werden mussten, beim Thema Bildung war das ganze Geld der Uni zu überweisen und Krankenkasse und öv waren gefälligst auch gleich zu erstatten. Brachten Leute wie ich (gut ausgebildet, mit gutem Job, aber halt eben nicht studiert) dann mal eine Idee auf den Tisch, wurde man schräg angeschaut. Elitäres Gehabe!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pipo am 07.07.2014 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Heilige SVP Dreifaltigkeit

    Amüsant aber auch tragisch, der SVP wird einmal mehr systematischer Betrug nachgewiesen und niemand stört das hier, die Bösen sind ja immer die Linken und die Grünen - was für ein verzerrtes Realitätsempfinden. Die SVP scheint hierzulande Narrenfreiheit zu haben, wenn es darum geht, das Volk an der Nase herumzuführen. Es wäre einfach, die Zahlen zu vergleichen, der Link dazu ist ja oben zu lesen, aber wer braucht schon Fakten, wenn billige Polemik sich so schön heimisch anfühlt.

  • tamalito am 07.07.2014 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Liberaler

    Jegliche Extremparteien sind für die Mehrheit der Akademiker nicht wählbar! SVP und SP haben den Anspruch, Probleme soweit zusammenzufassen, dass anschliessend eine 1-Satz Lösung präsentiert werden kann. Das können die wenigsten Studierten unterstützen! Btw. wenn man hier im Forum jeweils die Kommentare liest, dann bin ich froh, dass wir eine bürgerliche, studierte Mehrheit im BR und Parlament haben. Das Leben ist nämlich nicht schwarz/weiss und auch einiges verworrener und komplexer als einige Leute denken!

    • Reto am 07.07.2014 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Blablubb

      Nichts für ungut aber gesunder menschenverstand hat ja mal garnichts mit studiert oder nicht studiert sein zu tun.

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  • Dr. am 07.07.2014 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schmarren

    Des Schweizers liebstes Hobby: Akademiker-Bashing. Lächerlich und traurig zugleich.

  • Schweizer am 07.07.2014 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hass auf Akademiker

    Wenn Neid und Missgunst Studienrichtungen wären würde die Schweiz vor Professoren nur so strotzen ;)

  • Arbeiter am 07.07.2014 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neid Neid Neid

    Unglaublich wie die Anti-Akademiker Einträge hier vor Neid triefen. Werdet erwachsenen. Nein, ich hab nicht studiert.