Für Gleichberechtigung

15. Mai 2019 09:45; Akt: 15.05.2019 09:45 Print

«Auch Männer sollten an den Frauenstreik»

Viele Frauen wollen am 14. Juni ihre Arbeit niederlegen, um ein Zeichen gegen Ungleichheit zu setzen. Doch nicht alle können oder wollen am Frauenstreik teilnehmen.

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Barbara, Reisefachfrau

Die Reiseunternehmerin Barbara Wohlfarth (35) sagt: «Ich bin selbstständig. Am 14. Juni werden ich und meine Mitarbeiterin nur im allergrössten Notfall arbeiten. Offiziell ist das Büro geschlossen.» Den Kunden gegenüber werde sie als Anlass den Frauenstreik nennen. Wohlfarth hofft auf positives Feedback im Hinblick auf diese Entscheidung, die meisten ihrer Kunden seien weiblich. «Der Streik soll sichtbar machen, dass Frauen noch immer sehr unter der Nichtvereinbarkeit von Job und Familie leiden.»

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat Wohlfarth deshalb gewagt, weil es in ihrem Wohnort während der Schulferien keine Betreuungsmöglichkeit für ihre Tochter gab. «Wir leben diesbezüglich einfach noch hinter dem Mond. Das muss sich dringend ändern, und deshalb ist der Frauenstreik so wichtig.» Die Mutter einer Tochter hofft, dass auch Schülerinnen am 14. Juni die Möglichkeit bekommen, zu streiken. «Wenn bestimmte Schulen ihren Schülern für die Klimastreiks freigeben, dann müssten sie das doch auch für den Frauenstreik tun.»

Nadin, Lagerchefin

Nadin Zürcher (30) wird nicht am Frauenstreik teilnehmen. «Ich selber bin in meinem Arbeitsalltag als Logistikerin und später als Lagerchefin noch nie diskriminiert worden. Ich habe immer gleich viel verdient wie meine männlichen Kollegen und wurde von allen respektiert.» Müller sagt, den Frauen in der Schweiz gehe es verhältnismässig gut. Sie sehe deshalb nicht genau ein, wieso es einen nationalen Frauenstreik brauche.

«Ich würde eher so etwas wie einen Generalstreik von Männern und Frauen befürworten. Da könnte man fordern, dass alleinerziehende Elternteile mehr unterstützt würden – oder auch ein zweiwöchiger Vaterschaftsurlaub.» Zwar sei es in gewisser Weise korrekt, dass Frauen eher vor die Wahl zwischen Job und Familie gestellt würden, dennoch befürworte sie nicht alles, was gewisse Feministinnen forderten, so Zürcher. «Manchmal verkommt Feminismus zu Männerhass. Das ist falsch: wenn Gleichberechtigung, dann in jedem Bereich. Aber eben, da sollten beide Geschlechter gemeinsam dafür kämpfen.»

Nico, Fundraiser

Auch Männer unterstützen den Frauenstreik. Nico (23) zum Beispiel ist Fundraiser für eine Menschenrechtsorganisation und sagt: «Es ist doch lächerlich, dass ein Mann im selben Job mehr Geld verdient als eine Frau, nur weil ihm ein paar Haare mehr im Gesicht wachsen.» Er werde wahrscheinlich nicht teilnehmen, würde es aber begrüssen, wenn auch Männer sich an den Demos rund um den Streik beteiligten. «Gleichberechtigung betrifft die Männer doch genauso wie die Frauen.»

Nico sagt, er empfinde es als unfair, wenn ein Arbeitgeber seinen Mitarbeiterinnen, die am 14. Juni nicht arbeiten wollen, mit Konsequenzen drohe. «Gleichberechtigung hat mit Politik zu tun, und jeder sollte seine politischen Rechte wahrnehmen können. Dazu gehört meiner Meinung nach auch das Streiken.»

Paula, Flugbegleiterin

Paula (19) arbeitet als Flugbegleiterin. Sie wird am 14. Juni auf die Strasse gehen und für ihre Rechte einstehen. Das könne sie aber nur, weil sie an diesem Tag ohnehin Ferien habe. «In meinem Job wäre es sonst nicht möglich, einfach so bei der Arbeit zu fehlen. Der Frauenstreik würde als Grund für eine Absenz kaum toleriert.» Sie finde es aber wichtig, dass die Frauen sichtbar um ihre Rechte kämpften: «Ich habe richtig Lust darauf, ein Zeichen zu setzen.»

(jk)