SP-Frau fordert

30. Juli 2018 18:11; Akt: 30.07.2018 18:24 Print

«Auch Schweizerinnen soll die Pille finanziert werden»

In Luxemburg zahlt der Staat 80 Prozent an die Pille. Bea Heim (SP) will hierzulande nachziehen. Gegner fürchten einen Prämienanstieg.

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Die luxemburgische Einheits-Krankenkasse CNS weitet die Kostenübernahme bei Verhütungsmitteln aus. Ab 1. August können sich Frauen bis zu ihrem 30. Geburtstag 80 Prozent der Kosten für Pille, Hormonpflaster oder Vaginalring erstatten lassen. Das teilt die Regierung am Freitag mit. Bislang lag die Altersgrenze bei 25 Jahren.

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Soll die Krankenkasse die Pille bezahlen?

Anders ist es in der Schweiz: Hierzulande übernehmen Krankenkassen die Kosten der Verhütung nur in Ausnahmefällen, etwa wenn sie aus medizinischen Gründen erfolgt. Alle anderen müssen ihre Verhütungsmittel selbst bezahlen. Pro Jahr kostet die Pille in der Regel 200 bis 300 Franken.

«So können Teenie-Schwangerschaften verhindert werden»

Für SP-Nationalrätin Bea Heim ist dies stossend. «Luxemburg ist hier ein Vorbild für eine moderne Gesundheitsversorgung. Auch Frauen in der Schweiz sollen Pillen, Spiralen und andere Verhütungsmittel von der Krankenkasse finanziert werden. Ungewollte Teenager-Schwangerschaften könnten so verhindert werden, genau wie belastende und teure Abtreibungen.» Denkbar sei eine Kostenübernahme bis zu einem Alter von 25 Jahren. Letztes Jahr kam es in der Schweiz zu 690 Schwangerschaftsabbrüchen bei Teenagern, 2010 waren es noch 1034 Abbrüche.

Zu der Massnahme brauche es eine Informationskampagne in allen Sprachen. «Gerade für Frauen aus patriarchalischen Kulturen können solche Informationen im Sinne ihrer Selbstbestimmung und Gesundheit wichtig sein», sagt Heim. Klar sei aber auch, dass die Frauen über Nebenwirkungen, etwa ein erhöhtes Thromboserisiko vor allem bei Raucherinnen, informiert werden müssten. Eine Kostenübernahme war immer wieder Thema im Parlament. Zuletzt scheiterte 2015 eine Motion von Alt-Nationalrat Antonio Hodgers, der kostenlose Verhütungsmittel für Frauen unter 20 Jahren forderte.

«Am Schluss sollen wir auch noch die Kondome bezahlen»

Gegen eine Krankenkassen-Finanzierung der Pille stellt sich CVP-Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel. «Ich habe in der Vergangenheit immer gegen diese Vorstösse gestimmt. Die Gesundheitskosten steigen ohnehin schon Jahr für Jahr, da können wir nicht immer mehr Sachen in den Leistungskatalog aufnehmen.» Bei der Verhütung seien zudem auch die Männer in die Pflicht zu nehmen. «Verhütung ist nicht einfach Sache der Frauen. Mit Kondomen kann man neben einer Schwangerschaft auch noch gleich eine Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten verhindern.»

Bezahle man den Frauen die Pille, würden sicher auch Forderungen laut, den Männern die Kondome zu bezahlen. «Das ginge dann wirklich zu weit, am Schluss zahlen dies alle mit ihren Krankenkassenprämien.» Dass die Krankenkasse aber Abtreibungen bezahle, sei korrekt. «Tut sie dies nicht, wenden sich Frauen in einer finanziellen Notlage an irgendwelche Kurpfuscher und gefährden so ihre Gesundheit. Wir brauchen aber in der Schweiz eine gute Gesundheitsversorgung für alle», so Humbel.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Never am 30.07.2018 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so en Seich

    jeder ist für seine Verhütung selber verantwortlich, die sollen zuerst die Brillen und die Zähne in die Krankenkasse aufnehmen bevor so etwas an der Reihe ist

    einklappen einklappen
  • Chrigi am 30.07.2018 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Ich schick die Rechnung für meine Kondome auch der Krankekasse... Nein im ernst ich sag nur SP und Bea Heim das reicht ja wohl.

    einklappen einklappen
  • Browns am 30.07.2018 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fair?!?

    Dann aber bitte auch die Kondome für Männer ! Frauen sollten nicht bevorzugt werden in einer ach so Gleichberechtigten Schweiz!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonym am 31.07.2018 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Solidarität

    Es wäre normal, dass alle Verhütungsmethoden zu gleichen Teilen von Mann und Frau getragen werden, finde ich. Und dass Krankenkassenprämien für beide Geschlechter gleich teuer sind.

  • J. J. am 31.07.2018 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht es noch?

    Wer bezahlt das? Ich sehe schon wieder unsere KkPrämien steigen. Ich musste meine Pille und Spirale auch Jahrelang selber bezahlen. Kondome wären im übrigen günstiger und würden auch gegen Krankheiten schützen.

  • Markus am 31.07.2018 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein guter Vorschlag

    Gemäss Medien verursacht jedes Kind 56.8 Tonnen CO2. Eine ungeheure Umweltsünde. Schön, das gerade von der SP dies offenbar ähnlich gesehen wird. Weniger Kinder, besser für das Klima.

  • Anselmo Valsecchi am 31.07.2018 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Familienplanung ist Familiensache!

    Lieber vermehrt Geld für die Prävention in Schulen einsetzen. Das Thema Sex und alles was dazu gehört sollte regelmässig thematisiert werden und es sollte keine Dispens vom Unterricht geben. Und die "Aufklärung und Prävention" sollte objektiv, umfassend und ohne Tabu erfolgen - von Fachleuten, die die Sprache der Jungen sprechen.

  • Beat am 31.07.2018 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich

    Diese SP Leute treiben alle irgendwann in den Ruin. Ich appelliere für mehr Eigenverantwortung. Wer Sex haben kann, soll auch für diese Verhütungsmittel zahlen.