Angriff auf Botschaft in Athen

19. Februar 2019 06:46; Akt: 19.02.2019 06:46 Print

«Schweizer Firmen sollen jetzt Massnahmen treffen»

Extremisten bedrohten einen Mitarbeiter der Schweizer Botschaft in Athen. Die Aktion hat ihren Urspung in der Schweiz. Was heisst das für unsere Sicherheit?

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der Terrorismusexperte Jacques Baud betont: «Klar gibt es auch in der Schweiz anarchistische Aktivisten, die mit Rubikon wohl in Kontakt sind. Solche Gruppierungen machen vor allem Hintergrundlärm und nutzen die Unzufriedenheit von Minderheiten, um mit lauten Aktionen auf Missstände aufmerksam zu machen.» Schweizer Firmen in Athen empfiehlt Jacques Baud (Mitte), sich entsprechend zu rüsten: «Es wäre sicher empfehlenswert, wenn sie nach der Protestaktion in der Schweizer Botschaft sicherheitstechnische Massnahmen träfen. Dabei geht es um Vorkehrungen für Gebäude und Personal.» Linksautonome sind am Montag in den Warteraum der Botschaft der Schweiz in Griechenlands Hauptstadt Athen eingedrungen. Sie verteilten Flugblätter mit dem Spruch «Solidarität für unsere Genossen in der Schweiz». Die Protestaktion dauerte nur wenige Minuten. Sie sollen einen Mitarbeiter bedroht haben. Die Aktivistengruppe Rubikon übernahm im Internet die Verantwortung dafür. Nach ihren Angaben wollten sie sich mit einem Ende Januar in der Schweiz festgenommenen Gleichgesinnten solidarisieren. Der Mann war am 29. Januar von der Zürcher Kantonspolizei festgenommen worden und sitzt zurzeit in Untersuchungshaft. Ihm wird eine Beteiligung an einem Brandanschlag auf den Funkmast Waidberg der Stadtpolizei Zürich (Bild) am 10. Juli 2016 vorgeworfen. Ausserdem soll er am 27. September 2015 an einem Brandanschlag auf Fahrzeuge der Armee in Hinwil ZH beteiligt gewesen sein. Zudem soll er Plakate aufgehängt haben, auf denen zu Sachbeschädigungen und Gewalt gegen Firmen und Personen aufgerufen wurde, die etwa am Bau des Polizei- und Justizzentrum (PJZ) in Zürich beteiligt sind.

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Herr Baud*, die linksautonome Aktivistengruppe «Rubikon» ist in die Schweizer Botschaft in Athen eingedrungen. Wie schätzen sie diese Gruppierung ein?
Jacques Baud: Es handelt sich um eine kleine anarchistische Gruppierung, die seit 2015 vermehrt für solche Aktionen in Griechenland verantwortlich ist. Sie prangert Staatsreformen oder Korruption in Wirtschaft und Politik an. Rubikon will das System aufrütteln und etwas Unruhe stiften.

Rubikon bewegt sich nur am Rande des Terrorismus, aber stets im Graubereich von zivilem Ungehorsam und Anarchismus...
Ja, aus sicherheitspolitischer Sicht sind sie deutlich weniger relevant als spezifische Terroristengruppen. Aber sie machen vor allem Hintergrundlärm. Das heisst, sie nutzen die Unzufriedenheit von Minderheiten, um mit lauten Aktionen auf Missstände aufmerksam zu machen. Diese Aktionen sind zwar radikal, gehen aber meist ohne Verletzte aus.

Die Attacke auf die Botschaft war ein solidarischer Akt der Rubikoner, weil ein Gleichgesinnter der Gruppierung Ende Januar in der Schweiz verhaftet wurde. Dem Mann wird die Beteiligung an Brandanschlägen auf eine Funkstation der Stadtpolizei Zürich (2016) und auf Armeefahrzeuge in Hinwil ZH (2015) vorgeworfen. Wie verbandelt sind die Rubikoner mit der Schweiz?
Es gibt inzwischen zahlreiche solche anarchistisch geprägten Kleingruppierungen in Europa. Die reichen von Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz auch bis nach Griechenland. Das heisst aber nicht, dass Rubikon in diesen Ländern Ableger hat – auch in der Schweiz nicht. Klar gibt es auch hier anarchistische Aktivisten, die mit Rubikon wohl in Kontakt sind. Aber im Allgemeinen sind sie weniger koordiniert.

Wie vernetzt sind diese Gruppierungen in Europa?
Sie sind meist nur lose miteinander vernetzt in Europa. Klar, sie helfen sich in einigen Punkten und haben Sympathien füreinander. Aber sie agieren grundsätzlich immer eigenständig und sind untereinander nur marginal organisiert. Der Hintergrund ist, dass diesen Gruppen eine einheitliche Ideologie oder Doktrin fehlt. Daher schaffen sie es auch nicht, eine grössere Menge Menschen zu mobilisieren.

Vor Jahresfrist attackierten Rubikoner bereits den Sitz von Novartis in Athen. Müssen Schweizer Firmen in der griechischen Hauptstadt in puncto Sicherheit aufrüsten?
Es wäre sicher empfehlenswert, wenn sie nach der Protestaktion in der Botschaft sicherheitstechnische Massnahmen träfen. Dabei geht es aber um die normalen Sicherheitsvorkehrungen für Gebäude und Personal.

Und in der Schweiz selbst? Muss der Bund Massnahmen treffen?
Meines Erachtens überhaupt nicht. Sicherheitspolitisch ist die Aktivistengruppe Rubikon für die Schweiz irrelevant. Auch ähnliche anarchistisch gefärbte Gruppierungen sind so klein, bislang kaum in Erscheinung getreten und daher bezüglich der nationalen Sicherheit irrelevant.

*Jacques Baud ist Terrorismusexperte, Oberst im Generalstab und ehemaliger Analyst des Nachrichtendienstes.

(rol)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Antilinks am 19.02.2019 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Merkt ihr den Fehler

    Der Ausdruck "Aktivist" ist einfach eine Frechheit!! Weshalb wir der Linksextremismus immer so verharmlost!?

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  • Stefan Meier am 19.02.2019 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Linksextreme!

    Linksextreme! Bitte solche Gruppierungen nicht immer als Autonome oder Aktivisten verharmlosen! Bitte als das bezeichnen was sie sind, nämlich Linksextreme.

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  • Denkpause am 19.02.2019 07:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hätte ein Rechtspopulist ...

    ... mit Edelweisshemd auf dem Rütli die Nationalhymne gesungen, würde von einer grösseren Gefahr ausgegangen. Linksextreme geniessen einen gewissen Artenschutz, zu unrecht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anakena am 19.02.2019 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann nichts,

    ich bin nichts, ich bin bei der Antifa.

    • Susi D am 20.02.2019 17:26 Report Diesen Beitrag melden

      Trefflicher

      kann man es nicht sagen :))

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  • Pillepalle am 19.02.2019 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirbelsturm

    Ui, da flogen aber die Fetzen! Das war bestimmt beängstigend für die Angestellten hinterm Panzerglas, als da vorne das Papier herum gewirbelt ist. Hui ui ui...

    • Akronymous am 20.02.2019 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pillepalle

      Und dann die herumschreienden Jugendliche erst, huiuiui, beängstigend

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  • Rubin am 19.02.2019 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Protest

    Ein paar zerschlagene Fensterscheiben, ein paar Protestfassadenflecke am Bundeshaus würden auch der Schweiz gut tun.

    • marko 34 am 19.02.2019 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rubin

      Super

    • Cartman1993 am 19.02.2019 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rubin

      was soll das bringen ausser der verschwendung von Steuergeldern für die Restaurierung?

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  • P Humpel am 19.02.2019 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Prost

    Extremisten, egal aus welcher Ecke, einfach sehr schwierig zu kommunizieren mit solchen Menschen, besser einfach nur ein Bier trinken und nicht diskutieren

  • R. Feller am 19.02.2019 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleiche Verfahren

    Mit Linksautonomen gleich verfahren wie mit Rechtsextremen, dann ist schon viel getan. Aber das geht natürlich in unserer Kuschelgesellschaft nicht.

    • kalsbefä am 20.02.2019 00:29 Report Diesen Beitrag melden

      hajadkalabala

      die werden gleich behandelt. nur dass die linken meist sachbeschädigungen durchziehen und die rechten eher menschen physisch schädigen.

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