Diskriminierung bei Wohnungssuche

09. Juni 2019 21:48; Akt: 10.06.2019 07:45 Print

«Ich hätte einziehen dürfen, mein Mann nicht»

Laut einer Studie haben Menschen mit ausländischem Nachnamen Mühe, eine Wohnung zu finden. Betroffene berichten von ihren Erfahrungen auf dem Schweizer Wohnungsmarkt.

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Gemäss den Autoren einer Studie im Auftrag des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) haben «Personen mit einem kosovarischen oder türkischen Namen eine deutlich geringere Chance, zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen zu werden».

«Mein Mann durfte nicht mit einziehen»

Bestätigen kann dies Leserin Jana S.* Die gebürtige Schweizerin ist in Zürich aufgewachsen. Als sie ihren Mann mit Nachnamen Omar heiratete, erlebte sie zum ersten Mal, mit was für Vorurteilen er sich herumschlagen muss. «Ich wollte zu ihm nach Thun ziehen, habe mit diesem Namen aber viele Absagen bekommen. Da hiess es, wir sollen dahin zurück gehen, wo wir herkommen. Einmal wurde mir sogar gesagt, ich könne einziehen, mein Mann aber nicht.»

Kurz vor der Geburt ihres Kindes liessen sie ihren Namen schliesslich legal ändern. Das kostete 600 Franken. «Auch in den sozialen Medien merke ich den Fremdenhass. Wenn ich mit meinem alten Namen poste, habe ich eine Stimme. Wenn ich mit Omar unterschrieben habe, wurde mir gesagt, ich dürfe keine Meinung haben, da ich keine Schweizerin sei», sagt S.

«Ich bekam eine Absage, mein Kollege nicht»

Ein anderer Leser mit türkischen Wurzeln erhielt monatelang nur Absagen auf seine Wohnungsbewerbungen. Dies verleitete ihn dazu, sich zweimal auf eine Wohnung zu bewerben: Einmal mit seinem richtigen Namen und einmal mit dem Nachnamen eines Freundes: «Ich erhielt eine Absage, aber meinen Kollegen haben sie eingeladen», so der Mann.

«Es kam der gleiche Satz»

Weitere Leser berichten in den Kommentarspalten von ähnlichen Erfahrungen. So hat etwa User Sla86 vor zwölf Jahren auf der Suche nach seiner ersten eigenen Bleibe bei einem Vermieter per Telefon um einen Besichtigungstermin gebeten. Dieser soll jedoch gesagt haben: «Es tut uns leid, die Wohnung ist seit gestern besetzt.»

Als das Inserat zwei Wochen später noch immer online aufgeschaltet war, versuchte der User erneut sein Glück: «Es kam der gleiche Satz wie zwei Wochen zuvor», erzählt er. Kurz darauf bat er seine Freundin – eine Schweizerin – darum, beim gleichen Vermieter anzurufen: «Sie wurde sofort gefragt, wann sie Zeit für eine Besichtigung hat. Mich schockierte das telefonische Aussortieren.»

«Will jedem die gleichen Chancen einräumen»

Ein anderer User ist selbst auch Vermieter und achtet sehr bewusst darauf, niemanden zu diskriminieren. «Entsprechend habe ich auch laufend fremdländische Mieter. Trotzdem zeigt meine Erfahrung, dass ich bisher mit den Schweizern respektive in der Schweiz geborenen im Durchschnitt weniger Aufwand hatte.» Er sehe trotz allem jeden Miet-Bewerber als eigenständige Persönlichkeit an: «Ich will jedem die gleichen Chancen einräumen. Schliesslich gibt es auch Schweizer, mit welchen ich dieselben Probleme hatte.»

*Name der Redaktion bekannt

(rab)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Dieser Hass auf Ausländer lieben wir sehr... Es lebe die Insel Schweiz... – Martial2

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Remo S. am 09.06.2019 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Ich wohne in einem 20 Familien Wohnblock. 15 Namen am Briefkasten kann ich nicht aussprechen.

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  • H.T. SH am 09.06.2019 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Liegenschaft, meine Entscheidung

    Ich nehme an, im Ausland werden auch die Einheimischen bei der Wohnungssuche bevorzugt. Man könnte doch mal darüber eine Studie machen, aber auch diese interessiert wohl niemanden wirklich.

  • Ehemaliger Vermieter am 09.06.2019 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefallen lassen

    Man kann hier nicht alle über einen Leisten schlagen, aber wenn ich Probleme hatte mit Mietern (fehlende Zahlungen bis hin zu gar nicht mehr bezahlen, Streit mit Nachbarn, Sachbeschädigungen usw.), dann waren es halt solche. Und in der Schweiz ist der Mieterschutz so gross, dass es zT bis zu einem Jahr dauerte, bis ich meine Wohnung wieder frei hatte. Es hat nichts mit Diskriminierung sondern viel mehr mit Eigenschutz aufgrund wiederholter schlechter Erfahrungen zu tun. Irgendwann muss einfach Schluss sein. Dennoch habe ich immer allen eine Chance gegeben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hs am 10.06.2019 09:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht von ungefähr

    Ob diese Geschichte so wie dargestellt immer der Wahrheit entsprechen sei dahingestellt. Im übrigen gilt für viele Vermieter der Spruch: "Gebranntes Kind scheut das Feuer."

  • Barbara S. am 10.06.2019 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ein CH-Paar ...

    ohne Migrationshintergrund und sagen von sich sie seien "Eidgenosse". Beide vom Sozialstaat abhängig. Bezahlen die Rechnungen und Mieten nicht. Jammern dann, weil ihnen nicht geholfen wird (Wohnung finden/Umzug etc.) und reklamieren über Ausländer am Sozialtropf. Für alles andere gibt es das Gesetz inkl. Mietrecht nebst anderen Stellen, welche bei der Wohnungssuche in ihrem beschränkten Rahmen helfen können.

  • Stavi am 10.06.2019 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zahlen

    Es würde mich nicht erstaunen, wenn deswegen eine politische Initiative erfolgt. Irgendwann wurde gesagt, es wären höchstens 8'000.... Jedes Jahr überweisen 200'000 Kosovaren geschätzte 1.8 Milliarden Euro in den Kosovo. Geld, dass nie mehr in die CH-Wirtschaft zurück kommt. Und: trotz allem kommen die Leute, beklagen inkl.

  • C.H. am 10.06.2019 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Schuld bei Anderen suchen

    Klischees und Vorurteile kommen nicht einfach aus der Luft. Evtl. sollte jemand mit einem fremdländischen Namen sich in seiner eigenen Kultur umschauen und schauen, was da schief läuft, resp. was nicht in die Schweiz gehört.

  • Peter Kägi am 10.06.2019 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Namen

    Hört auf ich selber Vermieter hab eine Familie aus dem Kosovo super Leute keine Probleme. Ich bin bin auch Mieter in unserem Haus nur Probleme mit Mietern aus der eu (D). Wir Schweizer sollten uns Anpassen. Es kommt nicht auf Namen.