Preisschock im Verkehr

20. Januar 2011 16:07; Akt: 20.01.2011 16:08 Print

«Autofahrer sind keine Milchkühe»

Doris Leuthards Vorschläge zur Finanzierung des Verkehrs stossen auf Widerstand. Die Autofahrer seien keine Milchkühe, rügt die SVP. Die Gewerkschaften wollen mehr Geld für die Bahn.

storybild

Bundesrätin Doris Leuthard gibt den Auto- und Bahnfahrern in Bern den Tarif durch. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Vorschläge des Bundesrates reichen nach Ansicht des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV) nicht aus, um Finanzierungslücken bei der Bahn- und Strasseninfrastruktur zu vermeiden. Er kritisiert insbesondere die geplanten Preisaufschläge bei Bahnbilletten. «Es ist jetzt an der Zeit, das Konzept des umfassenden 'Mobility Pricing' voranzutreiben», fordert der VöV: Wer stark genutzte Verkehrswege befährt, soll dafür mehr bezahlen - auf der Strasse und der Bahn.

Schiene statt Strasse

Kritik üben auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) und die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV): «Die mit der Vorlage beantragten höheren Trassenpreise lehnen sie ab. Diese seien der Anfang vom Ende der bisher «unbestrittenen Verkehrsverlagerung von der Strasse auf die Schiene».

Die Grünen - die wie die SP gegen teurere Zugbillette sind - fordern mehr Geld als geplant für die Bahninfrastruktur. Dafür sollten die Autofahrer verstärkt zur Kasse gebeten werden. Auch die SP will, dass weder die Bahnfahrer noch die Kantone tiefer in die Tasche greifen müssen.

Zugfahrer sollen zahlen

Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG nimmt das Nein des Bundesrats zur VCS-Initiative erfreut zur Kenntnis. Die Neuregelung der Bahnfinanzierung hat nach Ansicht des ASTAG nach denselben Prinzipien zu erfolgen wie die Strassenfinanzierung: «Eine noch stärkere Beteiligung der Bahnbenutzer ist unumgänglich.»

Gar einen Frontalangriff auf die Autofahrer sieht die SVP in den Vorschlägen Leuthards. Sie verlangt, dass der Bundesrat die Beschlüsse sofort rückgängig macht: «Autofahrer und Transportgewerbe dürfen nicht länger als finanzielle Milchkühe missbraucht werden.»

Vignette nicht verteuern

Der TCS wehrt sich gegen die Erhöhung der Mineralölsteuer und der Autobahn-Vignette.

Der Touring Club kritisierte jedoch die Verringerung des Steuerabzugs für Pendler. Viele seien auf ihr Privatfahrzeug angewiesen, um ihrem Erwerb nachzugehen.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maria Sah am 20.01.2011 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Dreht man an der richtigen Schraube?

    Ich bin Langstreckenpendler. Aber mit den Steuern hat dies null und nichts zu tun. Arbeit in der Nähe suchen? Schön wärs, das kann ich nicht aussuchen weil sich die Jobs für mich halt nicht in meiner Region konzentrieren. Dort wohnen ist mir aber zu teuer und zu lärmig. Würde man gezielt die Einzelbillete zu Stosszeiten verteuern, würde sich der Freizeitverkehr zu diesen Zeiten vermutlich verringern, denn diese Leute können im Gegensatz zu den Pendlern wählen.

  • kritisch am 20.01.2011 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Zweiklassengesellschaft

    Das Problem ist u.a. folgendes: Viele Firmen und somit Arbeitgeber sind in den Städten und deren Agglomerationen angesiedelt. Folglich wollen auch viele Leute in der Nähe wohnen und die Wohnungen werden knapp und teuer. Als "Normalsterblicher" kann man es sich oft gar nicht mehr leisten, zentral und somit in der Nähe des Arbeitsortes zu wohnen und muss pendeln. Dass diese Leute nun zusätzlich abgestraft werden sollen, finde ich nicht richtig. Für die weniger gut Verdienenden wird es leider immer schlechter möglich, in der Schweiz "anständig" zu leben.

  • VON MIR! :) am 20.01.2011 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ausländer in den Bundesrat! :D

    Wir brauchen Türken im Bundesrat die können dann mit den Baufirmen mal richtig Märten und so super günstige Arbeiten sichern! p.s ich bin kein Türke aber finde es immer wieder toll wie die feilschen! :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Urban am 23.01.2011 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Billig auf dem Land wohnen und beim Pendeln sparen

    Alles geht einfach nicht Freunde! Ich wäre eher mal dafür, dass alle, die in einer Stadt wohnen, kein GA haben, dass sie nach 3 Monaten pendeln schon rausschlagen und kein Auto besitzen aber am Wochenende den Zug regelmässig benutzen etwas mehr für ihre Treue zur Bahn kriegen würden! Sie sind nämlich die Umweltfreundlichsten und bezahlen die hohen Mieten und Steuern in der Stadt!

  • Leonardo am 23.01.2011 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    DAS CH-VOLK WIRD SCHRITTWEISE VERARRSCHT

    Der BR ist hiermit aufgefordert, ein Einwanderungs-Konzept gegen die masslose Einwanderung zu erstellen - anstatt dauernd neue Problemme zu schaffen - das Rad muss zurück und nicht noch mehr aufgedreht werden. Schafft entlich die hyperaktiven Politiker ab.

  • Marc am 23.01.2011 06:00 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Geld umgehen

    Da der Bund mit dem schon vorhandenen Geld nicht klar kommt, werden einfach die Pendler ausgenommen. Die Politiker sollen nicht einfach mehr Geld zum Fenster hinaus schmeissen!

  • Beat am 22.01.2011 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Benzinsteuer finanziert alles

    Einmal mehr soll also nun die "goldene Kuh" gemolken werden. Und dass unter dem ständigen Vorwand des Verursacher Prinzips. Aber verursachen wir Autofahrer wirklich die Neat, das Defizit bei der Bahn, den Bau des Gotthard-Bahn-Tunel's mit seinem enorm teuren Unterhalt? Es ist bereits jetzt bekannt dass Bie Bahn genau diesen Unterhalt nicht tragen kann. Und oh Wunder, seltsamerweise passt die erhöhung der Treibstoffsteuer zeitlich genau zur Fertigstellung des Tunel's. Das hingegen der Flugzeugtreibstoff mit keinem einzigen Rappen besteuert wird, wird verschwiegen.

  • Alfredo am 22.01.2011 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Pendeln

    Bevor nicht alle anderen Voraussetzungen erfüllt sind, macht es meiner Ansicht nach keinen Sinn, über sinnloses Pendeln zu debattieren. Stellensuchende werden z.B. durch das RAV angehalten, Bewerbungen auch ausserhalb des eigenen Wohnkantones vorzunehmen. Zudem wird eine Mobilität erwartet. Stundenlang im Stau oder in überfüllten Zügen stehen, das suchen sich wohl die wenigsten Menschen gerne aus. Das Bundeshaus müsste demnach an den Wohnort Frau Leuthards verlegt werden. Glaube kaum, dass besagte Person den Weg nach Bundesbern zu Fuss auf sich nimmt.