Deutsche bleiben zu Hause

10. Juli 2015 08:26; Akt: 10.07.2015 16:09 Print

«Bald kommen keine EU-Einwanderer mehr»

Laut Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP) ist die Schweiz für EU-Fachkräfte nicht mehr attraktiv. Gehe dies so weiter, erübrigten sich die Verhandlungen mit Brüssel.

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In einem Gastkommentar in der «Basellandschaftlichen Zeitung» äussern Sie Ihre Sorge darüber, dass bald keine EU-Bürger mehr in die Schweiz einwandern. Warum?
Tatsache ist, dass die Deutschen nicht mehr in die Schweiz kommen. Laut den Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) sind netto gerade noch 6800 Deutsche in die Schweiz eingewandert – 2008 waren es noch 29'000 Personen. Bald werden mehr Deutsche ab- als einwandern. Die Zuwanderung aus den EU-/Efta-Staaten ging ebenfalls um 25 Prozent zurück und lag unter dem Durchschnitt der letzten sechs Jahre. Das wird uns noch wehtun, denn die Wirtschaft ist auf gut qualifizierte Fachkräfte angewiesen.

Das Volk hat sich ohnehin für eine Reduktion der Zuwanderung ausgesprochen. Und statt der Deutschen kamen mehr Portugiesen, Spanier, Italiener und Osteuropäer.
Das ist so. Aber gerade die Deutschen haben gute Ausbildungen und stehen uns sprachlich und kulturell sehr nahe.

Sie sehen also eine Trendwende bei der Zuwanderung aus dem EU-Raum?
Ja, die Einwanderung ist am Kippen. Die Schweiz hat an Attraktivität eingebüsst. Und ich befürchte, dass bald nicht nur die Deutschen, sondern auch Fachkräfte aus anderen Ländern nicht mehr kommen.

Warum ist die Schweiz in Ihren Augen nicht mehr attraktiv?
Es hat eine Entzauberung stattgefunden. Teure Mieten, hohe Krankenkassenprämien und lange Arbeitszeiten führen dazu, dass unter dem Strich kaum etwas bleibt. Zudem werden gerade die Deutschen in ihrem Heimatland gebraucht, weil die Wirtschaft boomt. Deutsche Spitäler setzen mit Lohnerhöhungen Anreize, dass deutsche Ärzte bleiben. In der Schweiz fehlt dagegen die Wertschätzung. Viele haben wegen des Deutschen-Bashings und der Masseneinwanderungsinitiative das Gefühl, nicht wirklich erwünscht zu sein. All das führt dazu, dass ein Deutscher mehr davon hat, wenn er zu Hause bleibt.

Sie schreiben: «Wenn es so weitergeht, können wir uns die Verhandlungen über die Bilateralen sparen.» Meinen Sie das ernst? Soll sich der Bundesrat jetzt einfach zurücklehnen, obwohl ihm das Volk den Auftrag gegeben hat, die Zuwanderung wieder selbst zu steuern?
Wenn sich der Trend fortsetzt, löst sich das vermeintliche Problem der Zuwanderung vielleicht tatsächlich von selbst. Ich hebe einfach den Warnfinger und sage, dass wir den Trumpf, für gescheite Köpfe attraktiv zu sein, nicht einfach aus der Hand geben sollten. Leider wird in der Diskussion über die Zuwanderung aus der EU zu oft mit jener über die Migration aus Drittstaaten oder dem Asylwesen vermischt.

Mit der Haltung, dass man einfach mal abwarten sollte, bis sich das Problem von alleine löst, werden Sie den Zorn der SVP auf sich ziehen.
Das bin ich gewohnt. Ich sage ja auch nicht, dass man nichts tun soll. Über einen Inländervorrang kann man durchaus diskutieren. Und in den Kantonen, wo es viele Grenzgänger gibt, kann man flankierende Massnahmen ergreifen.

Welchen Tipp würden Sie dem neuen Schweizer Chefunterhändler geben, der in Brüssel die Kohlen aus dem Feuer holen soll?
Ich bin nicht der Meinung, dass das Volk sich mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative für eine Aufkündigung der Personenfreizügigkeit und gegen die bilateralen Verträge ausgesprochen hat. Es ist schwierig, einen Ratschlag zu geben, aber ich traue dem Bundesrat und unseren Diplomaten eine Lösung zu, die der Wirtschaft weiterhin den Zugang zu Fachkräften sichert.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom am 10.07.2015 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo lebt die Frau?

    Die Einwanderung hat 2014 und 2015 neue Höchstwerte erreicht. Wie man da auf eine Trendwende schliessen kann ist mir ein Rätsel.

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  • Gentleman am 10.07.2015 08:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir kommen auch selber zurecht

    Ich wundere mich andauernd ab unseren Wirtschaftexperten wir hätte zuwenig Qualifizierte Fachkräfte! Wir müssten nur die Kriterien und Anforderungen in der Ausbildungsbranche ändern und mehr auf Talent und Auffassungsgabe schauen statt nur auf die Noten , dann hätten Wir hier genug Potenzial um Fachkräfte selber auszubilden!

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  • Mile am 10.07.2015 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber eben!

    Oh es kommen keine EU Bürger mehr! Einfach zum lachen! Keine Verhandlungen mehr mit Brüssel wäre eine Frechheit!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • nix-interesse am 10.07.2015 21:56 Report Diesen Beitrag melden

    Billige Fachkräfte

    Auf den Punkt gebracht, geht es den Firmen nur um Gewinnoptimierung. Wir haben ein riesen Problem Leute! Momentan scheint die Politik fast durchgehend gegen das Volk zu arbeiten. Noch schlimmer, sie tischen uns Unwahrheiten auf und versuchen uns mit Angstmacherei zu täuschen. leider klappt das immer wieder. Wacht auf und informiert euch so breit wie möglich bevor ihr einem Politiker was glaubt. Bekämpft die jetzige Politik mit allen Mitteln (Abwählen was geht).

  • ping_pong am 10.07.2015 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    so ein Blödsinn

    kommen denn nur Deutsche Einwanderer aus der EU?? Was ist mit all den Süd- und Osteuropäern? Die Zuwanderung wird sich ohne Beschränkung noch beschleunigen. Aber bei gewissen Politikern ist diese Einsicht nicht vorhanden. Die 10 Millionen Schweiz 2035 lässt grüssen.

  • DenktWeiter am 10.07.2015 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Hallelujah?

    Sehr kurz gedacht. Wenn die TTIP einsetzt in der EU werden wir ein, zwei Jahre später dann sehen wie der Hase läuft. Die gute Frau hat auch vergessen das die "Flüchtlinge" die dann vermehrt ins Tessin hineinfluten auch nichts anderes als eine Zuwanderung ist. Speziell in unsere Sozialkassen! Freut Euch also auf mehr versteckte Abgaben die unser BR dann geschickt erfinden wird.

  • Pierre de Senarclens am 10.07.2015 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis

    Es ist erschreckend, wie wenig die Kommentatoren hier wirklich verstehen, was die Dame gesagt hat. Sie spricht von einem Rückgang der DEUTSCHEN Einwanderer. Und nicht: von ALLEN Einwanderern. Nicht vom Balkan, nicht von Syrien, nicht von Nordafrika. Dass dort die Zuwanderung zugenommen hat, ist nicht Thema, und das bestreitet sie auch gar nirgends... Und dass ein Fachkräftemangel herrscht, das kann wohl wirklich niemand hier bestreiten.

  • BernieZurich am 10.07.2015 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Beruhigung

    Kleines Beruhigungspillchen, bevor wir dann wieder die verheerenden Statistiken ende Jahr vorgelegt bekommen. War Schneider weiss, warum sie nur der eigenen Statistik traut.