Volksinitiativen

04. März 2020 11:39; Akt: 16.03.2020 12:39 Print

Bauern werben mit toten Äckern für Pestizide

von P. Michel - Ohne Pestizide drohten zerfressene Felder und verdorrte Reben: Mit dieser Kampagne wollen Bauern die Pestizid-Initiativen bodigen. Eine Initiantin ist gelassen.

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Dieser Mais wird von Unkraut befallen. Die Botschaft der Aktion der IG Bauernunternehmen: Es braucht Pestizide, um die Erträge zu garantieren. Mit der Aktion wollen die Bauern im Sommer Stimmung gegen die Pestizid-Initiativen machen, über die wohl im Herbst abgestimmt wird. «Die Verunsicherung bei den Bauern ist gross», sagt Samuel Guggisberg, der Präsident des Verbands, zu 20 Minuten. Viele hätten Angst, dass die Initiativen ihre Existenz bedrohen könnten. Es brauche deshalb eine aufrüttelnde Kampagne, die die «dramatischen Folgen» für die Lebensmittelproduktion in der Schweiz und die Bauern aufzeige. «Wir setzen Pflanzenschutzmittel nicht zum Spass ein», betont Guggisberg. Es gehe darum, die Erträge zu sichern. «Ohne Pflanzenschutz nimmt der ohnehin schon tiefe Anteil der Schweizer Lebensmittel weiter ab, während die Importe steigen.» Die Interessengemeinschaft, der rund 500 Bauern angehören, umgeht mit ihrer aggressiven Kampagne den Bauernverband, der noch im letzten Februar entschieden hatte, dieselbe Aktion «Dein Essen ist in Gefahr!» zu stoppen. Biobauern kritisierten sie als «Täuschungskampagne» und «Verarschung der Bevölkerung». «Das zeigt, dass einige Bauern keine Vision für eine zukünftige, nachhaltige Landwirtschaft haben, ausser weiter mit Pestiziden zu hantieren», sagt Trinkwasser-Initiantin Franziska Herren zur Provokation. Sie glaubt nicht, dass die «Angstkampagne» mit den toten Feldern bei der Bevölkerung verfangen werde, zu gross seit mittlerweile das Bedürfnis nach umweltschonenden und unbelasteten Lebensmitteln. «Bio- und biodynamische Höfe zeigen, dass es schon heute ohne synthetische Pestizide geht.» Sie betont, dass auch bei einem Ja zur Initiative biologische Pestizide erlaubt seien und die Übergangsfrist acht Jahre betrage. «Das ist genug Zeit, um auch die Forschung voranzutreiben, dies ist auch ein Bestandteil der Initiative.»

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Mit Unkraut überwucherter Mais, zerfressene Kartoffelfelder, verdorrte Reben: Im Sommer zeigt die Interessengemeinschaft Bauernunternehmen schweizweit 50 solche «Nullparzellen», die nicht mit Pestiziden «massvoll geschützt werden», um vor den Folgen der Pestizid- und Trinkwasserinitiative zu warnen (siehe Box). Neben den Feldern prangen Schilder, die aufzeigen, wie gross der Ernteverlust wäre, wenn Bauern ihre Pflanzen nicht spritzen könnten: Fast 90 Prozent Ausfall bei den Reben, mehr als 50 Prozent weniger Kartoffeln und Raps. Zusätzlich platziert die Interessengemeinschaft 2000 Informationsschilder an Kulturen, an denen Landwirte Pflanzenschutz einsetzen.

«Die Verunsicherung bei den Bauern ist gross», sagt Samuel Guggisberg, der Präsident des Verbands, zu 20 Minuten. Viele hätten Angst, dass die Initiativen ihre Existenz bedrohen könnten. Es brauche deshalb eine aufrüttelnde Kampagne, die die «dramatischen Folgen» für die Lebensmittelproduktion in der Schweiz und die Bauern aufzeige.

Gäbe es mehr Importe?

«Wir setzen Pflanzenschutzmittel nicht zum Spass ein», betont Guggisberg. Es gehe darum, die Erträge zu sichern. «Ohne Pflanzenschutz nimmt der ohnehin schon tiefe Anteil der Schweizer Lebensmittel weiter ab, während die Importe steigen.»

Die Interessengemeinschaft, der rund 500 Bauern angehören, umgeht mit ihrer aggressiven Kampagne den Bauernverband, der noch im letzten Februar entschieden hatte, dieselbe Aktion «Dein Essen ist in Gefahr!» zu stoppen. Biobauern kritisierten sie als «Täuschungskampagne» und «Verarschung der Bevölkerung», weil Biobauern auch ohne synthetische Pestizide gute Erträge erzielten.

Idee stammt aus der Industrie

Ursprünglich stammt die Idee der Nullparzellen aus Österreich und Deutschland: Die dortige chemische Industrie – darunter Bayer und Syngenta – hatte die Aktion vor drei Jahren lanciert, um die «Gefühlsebene der Konsumenten anzusprechen».

Die IG Bauernunternehmen lässt sich vom Rückzug des mächtigen Bauernverbands und der Kritik der Biobauern nicht beeindrucken: «Wir sind die Männer fürs Grobe», sagt Guggisberg. Und auf Anfrage findet auch der Bauernverband nun, man finde die Aktion doch gut: «So kann man anschaulich zeigen, was je nach Wetter passiert, wenn auf jeglichen Pflanzenschutz verzichtet wird», sagt Sprecherin Sandra Helfenstein.

«Keine Vision»

«Peinlich», findet hingegen Franziska Herren, Initiantin der Trinkwasser-Initiative, die Aktion. «Das zeigt, dass einige Bauern keine Vision für eine zukünftige nachhaltige Landwirtschaft haben, ausser weiter mit Pestiziden zu hantieren.» Sie glaubt nicht, dass die «Angstkampagne» mit den toten Feldern bei der Bevölkerung verfangen werde, zu gross seit mittlerweile das Bedürfnis nach umweltschonenden und unbelasteten Lebensmitteln.

«Bio- und biodynamische Höfe zeigen, dass es schon heute ohne synthetische Pestizide geht», sagt Herren. Sie betont, dass auch bei einem Ja zur Initiative biologische Pestizide erlaubt seien und die Übergangsfrist acht Jahre betrage. «Das ist genug Zeit, um auch die Forschung voranzutreiben, dies ist auch ein Bestandteil der Initiative.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sunflower am 04.03.2020 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry Bauern

    Aber euer Umgang mit Pflanzenschutzmitteln (und welche Gifte eingesetzt werden), ist einfach nicht mehr tragbar. Ich weiss schon, wie ich stimmen werde.

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  • Andy am 04.03.2020 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Werbekampagne

    Sollen wir jetzt mit Parkinson's Kranken, autistischen Kindern und Krebs GEGEN Pestizide werben?

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  • Patrick am 04.03.2020 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Bauern

    Seht das Gift einfach nicht mehr ein. Wenn nicht, dann streichen wir euch die Subventionen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Paul Z. am 05.03.2020 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Die hochsubventionierten CH-Bauern

    sehen wohl ihre Felle davonschwimmen ..... und greifen zu einer weiteren Lügenkampagne. Diese total verlogenen Giftpanscher wollen offenbar weiterhin die Bevölkerung aus reiner Profitgier nach und nach vergiften!!!

  • Tino am 05.03.2020 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naturprodukte nutzen anstatt Giftspritze

    Es gibt genügend natürliche Pflanzenschutzmittel. Die Chemiekäile ist halt für Bauern bequem. Wenns mehr Arbeit gibt, ist die Bevölkerung sicher dazu bereit etwas mehr zu bezahlen. Wer nach Geiz ist Geil futtert, soll sein Giftgemüse "ännet" der Grenze kaufen.

  • Geraldbin am 05.03.2020 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit, der Mensch kann wählen

    Muss angeschrieben werden Frischprodukte mit Pestizide.

    • DG1212 am 05.03.2020 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Geraldbin

      Dann bei Bio als enthält Kupfer

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  • Fredi de Giftler am 05.03.2020 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Fazit

    Es wird Zeit die Brunnenvergifter zur Kasse und zum Ausgang zu bitten. Die anderen können gerne bleiben.

  • Rita am 05.03.2020 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Patrick

    Kein Problem. Subventionen kriegen wir so oder so schon lange nicht mehr. Und falls doch streichen wir euch die Lebensmittel. Ach ja, bringt ja nichts wird eh alles in super Bio Qualität und ohne Chemie aus anderen Länder importiert. Welch ei Glück...

    • Fertiggiftle am 05.03.2020 17:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Rita

      Kein Problem Rita, abgemacht. Subventionen und Direktzahlungen nur noch für echte Bauern (toller Vorschlag). Wenn Du und deine Sorte uneinsichtiger Giftmischer-Bauern mein Trinkwasser weiterhin vergiften, gibt's künftig Ärger. Ihr werdet zur Kasse gebeten.

    • Beat am 05.03.2020 18:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Patrik

      Der Einsatz von Pflanzenschutzmittel hat nichts mit Giftmischen zu tun. Alle eingesetzten Mittel waren bewilligt und von den Behörden zugelassen. Der Einsatz wird zur Ertragssicherung in den Kulturen und die Befriedigung der hohen Ansprüche des Handels und der Konsumenten gemacht. Leider sind nun Abbauprodukte und Spuren von PSM aufgetaucht die mit neuen Messmethoden eruiert werden. Sie sollten dort nicht auf Kosten der Gesundheit vorkommen. Nun besteht Handlungsbedarf. Die Initiative ist aber der Falsche weg. Richtig ist Forschung, Züchtung, alternative Anbaumethoden, umdenken der Konsumente

    • Heidi Heidnisch am 05.03.2020 23:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beat

      Der Umstand dass etwas legal und bewilligt ist, ist noch lange keine Rechtfertigung. Schwer Abhängigkeit erzeugende Opiotide sind in Amerika auch bewilligt, und trotzdem sterben jährlich über 80000 Menschen daran. Das Pferd richtig aufzäumen würde heissen, Bio-Dynamischen Anbau als Normal zu betrachten. Alles andere könnte dann mit bunten Klebern versehen werden, wo die zusätzlich verwendeten "Gifte" mit allen Nebenwirkungen beschrieben sind.

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