Operation im Arosa Bärenland

12. April 2019 09:55; Akt: 12.04.2019 09:55 Print

«Viele werden OP von Bär Meimo live mitverfolgen»

Am Samstag können Sie live einer Bären-OP zusehen: Der leitende Tierarzt erklärt, was auf Bär Meimo zukommt.

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Die beiden Bären Amelia und Meimo, die Anfang Februar aus Albanien nach Arosa transferiert wurden, haben sich bereits sehr gut eingelebt. Sie wurden aus misslichen Haltebedingungen in Albanien befreit und geniessen nun ihr Leben im Bärenschutzzentrum des Arosa Bärenland. Dem Bären Meimo steht nun am Samstag, 13. April 2019, der obligate veterinäre Check-up bevor. 20 Minuten ist mit einem Live-Stream vor Ort und begleitet Meimo vor, während und nach seiner OP. Amelia wird in den nächsten Wochen operiert. Der leitende Tierarzt Wolfgang Zenker wird bei Meimos Operation die verschiedenen Teams koordinieren und mitoperieren. Vorab beantwortet er unsere Fragen. «Die grösste Schwierigkeit liegt darin, dass wir im Voraus nicht genau wissen, ob wir es mit einem gesunden oder kranken Tier zu tun haben.» Bär Meimo kam im Februar 2019 ins Arosa Bärenland. «Leider kommt es oft vor, dass Bären, die wie Meimo und Amelia in Gefangenschaft gelebt haben, aus Langeweile an den Käfigstangen herumbeissen. Dadurch gehen die Zähne kaputt. Der Bären-Zahnarzt wird während der Operation deshalb spontan entscheiden, ob und wie viele Zähne gezogen werden müssen», sagt Zenker. Zenker erklärt weiter: «Hinzu kommt, dass wir die Bären in Vollnarkose versetzen müssen. Das ist nicht ohne Risiko. Ein Bär, der nur leicht narkotisiert wird, ist nämlich immer noch stark genug, um einen Menschen zu töten. Wir können einen Bären nicht einfach wie einen Hund festhalten.» Seine Gefährtin Amelia wird zu einem späteren Zeitpunkt operiert. Bei ihr hat die Kastration noch einen weiteren wichtigen Grund: «Die Kastration des Weibchens bewirkt, dass es möglichst wenig weibliche Gerüche abgibt. So kann verhindert werden, dass es dadurch frei lebende Bären anlockt.»

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Das Arosa Bärenland durfte erst kürzlich zwei neue Bewohner willkommen heissen: Die Bären Amelia und Meimo kamen im Februar aus Albanien ins Bündnerland, wodurch sie aus misslichen Haltebedingungen befreit werden konnten. Am Samstag steht dem Männchen Meimo nun der obligate Check durch den Tierarzt bevor. Dabei wird der Braunbär unter anderem kastriert und sein Gebiss kontrolliert. Das Weibchen Amelia wird in den nächsten Wochen ebenfalls an die Reihe kommen.

20 Minuten begleitet die Operation von Meimo am Samstag live ab 11 Uhr. Der leitende Tierarzt Wolfgang Zenker sagt im Interview, wie die OP abläuft.

Warum wird Bär Meimo am Samstag kastriert?
Die Kastration hat mehrere Gründe. Zum einen ist es so, dass es schlicht zu viele Braunbären gibt, die in menschlicher Obhut leben. In Arosa will man den freien Platz gezielt nur misshandelten Bären zur Verfügung stellen. Das entspricht der Nullzuchtstrategie von Vier Pfoten, denn jeder neugeborene Bär würde einem misshandelten einen Platz wegnehmen. Im Falle von Nachwuchs wäre es ausserdem sehr schwierig, ein geeignetes Zuhause mit genügend Kapazität für die Jungtiere zu finden.

Was passiert mit den Zähnen des Bären?
Geplant ist eine Zahnsanierung. Das heisst, dass sein Gebiss auf Schäden geprüft wird. Es werden aber nur Zähne gezogen, wenn sie nicht mehr zu retten sind. Leider kommt es aber oft vor, dass Bären, die wie Meimo und Amelia in Gefangenschaft gelebt haben, aus Langeweile an den Käfigstangen herumbeissen. Dadurch gehen die Zähne kaputt. Der Bären-Zahnarzt wird während der Operation deshalb spontan entscheiden, ob und wie viele Zähne gezogen werden müssen. So leistet das Zahnarztteam die schwerste körperliche Arbeit. Denn die Zähne eines Bären zu ziehen, ist sehr anstrengend.

Worauf muss bei einer Operation an einem Bären besonders geachtet werden?
Die grösste Schwierigkeit liegt darin, dass wir im Voraus nicht genau wissen, ob wir es mit einem gesunden oder kranken Tier zu tun haben. Es könnte beispielsweise sein, dass die Bären an einer versteckten Herzkrankheit oder an Organschäden leiden. Hinzu kommt, dass wir die Bären in Vollnarkose versetzen müssen. Das ist nicht ohne Risiko. Ein Bär, der nur leicht narkotisiert wird, ist nämlich immer noch stark genug, um einen Menschen zu töten. Wir können einen Bären nicht einfach wie einen Hund festhalten.

Besteht die Gefahr, dass die beiden Bären aus der Narkose aufwachen?
Diese Gefahr besteht immer. Aber wir haben ein ganzes Narkoseteam vor Ort, das die Narkose permanent überwacht und steuert.

Wie bereiten Sie sich auf die Operation vor?
Das Wichtigste ist die Organisation. Die Operation wird nämlich von einem Narkose-, einem Operations- und einem Zahnarztteam begleitet. Wir sind deshalb viele Leute auf engstem Raum, weshalb Koordination das A und O ist. Für uns Tierärzte wird es eine besondere Erfahrung sein, dass die Operation von 20 Minuten live begleitet wird. Normalerweise bekommen die Menschen nicht mit, wie solche Eingriffe bei einem Tier, speziell bei einem Wildtier, ablaufen. Doch am Samstag werden viele Menschen zuschauen, was uns die einzigartige Möglichkeit gibt, unsere Arbeit einem breiten Publikum näherzubringen. Genau wegen dieser medialen Begleitung ist für Nervosität kein Platz. Wir werden uns einfach wie immer auf unsere Arbeit konzentrieren.

Ist Meimo der erste Bär, den Sie operieren?
Nein, ich bin seit über 25 Jahren im Zoogeschäft und habe Dutzende Bären behandelt und viele davon operiert. Die Operation an den beiden Bären gehört für mich deshalb zu meinem beruflichen Alltag und ist nicht viel anders als die Operation eines Löwen, Tigers, Zebras oder Krokodils. Es ist halt einfach meine Arbeit, der ich sehr gern nachgehe – egal, welches Tier auf dem Operationstisch liegt.

(mm)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TongMick am 12.04.2019 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    super!

    Ich finde die Aktion super und mein Lob an Arosa sowie die 4Pfoten-Organisation. Es macht auch durchaus Sinn die Tiere zu kastrieren und denjenigen Tieren eine Obhut zu geben, welche in wirklich traurigen Bedingungen leben. Diese einzusperren und dann Nachwuchs zu generieren bringt nichts und der Platz soll wie beschrieben an Tiere vergeben werden, welche sonst qualvoll leben müssten. Hut ab und weiter so!

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  • Jeannette am 12.04.2019 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Danke an die die dies ermöglichen

    Viel Glück den Vierbeinern. Hoffe sie können noch ein paar schöne , gesunde und glückliche Jahre verbringen

  • Marie am 12.04.2019 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meimo

    viel Glück und gutes Gelingen und danke von Herzen allen Helfern

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus H. am 13.04.2019 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst der Mensch!

    Wenn mit dem gleichen Engagement hilfsbedürftigen Menschen geholfen würde, hätten fast das Paradies auf Erden!

  • tierfreund am 13.04.2019 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    danke

    vielen dank an 4 pfoten und dem ganzen einsatzteam! das sind die schönen schlagzeilen..

  • K. Naller am 13.04.2019 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Mir geht es gegen den Strich

    dass die ganze Aktion so breit geschlagen werden muss, nur um mit dem Bär weiter Kommerz zu machen. Das ganze geschieht unter dem Mäntelchen der Tierliebe. Für mich ist es ein Business Modell, bei dem es rein ums Geld geht. Mehr nicht.

  • transensohn martullo am 13.04.2019 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    dann essen sie im gulasch auf

    habt ihr ihm auch die höden entommen? das machen schweizer doch so gerne an bären.

  • APulfi am 13.04.2019 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Spenden

    Schreibt doch mal die Kontonumer von 4 Pfoten, vielleicht spendet ja der ein oder andere ein paar Franken. Wäre doch super.