Gefahr durch Chlorothalonil

13. Dezember 2019 16:46; Akt: 13.12.2019 16:46 Print

«Bei Ratten wurde Nierenkrebs gefunden»

Der Bund zieht die Notbremse: Das Pestizid Chlorothalonil wird verboten. Wie gefährlich ist das Pflanzenschutzmittel?

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Warum wird das Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil vom Markt genommen?
Die Schweiz stuft Chlorothalonil neu als «wahrscheinlich krebserregend» für den Menschen ein. Es darf deshalb per sofort nicht mehr verkauft und ab nächstem Jahr nicht mehr verwendet werden. «Diese Einstufung basiert auf Befunden von Studien an Ratten, in denen Chlorothalonil zu Nierenkrebs führte, Daten im Menschen gibt es dazu nicht», sagt Lothar Aicher vom Schweizerischen Zentrum für angewandte Humantoxikologie.

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Chlorothalonil selbst sei aber nicht im Trinkwasser vorzufinden, sondern nur die Abbauprodukte des Fungizids, heisst es beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Aicher sagt, dass bei diesen Abbauprodukten schon als Vorsichtsmassnahme eine gesundheitsschädigende Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann, solange man keine Beweise für deren Unschädlichkeit hat. Daneben ist laut Alexandra Kroll vom Ökotoxzentrum auch das Risiko für Fische hoch.

Seit diesem Sommer ist bekannt, dass lokale Grenzwerte für die Abbauprodukte des Fungizids im Grund- und Trinkwasser überschritten sind. Werde ich jetzt krank, wenn ich Wasser trinke?
Der gesetzlich festgelegte Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter, das entspricht 0,0000001 Gramm pro Liter oder ein zehn Millionstel Gramm pro Liter, ist laut Experte Aicher sehr tief und zeigt den Wunsch, dass unser Trinkwasser rein und sauber sein soll. Dieser Grenzwert sei aber nicht aus toxikologischen Studien ermittelt worden: «Eine Überschreitung dieses Grenzwertes zeigt uns nur an, dass das Wasser nach Schweizer Qualitätsstandards als verunreinigt gilt.» Ob ein Gesundheitsrisiko vorliege, könne damit nicht bestimmt werden.

Was passiert, wenn Grenzwerte überschritten werden?

«Wenn die Grenzwerte nicht eingehalten werden, dann müssen die Wasserversorger innert Monatsfrist Sofortmassnahmen durchführen», sagt Paul Sicher, Sprecher des Wasserverbandes SVGW. Dazu gehöre, die Wasserquelle wenn möglich abzustellen oder Wasser aus Nachbargemeinden zuzukaufen.

Ein anderer Weg sei, das verschmutzte Wasser mit reinem Wasser zu verdünnen. «Schlussendlich muss der Höchstwert einfach eingehalten werden, wenn das Wasser aus dem Hahnen kommt», erklärt Sicher. Der Stoff werde aber noch viel länger im Grundwasser nachzuweisen sein, da dieses ein sehr träges System sei. «Wie sich die Abbauprodukte von Chlorothalonil verhalten, ist noch nicht bekannt.»

Gibt es andere Pestizide, die verboten werden müssten?

Bei den älteren Pflanzenschutzmitteln kann es gemäss Aicher aufgrund neuer Risikobeurteilungen zu weiteren Verboten kommen. In der Kritik stehen zurzeit die Pyrethroide. Diese Insektizide stehen im Verdacht, eine stark schädigende Wirkungen auf aquatische Lebewesen und Insekten zu haben. Sicher sagt: «Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass wir verstärkt und wirksam das Grundwasser vor Fremdstoffen schützen müssen, zum Beispiel durch eine verschärfte Zulassung oder spezifische Anwendungsverbote von Pestiziden – auch in Privatgärten.»

Was sagen die Bauern zum Verbot?

«Wir begrüssen den Entscheid, da er Klarheit schafft», sagt Bauernverbandssprecherin Sandra Helfenstein. Die Bauern stünden zu Unrecht in der Kritik. «Auch wir wollen sauberes Trinkwasser. Aber wir sind nur die Anwender und keine Toxikologen. Wir müssen uns darauf verlassen, dass die zuständigen Behörden ihre Arbeit machen.» Laut Helfenstein kommt Chlorothalonil seit 50 Jahren zum Einsatz. «Alternative Mittel sind vorhanden.»

(les)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Beobachter am 13.12.2019 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden vergiftet...

    Darm- und Nierenkrebs sind in unseren Spitälern bei Männern mittlerweile die häufigste Krebsddiagnose... Ihr glaubt ja nicht, dass es nur wegen diesem einen Mittel Chlorothalonil und nur bei Ratten Krebs gibt..! Wir werden durch diese chemischen Keulen in der Landwirtschaft systematisch und langsam vergiftet... nur, im Moment will das noch keiner wahr haben..., besonders nicht unser Bundesrat und das Parlament. Lieber ziehen Sie die Verseuchung schweigend weiter und wissen von nichts...

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  • Bauleiter am 13.12.2019 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bauchemie

    Nehmt doch mal die ganze Bauchemie unter die Lupe, Farben Verputze Reinigungsmittel etc. in Fassadenfarben hat es auch Fungizide und Insektizide drin die ausgewaschen werden und in die Drainage geleitet werden. Wir hocken alle im gleichen Boot.

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  • rbuechlo20 am 13.12.2019 22:00 Report Diesen Beitrag melden

    Vergiftet, weil nicht wissen.

    In Zahnpaste weissfarbe Chemie, in Handcremen Plastic-Chügeli, in Ravioli Zuckerzusätze, und hat uns jemals wer gefragt, ob wir das wollen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Regenwurm am 18.12.2019 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Hausgärten und Blumenwiesen

    In der Schweiz gibt es viel zu viel Rasenflächen, die nicht genutzt werden. Kleine Blumenwiesen in den Siedlungen können Bienen, Schmetterlingen etc. Nektar und Pollen anbieten. Die Rasenwüsten lassen sich auch in giftfreie Hausgärten umwandeln. Damit wäre zudem das Problem der Selbstversorgung teilweise gelöst.

  • der Türst am 16.12.2019 06:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ja zur Trinkwasserinitiative 2020

    Da gibts nur noch eins für mich: JA zur Trinkwasserinitiative 2020

  • lala am 15.12.2019 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    geld vor gesundheit

    wir werdenganz bewusst vergiftet, über die nahrung, trinken, zahnpasta usw.! unsere bundesräte sind in meinen augen witzfiguren, denen es eigentlich egal ist, was das volk will... rs sind ja nicht "nur" pestzide...freut euch auf die 1000en neuen 5g antennen...der gewinner ist immer derselbe : pharmaindustrie;)

  • Kurti am 15.12.2019 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gift versprühen

    Ist eindeudig der Kunsument schuld! Alle wollen kein Gemûse u Frûchte die ein kleiner fleck haben Die Menschheit ist nicht mehr normal ..Die wollen ja Babys vom Katalog! Wie früher konnte man bei Ackermann katalog Wolle und Stoff muster aussuchen. Nur sind Babys keine Ware

  • Weiter Denken am 15.12.2019 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    Alles klar!?

    Konventionelle Landwirtschaftsprodukte sind mit Milliarden subventioniert! Bio-Produkte sind somit nicht teurer! Man macht im Moment halt mehr, viel mehr Gewinne damit.